Menschlich ist es, Dinge zu bewerten - wer es schafft, eigene Werturteile zu unterlassen, ist auf dem Weg zur Erkenntnis schon weit vorangekommen.
Das Gefährliche daran ist, dass auch die Bewertung einen Wert hat...und dass wir immer wieder in Bewertungen hineinfallen, ohne es selber zu merken.
ERSTENS sind wir menschliche Subjekte - DASS wir bestimmte Vorlieben und Abneigungen haben macht unsere Persönlichkeit aus, in unseren Bewertungen zeigen wir uns selbst. In diesem Sinne sind unsere Bewertungen also absolut legitim und in Ordnung.
Wer gar nicht "bewertet" bezieht keine Position und überläßt damit Anderen (und deren "Bewertung") das Feld.
ZWEITENS stecken bereits in vielen Worten und Formulierungen "Bewertungen", deren suggestive Wirkung auf uns wir oft gar nicht bewußt spüren.
Als Beispiel sei der 1. Satz dieses Blogs erwähnt: "schaffen" ist in unserer Vorstellung meist etwas "Gutes", und "auf dem Weg zur Erkenntnis weit vorangekommen" zu sein erstrebt wohl Jeder....also bleibt in unseren Gehirnen stecken, dass "Bewertungen" an sich etwas "Schlechtes" seien - was wiederum selber eine Bewertung darstellt.
DRITTENS manipulieren wir uns selbst sowie Andere, indem WILLKÜRLICH WERTEN.
Wir alle bilden uns ein, gute Gründe für unsere Absichten und Handlungen zu haben...und wenn unsere Absichten bereits insgeheim feststehen, dann ENTWERTEN wir Gründe, die unseren Absichten entgegenstehen, indem wir sie "nicht überbewertet" sehen wollen...
Wer oder was bestimmt überhaupt, welche Gründe wie "wichtig" sind? Auch das ist WERTUNG, und ein selbstbestimmtes Leben führen Diejenigen, die ihre Werte selber bestimmen.
Wer es schafft, eigene Werturteile zu unterlassen, ist auf dem Weg zur Erkenntnis schon weit vorangekommen.
Doch möglicherweise ist Derjenige NOCH WEITER, der es schafft, ABSICHTLICH und BEWUSST zu werten...
http://www.youtube.com/watch?v=Fgass0kZYuI Böhse Onkelz - Scheißegal
