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Heide-Marie · (), Deutschland · weiblich · 71 Jahre alt · registriert seit 2009 · heute zuletzt online

Die alte Frau und das Mädchen

Sonstiges · · 2 Kommentare

Die alte Frau und das Mädchen


Eine sehr alte Frau saß am Meer und lauschte den Wellen die an den Strand schlugen, da vernahm sie noch ein anderes Geräusch. Sie drehte den Kopf hin und her um festzustellen wo dieses Geräusch herkam, dann fragte sie warum da jemand weint. Ein paar Meter weiter saß ein Mädchen mit leeren, traurigen Augen und erschrak sehr als es die Worte hörte, es hatte gar nicht bemerkt das da jemand in der Nähe war.


Magst du nicht zu mir rüberkommen und mir erzählen was dich bedrückt? fragte die alte Frau. Das Mädchen stand zögernd auf und setzte sich neben sie. Lange schaute das Mädchen die Frau an und fing an zu reden.


Ich dachte ich wäre hier alleine, flüsterte sie, und hier kann ich immer meinen Tränen freien lauf lassen, zu Hause darf ich das nicht, dann gibt es immer großen Ärger. Die alte Frau schaute das Mädchen an und lächelte, ja hier am Meer kann man seine Gefühle loslassen im Meer sind sie gut aufgehoben, keiner wird sie finden wenn Du nicht willst. Es gibt keinen schöneren Ort außer vielleicht noch oben auf einem Berg, wo man die Unendlichkeit genauso gut spüren kann wie hier.


Das Mädchen fühlte sich wohl bei der alten Frau, es spürte das es verstanden wurde. Leise steckte es seine kleine Hand in die vom leben gezeichnete Hand der alten Frau und lehnte sich an ihre Schulter. Dir Frau strich ihr über das Haar und erzählte dem Mädchen von ihrem Leben.


Ich bin in einer Zeit geboren worden ganz am Anfang der Entstehung, oft gab es tagelang nicht genug zum überleben. Ich mußte frieren und hungern. Es gab keine Wärme, kein Licht, keinen Schutz für mich. Es war ein ständiger Überlebenskampf, so wie deiner jetzt, fing sie an zu sprechen. Dem Mädchen liefen wieder die Tränen übers Gesicht es spürte die verwandte Seele der Frau an ihrer. Weine ruhig kleines Mädchen, es tut deiner Seele sehr gut all den Kummer, das Leid und den Schmerz rauszulassen, so wie ich vor langer Zeit hier saß und meinen rausließ, tröstete die alte Frau das Mädchen.


Weißt du immer wieder mußte ich flüchten weil Bomben und Meteroiten auf unseren Planeten fielen,weil eine Eiszeit entstand und vieles mehr, man wußte nie ob die Welt die man kannte um einen herum noch da war, so wie du immer wieder flüchten mußt, weil deine Welt zerstört wird, redete sie weiter. Das Mädchen kuschelte sich in die Arme der alten Frau und fühlte seit langem wieder mal Geborgenheit. Erzähl bitte weiter, flüsterte es, es tut gut dir zuzuhören.


Als die Eiszeiten und Kriege zu ende gingen, war meine Welt jedesmal zerstört. Ich hatte kein schönes zu Hause mehr, alles lag in Trümmern und Asche. Nur das Meer war so wie immer, ihm haben die Bomben und alles andere nichts anhaben können. Es lag ruhig da und gab mir Kraft, manchesmal wenn es Stürmte saß ich so wie jetzt du hier und nahm die Kraft in mich auf. Das half mir zurück zugehen und nicht aufzugeben, so wie jetzt bei dir heute, lächelte sie dem Mädchen zu, lange Zeit wußte ich nicht warum mich das Meer so anzog, ich ging einfach nur jedesmal hierher wenn ich nicht mehr weiterwußte. Wenn ich müde war vom Leben und keine Kraft mehr in mir fand, leben zu wollen.


Aber so langsam wurde mir im laufe der Jahre klar warum mich das Meer so anzieht, hier zu sitzen gab mir wieder Kraft und Mut, das Meer lebt seit Urgedenken und hat alles gesehen was auf der Welt seit ihrer Entstehung passiert ist. Hat Lebewesen entstehen und verschwinden sehen, hat Eiszeiten und Meteroiten überlebt. Seit Jahrhunderten erträgt es die Menschen die es mit ihrem Gier ausrauben und verseuchen, zerstören wollen. Diese Gedanken helfen mir immer sehr und zeigen mir wie stark etwas sein kann, man darf nur nicht aufgeben. Wir sind ein Teil des ganzen, ein Teil des Kreislaufes, wir werden geboren und wir sterben wieder. Aber an uns liegt es was wir daraus machen, geben wir uns auf oder kämpfen wir. So wie es im Meer Ebbe und Flut gibt, gibt es für Menschen gute und schlechte Zeiten. Wenn wir bereit sind das zu akzeptieren und uns zunutzen zu machen, dann erst können wir was daraus lernen und zum besseren hin verändern, erschöpft legte die alte Frau eine Pause ein. Das Mädchen streichelte mit geschloßenen Augen der alten Frau die Hand und spürte keine Angst mehr vor der Zukunft.


Lächelnd schaute das Mädchen die alte Frau an und sagte, ich würde dir auch so gerne etwas erzählen, was dir freude bereitet, nur ich weiß nicht was.


Die alte Frau drehte den Kopf richtung Meer und erwiderte, erzähl mir von den Farben des Meeres, von den Farben des Himmels. Ich kann sie nicht mehr sehen, weil ich als die Eiszeiten und Kriege endlich vorbei waren und unser Leben wieder so langsam schön wurde, blind wurde, weil ich aufgeben wollte und ich kann mich an die Farben nicht mehr richtig erinnern. Das könntest du für mich tun.


Oh das ist mir gar nicht aufgefallen, deine Augen strahlen so lebendig und schön, sagte das Mädchen betroffen, das tut mir leid.


Lächelnd schaute die alte Frau wieder zum Mädchen runter, das in ihren Armen lag und sagte, Das muß dir nicht leid tun, ich habe all das Schöne in meinem Herzen und meiner Seele aufbewahrt. Meine Augen, mögen sie auch blind sein, sind die Tür zu meinem Herzen und meiner Seele und da all das Schön nie vergangen ist in mir können sie auf die Welt strahlen und ihre Farben mit ihr teilen.


Das Mädchen setzte sich auf und schaute über das Meer und fing an zu erzählen, von Farben die so schön waren das man sie spüren konnte. Von den Farben die sich ständig veränderten, weil sie lebten. Von Farben so blau wie die Augen der alten Frau. Von einer strahlenden Kraft die in jede Pore des Körpers eindrang und eine Wärme verteilte die einem Mut und Kraft gaben. Von Farben die in jeder Nuance des Regenbogens leuchteten und die sich in ihren Augen wiederspiegelten weil das Mädchen sie in ihr Herz und ihrer Seele aufnahm.


Lächelnd stand die alte Frau auf und ging leise weg, als das Mädchen sich umdreht um die Frau anzuschauen sah sie noch wie sich die Frau langsam in leuchtenden Farben auflöste und rief hinterher, Wer bist du und seh ich dich wieder?


Der Wind brachte dem Mädchen die Antwort, Ich bin die Natur, so alt wie die Welt selber. Ich bin ein Teil von dir und werde immer ein Teil deiner Zukunft sein, so wie ich auch immer ein Teil deiner Vergangeheit war. Ich war immer bei dir und werde immer bei dir sein, du bist nie alleine. In jedem Grashalm, jedem Sandkorn, in jedem Tropfen Wasser wirst du mich sehen und in deinen Augen finden. Ich bin du und du bist ich.

02. Februar 2012 20:34

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2 Kommentare

das ist eine echt schöne, und allem voran Mu und Kraft gebende Geschichte, liebe Heide :umarm2:



Eine sehr ergreifende Geschichte :umarm3:

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