Während Wissen dann ist, wenn es erkannt wird, und wieder verschwindet, wenn es als falsch erkannt ist, bleibt der Mensch außerhalb der Wahrheit. Nun liegt es also an der Wahrnehmung, was wir von der Wahrheit wissen. Sinnestäuschung kann nicht a priori ausgeschlossen werden. Schutz dagegen schaffen nur Methoden, die ERkenntnis – und damit das Wissen über die Wahrheit – nachvollziehber, also wiedererkennbar darstellen können.
Wissen ist daher abhängig von der Methode. So erfolgt wor dem eigentlichen Wissen die Erkenntnis über das Wissen selbst, es entsteht daraus die Protowissenschaft. Erst dann kann das eigentliche Geschäft der Wissenschaft betrieben werden. Hartmann (1993) beispielsweise lässt eine wissenschaftliche Erkenntnis nur dann gelten, wenn sie zuvor protowissenschaftlich in das Gebäuder der jeweiligen Wissenschaft eingeordnet sowie methodologisch eingefügt.
Diese sehr fachspezifische Form der Kritik an der noch zu erlangenden Kenntnis aber ist eine Art von Absolution, welche ich hiermit anzweifeln möchte.
Wenn einer Wissenschaft eine Protowissenschaft vorangeht, so müsste der Protowissenschaft eine Protoprotiwissenschaft vorangestellt werden, dieser wiederum eine Protoprotoprotowissenschaft. Denn wir können uns ja nie sicher sein, dass eine Erkenntnsi, Protoerkenntnis, Protoprotoerkenntnis etc. wirklich mit der uns unbekannten wahren Wirklichkeit übereinstimmt.
Es wird also keine Protowissenschaft benötigt. Sie ist eien Sackgasse! Benötigt wird eine hermeneutisch arbeitende Metawissenschaft, welche die immer größer werdende Summer an Erkenntnissen verstehen kann. Nur so können die Irrungen der Erkenntnis, wie sie sich beispielsweise in der Teleologie und Theologie zeigen.
Einfach formuliert: Kritische Hermeneutik statt selbstreferenzielle Nabelschau!
Lit.:
Eco, Umberto (1983): Semiotik der Philosophie und der Sprache (München)
Gadamer, Hans-Georg (1960): Wahrheit und Methode (Tübingen)
Hartmann, Dirk (1993): Naturwissenschaftliche Theorien. Wissenschaftstheoretische Grundlagen am Beispiel der Psychologie. (Mannheim)
Schleiermacher, Friedrich (1838): Hermeneutik und Kritik; mit besonderer Beziehung auf das Neue Testament (Berlin)
Wright, Georg Hendrik von (1974): Erklären und Verstehen (Frankfurt)
