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(Über)Bewertungen

Sonstiges · · 12 Kommentare

Menschlich ist es, Dinge zu bewerten - wer es schafft, eigene Werturteile zu unterlassen, ist auf dem Weg zur Erkenntnis schon weit vorangekommen.

Das Gefährliche daran ist, dass auch die Bewertung einen Wert hat...und dass wir immer wieder in Bewertungen hineinfallen, ohne es selber zu merken.

ERSTENS sind wir menschliche Subjekte - DASS wir bestimmte Vorlieben und Abneigungen haben macht unsere Persönlichkeit aus, in unseren Bewertungen zeigen wir uns selbst. In diesem Sinne sind unsere Bewertungen also absolut legitim und in Ordnung.
Wer gar nicht "bewertet" bezieht keine Position und überläßt damit Anderen (und deren "Bewertung") das Feld.

ZWEITENS stecken bereits in vielen Worten und Formulierungen "Bewertungen", deren suggestive Wirkung auf uns wir oft gar nicht bewußt spüren.
Als Beispiel sei der 1. Satz dieses Blogs erwähnt: "schaffen" ist in unserer Vorstellung meist etwas "Gutes", und "auf dem Weg zur Erkenntnis weit vorangekommen" zu sein erstrebt wohl Jeder....also bleibt in unseren Gehirnen stecken, dass "Bewertungen" an sich etwas "Schlechtes" seien - was wiederum selber eine Bewertung darstellt.

DRITTENS manipulieren wir uns selbst sowie Andere, indem WILLKÜRLICH WERTEN.
Wir alle bilden uns ein, gute Gründe für unsere Absichten und Handlungen zu haben...und wenn unsere Absichten bereits insgeheim feststehen, dann ENTWERTEN wir Gründe, die unseren Absichten entgegenstehen, indem wir sie "nicht überbewertet" sehen wollen...
Wer oder was bestimmt überhaupt, welche Gründe wie "wichtig" sind? Auch das ist WERTUNG, und ein selbstbestimmtes Leben führen Diejenigen, die ihre Werte selber bestimmen.

Wer es schafft, eigene Werturteile zu unterlassen, ist auf dem Weg zur Erkenntnis schon weit vorangekommen.
Doch möglicherweise ist Derjenige NOCH WEITER, der es schafft, ABSICHTLICH und BEWUSST zu werten...

http://www.youtube.com/watch?v=Fgass0kZYuI Böhse Onkelz - Scheißegal

07. Dezember 2010 15:02

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Jaja, Bewertungen... :zwinker: Vermutlich genau so schädlich wie Verallgemeinerungen, was das Erreichen einer Erkenntnis angeht. Maybe, maybe not. :zwinker:

Verallgemeinerungen können übrigens ebenso suggestiv sein wie Bewertungen (so kann man sich selber und Andere damit unter Druck setzen, ein Handeln auszuführen oder auch zu unterlassen). Oft kommen sie im Gewand scheinbarer Gesetzmäßigkeiten daher, die aber nicht bewiesen oder belegt werden können. Auch "man", "alle" oder z.B. "jeder" sind ganz gute Indikatoren dafür, dass man eventuell gerade einer Verallgemeinerung aufsitzt.

Byron Katie hat da ganz schöne Fragen im Gepäck, mit denen man Verallgemeinerungen "zu Leibe rücken" kann http://www.thework.com/deutsch/downloads/Arbeitsblatt_UntersucheEineUberzeugung.pdf

:halloha:


> Jaja, Bewertungen... zwinker Vermutlich genau so schädlich wie
> Verallgemeinerungen, was das Erreichen einer Erkenntnis angeht.

Da ICH hier besonders für das bewusste Bewerten plädiert habe, und nicht für das "Nicht-Bewerten", soll ich Deinen Kommentar also als Plädyer für Verallgemeinerungen verstehen? :gruebel:

> Verallgemeinerungen können übrigens ebenso suggestiv sein wie Bewertungen

Touché....! :verbeug: :handkuss:


Nöööö... auch bewusstes Bewerten kann dazu führen, dass ich mein Wahrnehmen / Handeln in eine Richtung lenke, die eingleisig ist. Ich würde eher einen Schritt zurück gehen und schauen, was da ursprünglich zugrunde lag, bevor ich einen Stempel aufgedrückt habe (die "Sache an sich") und mir damit die Möglichkeit geben, dass ich es vielleicht so oder so oder so... sehe. :zwinker:
Sagen wir mal so, wenn ich die Freiheit habe, eine Bewertung auch wieder zurückzunehmen, dann verschafft mir das ein Mehr an Handlungsfreiheit :blumen:


Richtig! Wenn ich meine Wahrnehmung/mein Handeln in EINE Richtung lenke, dann ist dies zwangsläufig eine "Eingleisigkeit", wie Du es nennst. EINE Richtung ist eben nicht ALLE Richtungen.

BEWUSSTES Bewerten "kann" nicht nur dazu führen, sondern führt absichtlich dazu. Eben bewußt. Man ENTSCHEIDET.

Bewußtheit gibt die Freiheit, Bewertungen zu treffen oder eben nicht zu treffen.

Und wenn ich die Freiheit habe, eine Bewertung auch wieder zurückzunehmen, dann verschafft mir das natürlich ein "Mehr" an Handlungsfreiheit.
Politiker haben darin sehr viel Übung, die nehmen ja nach der Wahl auch oft die Bewertungen zurück, die sie vor der Wahl getroffen haben...und gewinnen dadurch viel "Handlungsfreiheit" :blumen:


Noch immer nööööö :zwinker: . Ich bleibe dabei: So bald ich bewerte (auch bewusst) lege ich mich darauf fest, wie ich eine Sache sehe. Eine Bewertung zurücknehmen zu können und sie ggf. zu ändern ist das, was mir Handlungsfreiheit ermöglicht.


Wieso "nööö" ?! :tanz: Ich finde eher "Sowohl-als-auch" ! :blumen:

Wir beide beschreiben Aspekte, die zutreffen...Aspekte, die sich m. E. ergänzen. OK? :flagge:

> So bald ich bewerte (auch bewusst) lege ich mich darauf fest, wie ich eine
> Sache sehe.

Genau so ist es. Und wenn ich es BEWUSST tue, dann habe ich auch die Freiheit, es BEWUSST zu lassen - wie Du weiter ausführst, "eine Bewertung zurücknehmen zu können und sie ggf. zu ändern ist das, was mir Handlungsfreiheit ermöglicht."

Die Gefahr (...wieder so ein suggestives Wort...) liegt in "unbewußten" und daher nicht hinterfragbaren Bewertungen - Bewertungen, die uns "so sehr in Fleisch und Blut übergegangen sind", dass wir sie für unverrückbare Tatsachen halten.
Diese haben es so an sich, dass wir sie ohne Anstoß von "außen" gar nicht als solche erkennen können.

Abschließend (?) stellt sich noch die Frage, ob das immer "schlecht" ist... :gruebel:


Ob das immer "schlecht" ist? Das ist nun wieder abhängig davon, was das für Konsequenzen hat. Hat es die Konsequenz, mein Handeln einzuschränken, dann eher ja. Hat es die Konsequenz, mein Handeln zu erweitern, dann eher nein. :prost:


Das "Werten" geschieht bestimmt auch zu einem guten Teil unbewusst und kaum jemand kann sich dessen entziehen. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, die "Beurteilung", die bei manchen Menschen oft gleich eine "Verurteilung" ist, zu unterlassen oder zumindest, sie für sich zu behalten. Toleranz. Quasi milde lächelnd und zurückhaltend interessiert das Treiben der anderen anschauen.....
:grins:


Genau das ist wohl das Hauptproblem: die unbewußte Wertung.
Was ich unbewußt tue, kann ich nicht bewußt unterlassen - denn ich habe ja gar nicht bewußt gemerkt, dass ich es überhaupt getan habe.
"Quasi milde lächelnd und zurückhaltend interessiert das Treiben der anderen anschauen" bedeutet noch lange nicht, dass man keine eigene Meinung dazu hat - und Meinung IST Bewertung.
Di Kunst bestünde eher darin, das EIGENE Treiben "Quasi milde lächelnd und zurückhaltend interessiert anschzuschauen" - also in kritischer, humorvoller Distanz zu sich selber zu stehen. OK? :zwinker:


Ja, kritische Reflektion des eigenen Selbst mit dem Ergebnis charakterlicher Grösse, das ist natürlich eine anzustrebende Lebenseinstellung. Menschen, die sich selbst lieben, sind übrigens um einiges toleranter......ich mag Menschen, die die Dinge positiv sehen und dem Leben zulächeln....
:-))


Reflextion wird denn doch mit "x" geschrieben.......
Ich hoffe, der Fehler wird jetzt hier nicht überbewertet!?
:-))))))))))))))


:zwinker: Also wenn mit "x", dann aber ohne "t"....Reflexion meine ich....und "Reflektion" scheint mir auch noch korrekt

Aber überbewerten würde ich das nicht - Hauptsache man versteht was gemeint ist.

Kritischer würde ich die Formulierung "charakterliche Größe" bewerten.... :grins: ....sie suggeriert sehr viel, ohne dabei allzu konkret zu werden - und WERTET dabei eindeutig! (ein "großer Charakter"...klingt das nicht toll?!)

Und das Wort "anzustrebend" hat es richtig in sich. Es suggeriert unpersönliche Objektivität, das "alternativlose" Ideal....

Sachlich meinen wir wohl so ziemlich dasselbe, haben dieselben "Ideale" vor Augen - da ist die Gefahr besonders groß, sich gemeinsam Objektivität und die "richtige" Einstellung vorzugaukeln.
Deshalb fahnde ich besonders intensiv nach Worten, die suggestive Kräfte entfalten - auch auf MEINE Wahrnehmumg/Einstellung.

:tanz: http://www.youtube.com/watch?v=2OEcCBk2RUk&feature=player_detailpage

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