DIE SUCHE NACH LIEBE
Die Suche nach der einzigen und wahren Liebe, die sich jeder Mensch individuell vorstellt, ist der Motor für unser Leben und unsere Beziehungen, die wir führen. Dieses Sehnsucht in uns, Liebe zu erhalten und geben zu können, in ihr förmlich aufgehen und sich entfalten zu können, nur auf diese Weise sein eigenes und wahrhaft lebendes Selbst erfahren zu können – im Spiegel des anderen – treibt uns dazu, im Außen das zu suchen, was im Grunde nur in unserem tiefsten Inneren gefunden werden kann.
Die Fähigkeit, zu lieben und diesen Zustand artikulieren zu können, unterscheidet uns wesentlich vom Tier, welches seine Triebhaftigkeit zur Fortpflanzung einfach instinktiv animalisch auslebt.
Vielleicht ist es die menschliche Crux, die Dinge viel komplizierter zu gestalten, als Gott sie eigentlich gemeint hat.
Wie sehr sind die meisten von uns in der Suche verhaftet, den richtigen Partner zu finden, weil wir uns nur als halbe Einheit empfinden. Wir alle haben schon gehört, dass zu jedem Töpfchen ein richtiges Deckelchen gehört. Ein Aspekt, der an die mythologische Thematik des Androgynen erinnert.
Wie oft hängen wir dem Gedanken des Verschmelzens im Zustand der Liebe nach, von dem wir uns so viel erhoffen, an Zugehörigkeit und an einem harmonischen Miteinander mit einem geliebten Menschen. Wie sehr sehnen wir uns danach, angenommen und verstanden zu werden, uns mitteilen und geliebt fühlen zu können. Wir denken, nur in Symbiose mit einem geliebten Menschen könne man sich fallen lassen und wahrhaft Vertrauen erfahren, welches eine intakte Beziehung ja ausmacht.
Manche erleben das große Glück und finden offenbar ihre wahre Liebe, leben ein Leben im Einklang, im absoluten Vertrauen zueinander. Sie wachsen zusammen und üben sich in Verzicht und Toleranz, in Kompromissbereitschaft und Geduld.
Manche erleben allerdings nur kurze Begegnungen. Schweben wie Schmetterlinge im Wind von Blüte zu Blüte, eintauchend in die Buntheit des Lebens, ohne in Stille länger verharren zu können.
Nach und nach werden Lebensbeziehungen mit den scheinbar überholten Rollenbildern unserer Ahnen immer mehr zur Ausnahme.
Die meisten von uns leben heute Lebens-Abschnitts-Beziehungen.
Die persönliche Freiheit und Entwicklung rücken immer mehr in den Vordergrund, lassen ein Nachgeben und sich selbst Vergessen oder Verzichten nicht mehr zu, und oft kann der eine mit der Veränderung des anderen nicht mehr Schritt halten.
Dabei wird die Basis wahrer Liebe auch von Bescheidenheit, Demut, Verzicht und Dankbarkeit getragen. Umstände, die in unserer so schnell-lebigen, manchmal fast verrohten Gesellschaft kaum noch ihren Platz finden.
Die wahre Liebe zueinander ist die Brücke von Mensch zu Mensch, der Einklang zweier Seelen, die ernsthafte Arbeit miteinander, die Bewältigung des Alltags und die Schattenseiten des anderen ebenso annehmen und erdulden, ja lieben lernen wie seine schönen, angenehmen, lustvollen Seiten.
Wahre Liebe ist ein glühender Funke in uns.
Sie ist eine Feuer,
das in wahrhaftem Menschsein und Hingabe gehütet werden will.
