Liesette     Design

(), Deutschland · weiblich · 56 Jahre alt · registriert seit 4 Monaten · heute zuletzt online

Musik für die Nerven.

Kunst / Kultur · · 1 Kommentar

Gegen zweiundzwanzig Uhr waren wir endlich zurück in unserer neuen Bleibe.
Mein Gewohnheitstier machte sofort das was er immer macht, wenn er nicht gerade schläft,ißt oder mit seiner Eisenbahn spielt.
Er grabschte sich die Fernbedienung.
Da ich einen anstrengenden Tag hinter mir hatte, beschloss ich meinem geschundenen Körper was Gutes zu tun.
Zusammen mit einer Tafel Vollmilchschokolade marschierte ich in die Küche, um mir eine heiße Schokolade zu machen.
Den ganzen Tag nur zusehen wie andere Leute sich mit Kartons und Möbeln rumquälen, kann einen Menschen echt schlauchen.
Auch Befehle erteilen geht mächtig an die Substanz.
Ständig für andere Leute vordenken und ihnen die richtigen Schubladen und Schränke zeigen, ist enorm mühselig.
Ich war fix und fertig.
Nachdem ich mir noch einen anständigen Klecks Sprühsahne mit Zucker auf das Gesöff gepappt hatte, schlenderte ich langsam wieder ins Wohnzimmer.
Das angetraute Etwas war immer noch mit zappen beschäftigt. Nach zwanzig Minuten hatte ich meine Schokolade zu neunzig Prozent dezimiert und mir fielen langsam die Augen zu.
Da im Fernsehen auch nichts Anständiges lief, kam ich zu der weltbewegenden Erkenntnis, im Bett ist es am schönsten.
Mein Müder war der gleichen Meinung.
Wir machten uns für die Nacht fertig, begleitet von Musik, die entfernt an indische Volksmusik erinnerte, aber im Grundtenor doch mehr in die Esoterik abdriftete.
Wenn der Mensch im wachen Zustand durch die Wohnung läuft und mit fadem Gedudel berieselt wird, stört es nicht besonders.
Wenn der Mensch jedoch versucht einzuschlafen, was bei älteren Exemplaren meistens problematisch ist, nervt dieser Singsang beachtlich.
Nach einer viertel Stunde hatte ich den Kanal voll.
Ich schmiß meinen leicht antiquierten, aber sehr bequemen, Morgenrock über und marschierte die Treppe runter zu unserem nervenkranken und auch leicht gestörtem Lehrer.
Der arme Mann war sehr empört über mein Ansinnen. Ja, fast entrüstet!
Er erklärte mir langatmig, die Musik sei Balsam für seine Nerven und sein, von uns aus dem Gleichgewicht gebrachtes Karma. Meine Familie sei der Grund für seinen sehr schlechten Zustand und deshalb müßte meine Familie jetzt natürlich, ohne Einschränkung, Rücksicht auf ihn nehmen.
Ich erklärte ihm im Telegrammstil, ich würde ihm sein Karma gleich sonstwohin schieben und wenn er die Musik nicht sofort auf Zimmerlautstärke stellt, wird die Polizei anrücken, um mit ihm ein Tänzchen zu machen, was garantiert nicht nervenschonend ist.
Er wurde knallrot im Gesicht und schmiss die Tür zu.
Vierzig Minuten später war der Pädagoge um eine Belehrung reicher.
Die Beamten hatten nicht lange gefackelt, da er schon hinreichend bekannt war für seine nächtlichen Konzerte.
Es hatte ihm den Beliebtheitsgrad einer Kakerlake eingebracht und darum behandelten ihn nicht nur die Polizisten wie einen Spinner.
Der Rest der Nacht verlief ruhig.
In der Nachbarschaft bellten Hunde um die Wette, die ab und zu von einem genervten Anwohner in Grund und Boden gebrüllt wurden, sich aber nicht nachhaltig stören ließen.

Letzte Änderung: 30. Januar 2012 22:21

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1 Kommentar

klasse, ich kann mir den Lehrer richtig Bildlich vorstellen :ok:

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