Hallo erstmal. Ich hab mich dazu entschlossen mein Leben in einem Blog festzuhalten, da ich sowieso seit ca.8 Jahren Tagebücher führe, wenn auch neuerdings seit einem Jahr auf polnisch.
Ich weiß nicht warum genau ich JETZT anfange darüber zu berichten, was sich in meinem Leben so abspielt aber es erscheint mir, als könnte ich damit ein wenig des Gewichts abwerfen, was ich mit mir rumtrage, außerdem, falls mir mal was passieren sollte, so könnte man vielleicht einen Überblick über mein Leben haben...
Ich bin 18 Jahre alt, habe vor kurzem noch ein Gymnasium besucht, aber wie gesagt, vor kurzem... Aber es musste anders kommen, es musste alles den Bach runtergehen...
Meine Familiensituation? Ich habe Eltern (oder hatte?): meine leibliche Mutter und ihren Mann, den sie vor 9 Jahren geheiratet hat. Mein leiblicher Papa wohnt 100km entfernt... dort, wo ich früher mal gewohnt habe, als ich die erste Klasse der Grundschule besucht habe, aber es besteht seit 10 Jahren kein Kontakt mehr... zuerst weil man es mir nicht erlaubt hat und später, weil ich mich an den neuen Partner meiner Mutter gewöhnt habe.
Allein diese Geschichte ist komplexer als sie auf den ersten Blick erscheint. Der Mann meiner Mutter, nennen wir ihn Werner (ein Pole wie meine ganze Familie) war ehemalig der beste Freund meines leiblichen Vaters, Jarek. Das hat sich natürlich geändert als meine Mutter unbedingt mit ihm in die Kiste springen musste. Und komischerweise war es dann, als sie irgendwann erwischt wurden vorbei mit der Freundschaft. Verständlich, oder? Naja nach langem Hin und Her und einem häufigen Rumgeheule meiner Mutter, daran erinnere ich mich auch, wenn ich damals 6-7 Jahre alt war. Man vergisst nie den Anblick der Angst und Panik seiner Mutter, die in Ungewissheit leben musste, ob ihr Lover seine Frau verlässt und bereit ist mit ihr zusammen zu leben. Aber dann hat er sich entschieden und weil er im Opelwerk in Bochum arbeitet und dorthin aus einer 100km entfernten Stadt hinzukommen nicht zu den angenehmsten Dingen gehört, sind wir dann in dieses verdammte Kaff gezogen in die Nähe von Dortmund. Meine Mutter machte aber ihre Ausbildung zur Krankenschwester in der "alten" Stadt weiter und war teilweise nur am Wochenende vor Ort. Und ich oft mit Oma oder Opa oder Uroma alleine. Wenn ich so drüber nachdenke, könnte es mir in dem Stadium meines Lebens bereits an elterlicher Liebe gefehlt haben, und mit der Zeit wurde es gewiss nicht besser...
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Ich wuchs also dort auf, meine Mutter schloss ihre Ausbildung ab, bekam einen guten Job, zwar nicht direkt in einem Krankenhaus, sondern in einem Altenheim.
Das war vor einigen Jahren, ich wurde zu einer wirklich guten Schülerin, wollte studieren, was großes werden...
So sehr ändern sich Dinge...bzw werden beeinflusst...
Mhm...
Mein größter Wunsch zu dem Zeitpunkt war ein Hund, ein Border Collie. Ich war quasi besessen, ich dachte an nichts anderes. Okay, natürlich kreisten Gedanken auch hormonbedingt irgendwann um Jungs, Verliebtsein, Sex und den Kram, aber etwas stand immer über dem Ganzen - der Hund. Vielleicht finde ich ja mal einen schönen Eintrag in meinen 20 Tagebüchern, der dieses verzweifelte Sehen deutlich zeigt. Ich wollte ein Lebewesen, dass ich lieben konnte, dass mich so nahm, wie ich war, dass mir Wärme geben konnte, mir eine gewisse ehrliche Art von Liebe zeigen konnte, die ich so sehr haben wollte. Wann immer ich meine Mutter nach Kuscheln fragte, hörte ich ein : "Ich bin erschöpft." Aber für ihren Mann hatte sie immer Zeit, und so sammelte sich Schmerz in mir und ich, wie ich nun mal bin, fing an einfach alles in mich reinzufressen. Ich wollte diesen Hund, ich dachte an nichts anderes mehr. Meine Tagebücher verwandelten sich in Einkaufslisten für den Hund, Sachen, die ich ihm kaufen würde, wenn ich ihn endlich haben dürfte, aber ich habe umonst auf eine Erlaubnis erwartet, meine Mutter mochte keine Hunde, und Werner, der Hunde liebte, hielt wie IMMER zu ihr.
Und wieder stand ich ALLEINE da. Wieder musste ICH mit den Tränen kämpfen, mit meiner Verzweifelung, mit meiner Einsamkeit, da halfen auch die vielen Freunde nicht...
Über mich legte sich unendliche tiefe Trauer, Einsamkeit, ich hatte einfach keine Lust mehr weiterzumachen, aber ich musste, tat es, hoffte auf ein Wunder. Und irgendwann, nachdem ich alles innerlich längst aufgegeben hatte, nachdem ich die Trauer nicht mehr für mich behielt, bekam ich ein ja, durfte mir meinen Border Collie zum 17. Geburtstag kaufen. Nach langem Überlegen, aus welcher Zucht, etc... zog dann Lexi im August, einige Tage nach meinem Geburtstag bei mir ein. Und ein Stein fiel mir vom Herzen, ich hatte ein Teil meiner Seele wiedergefunden, ich hatte inneren Frieden gefunden, Ausgeglichenheit.
Hätte ich gewusst, dass damit ein Stein zum Rollen gebracht wurde, der mein bisheriges Leid, fast lächerlich aussehen lässt. Meine Mutter mochte keine Hunde, fand sich aber mit dem süßen Lex ab, nur das Problem : Sie hat einen Putzwahn, nichts darf rumliegen, nichts darf übersehen werden. Jedes Aufkommen von Staub wird vier mal täglich unterbunden, ach ich kann da nur den Kopf schütteln...
Und ein Hund, insbesondere ein Border Collie, ist kein "Objekt" was sich diesem Wahn unterordnen kann. Und schon wurde meine Mutter immer gestresster, stresste mich, Werner und selbst Lexi. Ich durfte mir anhören, ich sei zu nichts zu gebrauchen, unterstütze sie nicht... aber wie viel kann ich denn machen?
Selbst in Freistunden kam ich nach Hause, um mit dem Kleinen zu gehen, ihn zu erziehen, denn es war ja MEIN Hund, dann sollte ich mein Niveau in der Schule halten, 8 Stunden die Woche Nachhilfe geben und aufräumen??? Ich glaube, dass kann man nicht alleine schaffen. Ich bekam täglich Kopfschmerzen, heulte immer noch, weil ich mich überfordert fühlte, aber wollte alle glauben lassen, es sei ok.
Es war nicht meine Art andere um Hilfe zu bitten, es war nicht meine Art mir meine Schwäch anmerken zu lassen, also beließ ich es dabei, mich nur dann hilflos zu fühlen, wenn es keiner sehen konnte, wenn keiner mich bemitleiden konnte...
Irgendwann musste es passieren, ich fing an Prioritäten zu setzten, sie falsch zu setzen. Klar Lexi war DAS Wichtigste, dann meine Nachhilfeschüler, denen ich verpflichtet fühlte, ich wollte das sie es zu etwas brachten. Und ich vergaß mich, mein Leben. Ich vernachlässigte meine Schule, schwänzte Unterricht, widmete mich meinem Hund und den Nachhilfeschülern und meinen starken Kopfschmerzen. Und langsam begann alles einzustürzen. aber scheinbar schien das keiner zu bemerken, die Fehlstunden schob ich auf Kopfschmerzen, die schlechteren Noten (ich war vorher 1,8 Durchschnittschülerin) schob ich auf den Anfang den Oberstufe. Ich belog mich selbst. Ich wusste hinterher selbst nicht mehr, wo die Wahrheit war. Ich fühlte mich verloren, alleine und konnte es dennoch nicht ändern, war nicht bereit jemandem zu vertrauen...
Es verging ein halbes Jahr, indem ich mich wieder aufbesserte in der Schule, dann aber verschlechterte sich die Situation zu Hause. Meine Mutter konnte mir wegen den ganzen Fehlstunden nicht mehr trauen und schob mir bei jedem Handeln eine Lüge unter. Ich fing häufiger Streit an, und irgendwann platzte mir der Kragen... ich beschimpfte sie mit dem einem oder anderen Schimpfwort, sagte sie solle die Schnauze halten, denn ihren irrealen Kram wolle keiner hören. Und da nahm mein Vater mich und schlug mir ins Gesicht...
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...das änderte vieles. Ich habe nicht geweint, ich wurde innerlich sauer. Ich machte alleine Urlaub in Polen in einem Hotel, kam wieder und plötzlich - wurde ich die Gewalt nicht mehr los. Mein Vater, wenn ich ihn jemals als einen betrachten könnte, nahm mich, warf mich durch die Gegend, ich bekam Tritte, Schläge, wurde an den Haaren gezerrt, erniedrigt, als Dreck bezeichnet ( auf polnisch "scierwo" ) und bekam einen Satz zu hören an dessen Realisation ich nicht zweifelte :"Ich bring dich um, du nichtsnutziges Stück Scheiße!!"
Und dann brach ich plötzlich die Schule ab, den Kontakt zu Freunden, ich wollte ein neues Leben...ich wollte vergessen, konnte es in dem Haus aber nicht... fuhr über die Winterferien nach Österreich mit meinem besten Freund, un bin jetzt wieder in der gleichen Stadt, aber bei der Tochter von Werner, die zwar 28 Jahre älter ist, aber mit der ich mich immer gut verstanden habe... den Rest, die Details, meine Gefühle, einzelne Geschehnisse werde ich euch in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten erzählen...
LG
