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: : "So kann es nicht weitergehen..."

12. Apr 2012 10:07
"So kann es nicht weitergehen..."

"So kann es nicht weitergehen" - ein Satz, der immer öfter aus den Mündern der Menschen zu schallen scheint, in Anbetracht der gegenwärtigen Zustände in Wirtschaft, Finanzwesen, Umwelt, Arbeitsmarkt und gesellschaftlichem Miteinander.

"So kann es nicht weitergehen", das ist natürlich schnell mal einfach so dahin gesagt.
Doch wenn es so nicht weitergehen kann, wie dann?
Bei der Suche nach möglichen Antworten auf diese Frage bin ich bereits vor längerer Zeit über das Venus Project gestolpert, eine profitfreie Organisation, die an Blueprints für eine bessere Welt bastelt.
Ein kleiner Trailer gibt kurze Einblicke: http://www.youtube.com/watch?v=Ip_ElRKNTUQ
Mehr auf http://www.thevenusproject.com/

Gestern hab ich aus Faszination an der Thematik eine spin-Gruppe zum Venus Project eröffnet. Die Gruppe findet sich in meinem Profil.

Was sind Eure persönlichen Meinungen zu dem Projekt?
Sagt was Ihr davon haltet, welche Zweifel Ihr habt, und welche möglichen Chancen Ihr seht.

Gruß
Überholspur.


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12. Apr 2012 10:57
Look, it's f-in nothing.

Hätten die Betreffenden hochqualifizierten Wissenschaftler aus allen Gebieten zumindest einen Historiker dabei gehabt, hätten sie wissen können, dass sie nichts anderes predigen als den Frühbolschewismus mit Pauperisierungselementen. Hooray, can't wait to try that one again.


12. Apr 2012 11:12
That being said...

eine wertvolle Faustregel:
Jeder, der Menschen eine einfache Lösung - schlimmer, einen Plan - für die Probleme der Welt verspricht, gehört verlacht.


12. Apr 2012 11:18
reh

Das kann man immer gut als Daumenwert anlegen - Es gibt in der Politik keine einfachen Lösungen und am Ende musste sogar Kretsche den ungeliebten Bahnhof S21 zwangsweise gutfinden, obwohl er sich das wohl nie hätte träumen lassen.


14. Apr 2012 11:33
tststs! so naiv kannst du doch nicht

snousneik
spin.de VIP
aus Markgräflerland (Baden- Württemberg)

sein. er hat das von anfang an gewußt.
lediglich das aufbegehrende volk nötigte ihm noch so manchen firlefanz ab.
jedoch, bestehende verträge kann auch er nicht außer kraft setzen.

man konnte das bereits seinen einlassungen vor der wahl entnehmen, schließlich ist er das, was man heutzutage unter einem guten demokraten versteht. hätte er aufgefordert, alle arbeiten am "S21" sofort einzustellen und schlichte ehrliche (seinem green-anteil wohl ziemlich entsprechend) verweigerung zu betreiben, wäre er bereits jetzt nicht mehr im amt. dafür hätten die hüter dieser demokratie schon gesorgt.

seine träume sind längst schon sehr real geworden. in diesem job kann er nicht anders. privat, okay, gartenzwerge, wanderungen, friedensmissionen. aber so richtig echt?


12. Apr 2012 11:34
@Aziel

Antwort auf: That being said... von: Aziel

Hätten die (...) Wissenschaftler (...) zumindest einen Historiker dabei gehabt, hätten sie wissen können, dass sie nichts anderes predigen als den Frühbolschewismus mit Pauperisierungselementen.

Lässt sich Deine Kritik etwas konkreter formulieren? Oder etwas "ent-akademisieren"? ^^

Jeder, der Menschen eine einfache Lösung (…) für die Probleme der Welt verspricht, gehört verlacht.

"Einfach" scheint mir das Ganze keineswegs. Ein Sich-näher-damit-Befassen kann durchaus zeitaufwändig sein.


12. Apr 2012 11:49
Die Kritik ist folgende:

Entgegen ihren Statements zum Kommunismus und zur kommunistischen Geschichte, scheint da nicht wirklich eine Befassung mit den Ideen stattgefunden zu haben. Sonst wüsste man, dass das was da gepredigt wird nicht nur bereits unter dem Label "Kommunismus" mal am Laufen war, sondern sogar real implementiert wurde - wenn auch auf unterschiedlichen Levels.

Was ich namentlich damit meine ist, dass die Vorstellung des gesellschaftspolitischen Erkenntnisprozesses exakt der Pauperisierungsstrategie entspricht, will sagen: eben der Vorstellung, dass die Menschen zu gesellschaftlicher Einsicht gelangen, sobald sich ihr System in seinen Grundlagen angreift. Darauf setzten insbesondere Anfang des 20. Jahrhunderts, zu den Zeiten der großen Krisen, viele kommunistische Bewegungen. Unter anderem der frühe Leninismus.
Die Entwertung und Beseitigung des Geldsystems entspricht dann der 1922 herbeigeführten Hyperinflation, die aus gesellschaftlichen Gründen scheiterte.

Gleichzeitig beabsichtigt das System für die Übergangsphase eine Kommission für die Verwaltung der Resourcen einzurichten, also eine Technokratenkaste einzuziehen, die die Wirtschaft zentralisiert regelt. Jetzt fragt man sich doch: Was glauben diese Leute eigentlich, was die kommunistische Partei und deren Zentralkommittee war? Ein Kegelclub?

Nicht, dass ich die Idee einer leninistischen Partei mit progressiven Ideen für die schlechteste mögliche halte - sie ist aber auch weit von wünschenswert. Das Problem ist, the shit is hitting the fan. And those people want it to. Jetzt ist es allerdings keineswegs so, dass das die Leute automatisch aus dem Geldsystem herauskatapultiert und die alten Institutionen zerstört (Lenins Werk Staat und Revolution kann durchaus mit allem mithalten, was ich auf der Webseite las), sondern historisch wartet an dieser Stelle der Verarmung und Verelendung der Faschismus.

Dieser Tatsache muss sich zunächst gestellt werden. Dann muss als nächstes die informationelle Hierarchie kritisiert werden, die hier etabliert wird und letztlich die Rolle des Menschen in diesem System. Das Venus Project will letztenendes in einem holistischen Ansatz versuchen, den Menschen der Natur unterzuordnen. Es übersieht dabei einige philosophische Probleme, die ich nun nicht im einzelnen adressieren möchte, aber das genannte mal als Ansatz der Kritik.


12. Apr 2012 12:29
@Aziel

Ist es nach Deiner Sicht ausgeschlossen, dass völlig neue Maßstäbe in der Gegenwart entstehen?
Zum Beispiel weil Umstände und Tools hinzukommen, die damals noch nicht waren?

Macht es Deiner Meinung nach immer Sinn, Gegenwärtiges auf bereits Dagewesenes zurück zu führen?


12. Apr 2012 12:32
re

Die Art von Systemen scheitert mMn schlicht und ergreifend schon daran, dass die wenigsten Menschen von sich aus einfach mal selbstlos werden.

Eine sehr aehnliche Idee der Gesellschaftsordnung findet man zB auch bei Star Trek. Man ist nicht mehr auf materielle Gueter angewiesen und jeder bringt sich basierend auf seinen Faehigkeiten in die Gesellschaft ein. So ersterbenswert dieses hohe Ziel vielleicht sein mag, es erfordert gigantische Anstrengungen eindes jeden einzelnen und die Motivation, etwas zu tun muss sich grundlegend aendern ... und hier sehe ich derzeit keine Anzeichen dafuer dass das passieren wuerde.


12. Apr 2012 13:16
@LordAragorn

@LordAragorn
Da stimme ich Dir zu.

Seit jeher beißt sich die Katze in den Schwanz. Wer gezwungen ist zu horten, kann nicht lernen zu geben.
Wer beim Geben sein Hab und Gut schwinden sieht, machts nicht gern. Und wenn es jedem so ergeht, kann niemand erfahren wie es ist, das 10-fache aus allen Himmelsrichtungen zurück zu bekommen.

Meinem Verständnis nach will das Venus Project zeigen, was mit gegenwärtigen Technologien und erweitertem Denken und Fühlen heute schon möglich wäre. Bewusstseins-Schulung sozusagen, die auch die Star Trek-Ignoranten erreichen will. ^^


20. Apr 2012 09:24
ausserdem..

.. glaube ich nicht, dass jeder, wenn er gut versorgt ist, sich so über freie Zeit freut, dass er Facebook aufgibt und freiwillg hohen Einsatz für die Gesellschaft leistet..

Nach wie vor ist der Mensch bequem (zumindest ökonomisch) und bleibt im Sessel oder setzt sich ..
Den Jagdtrieb gab es nur durch Hunger und wird auch heute noch davon gekitzelt


21. Apr 2012 14:08
@Amber*

Nach wie vor ist der Mensch bequem (zumindest ökonomisch) und bleibt im Sessel oder setzt sich ..

Wenn plötzlich Milch und Honig fließen, wirft der Mensch sich auf die Couch. Und erhebt sich höchstens noch zum Kacken. Er hat lebenslang geackert, auf Feldern die er niemals mochte. Motiviert durch Hunger, getrieben von Knappheit, gezwungen zur Pflicht, und scharf auf Macht (dem Haupt-Garant für Erlösung und Spaß). Und plötzlich wär da Ruh' damit? Da bleibt man(n) natürlich erst mal liegen. Möchte man zumindest meinen..

.. glaube ich nicht, dass jeder, wenn er gut versorgt ist, sich so über freie Zeit freut, dass er Facebook aufgibt und freiwillg hohen Einsatz für die Gesellschaft leistet..

Weil die Formel noch nicht begriffen ist:
[gemeinsamer Einsatz minus die paar die nicht wollen] mal moderne Technologien = Bruchteil an Aufwand für jeden plus enorm geiles Leben für alle.
Die größte Herausforderung ans Ego des Menschen hierbei: die Komponente "minus die paar die nicht wollen".


12. Apr 2012 12:38
Nein.

Antwort auf: @Aziel von: Überholspur.

> Ist es nach Deiner Sicht ausgeschlossen, dass völlig neue
> Maßstäbe in der Gegenwart entstehen?
> Zum Beispiel weil Umstände und Tools hinzukommen, die
> damals noch nicht waren?

Das nun bei weitem nicht. Ich bin ja aus guten Gründen Kommunist. Ich weise nur darauf hin, dass diese spezielle Spielart der Gesellschaftsveränderung von einem Glauben an die Naturwissenschaften ausgeht, der so nicht zu rechtfertigen ist - weder historisch, noch politisch.
Will sagen: Wenn man mir die Wahl stellt zwischen einer Bedürfnisbasierten Ökonomie (Kommunismus) und einer Ressourcenbasierten Ökonomie (Venus Project) dann scheint mir erstere klar die vorzuziehende. Indem sie den Mensch - also den Schöpfer der Ökonomie - im Mittelpunkt annimmt, wo er ohnehin steht, statt künstlich zu versuchen eine höhere Macht ("Die Wirtschaft", "Das Geld" oder hier: "Die Ressourcen") als den Fokus zu etablieren, sperrt sie sich gegen die letztendliche Verwendung von Menschen als eine Ressource unter anderen. Und das scheint mir ein wesentliches Problem zu sein

> Macht es Deiner Meinung nach immer Sinn, Gegenwärtiges auf
> bereits Dagewesenes zurück zu führen?

Ja. Benjamin redet zwar vom Tigersprung aus der Geschichte heraus, aber das scheint mir eine seiner schwächeren Stellen zu sein. Ich habe es hier schon zigmale zitiert, ich zitiere es wieder: Es geht darum
"die unfruchtbare Prätension auf Menschheitslösungen abzustellen, ja überhaupt die unbescheidene Perspektive auf totale Systeme aufzugeben, und den Versuch zumindest zu unternehmen, den Lebenstag der Menschheit ebenso locker aufzubauen, wie ein gutausgeschlafener, vernünftiger Mensch seinen Tag antritt".
Dass dies sich aus dem Gegebenen ergibt, ist für mich zwingend. Uns wird kein heiliger Geist, kein Messias und auch kein "Ereignis" (um eine Spitze gegen Zizek und Badiou und damit den neuesten Twist des Leninismus bzw. Maoismus zu richten) zu Hilfe kommen.


13. Apr 2012 22:59
re

> Will sagen: Wenn man mir die Wahl stellt zwischen einer
> Bedürfnisbasierten Ökonomie (Kommunismus) und einer
> Ressourcenbasierten Ökonomie (Venus Project) dann scheint
> mir erstere klar die vorzuziehende. Indem sie den Mensch -
> also den Schöpfer der Ökonomie - im Mittelpunkt annimmt,
> wo er ohnehin steht, statt künstlich zu versuchen eine
> höhere Macht ("Die Wirtschaft", "Das Geld" oder hier: "Die
> Ressourcen") als den Fokus zu etablieren, sperrt sie sich
> gegen die letztendliche Verwendung von Menschen als eine
> Ressource unter anderen. Und das scheint mir ein
> wesentliches Problem zu sein

Jedes System, das den Menschen zur Ressource degradiert, ist über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt.

Die große Herausforderung liegt darin, Schritt für Schritt ein System auf die Beine zu stellen, in das jeder Mensch sich entsprechend seiner Fähigkeiten und Begabungen einbringen will. Es ist doch so: Jeder will arbeiten, um zu leben, und niemand will leben, um zu arbeiten.


12. Apr 2012 17:03
re

Antwort auf: @Aziel von: Überholspur.

Jeder mir bekannte Ansatz basiert auf der Vorstellung eine bereits bestehende Einheit mit einer Population, die die Folge historischer Bedingungen ist, ad hoc und gleichzeitig in einen Anderen Zustand zu versetzen.

Ich glaube nicht, dass das gelingen kann. Ich sehe, dass das Bewusstsein, dass es so nicht weitergehen kann, immer breitere Teile der Bevölkerung erreicht, also ein Pool an Veränderungsbereiten entsteht. Was sich daraus ergeben wird, werden wir sehen.


12. Apr 2012 12:29
re

Antwort auf: Die Kritik ist folgende: von: Aziel

Haette man kaum besser schreiben koennen.


13. Apr 2012 22:52
re

Antwort auf: Die Kritik ist folgende: von: Aziel

> Die Entwertung und Beseitigung des Geldsystems entspricht
> dann der 1922 herbeigeführten Hyperinflation, die aus
> gesellschaftlichen Gründen scheiterte.

Du meinst, die Hyperinflation damals sei gescheitert? Das ist sie keineswegs, sie war sogar ausgesprochen erfolgreich ... jedenfalls für diejenigen, die sich vor ihrem Beginn auf Kredit Immobilien gekauft und die entwerteten Kredite im Verlaufe der Hyperinflation buchstäblich im Handstreich getilgt haben.


13. Apr 2012 23:11
re

Adept männlich
Martin aus Niedersachsen

Antwort auf: That being said... von: Aziel

> Jeder, der Menschen eine einfache Lösung - schlimmer,
> einen Plan - für die Probleme der Welt verspricht,
> gehört verlacht.

In unserer immer komplizierter werdenden gesellschaftlichen Wirklichkeit würde ich ein Streben nach Vereinfachungen sehr begrüßen. Das kann nur vernünftig sein.


14. Apr 2012 08:53
re

tigga-san weiblich
Lexy

Wie darf man sich das vorstellen?


14. Apr 2012 09:10
RE:

Muschelgeld, Felle statt Markenklamotten, etwas lauer Ostwind statt des Penthouse .......


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