Archiv des Forums Gesellschaft, Politik, Wirtschaft - Gesellschaft und Politik: März 2012: Streitpunkt: Übermoral in der Politik
26. Jan 2012 17:53 Streitpunkt: Übermoral in der Politik
Seit der Debatte um Wulff entdecken die Medien wieder verstärkt die Moral. Da wird über die preußischen Tugenden gesprochen, als hätte es sie jemals so gegeben, der alte Fritz verherrlicht, obwohl er ein klassischer Antisemit und Kriegstreiber war, der zwar Gespräche mit Philosophen liebte und nach außen das Bild des Aufklärers transportierte, in Wirklichkeit aber Expansionskriege führte (sogenannte Präventionsschlachten) etc. und armen Juden gegenüber so gar keine Toleranz zeigte. Plötzlich sind devot anmutende Eigenschaften wieder im Trend: Demut, Pflichterfüllung, Staatsdiener. Bei allem, was Wulff auch getan haben mag- die hier ausgelöste Empörungswelle ist manchmal noch peinlicher. Diese Debatten führten schon in der Vergangenheit dazu, dass Politiker sich um jeden Preis weiße Westen durch Verschweigen rein hielten und halten. Wie wäre es denn, wenn Politiker- vorausgesetzt, sie haben sich von der BILD nicht abhängig gemacht- als Familienminister empfehlen, weil ihnen drei ziemlich derb abgelaufene Scheidungen als Referenz für diesen Job nicht unpassend erscheinen? In einer Demokratie wird keine heilige Lebensführung gefordert, aber diese Kunstprodukte werden herbeigewünscht, und das kennen wir ja auch von Wahlversprechen: Wer will mit unverblümten Wahrheiten Stimmen holen? Volksvertreter sollen das Volk vertreten- und dazu müssten sie eigentlich authentisch sein dürfen und nicht moralisch unantastbar. |
26. Jan 2012 18:31 Achwas.............
irgendwann mußte ja maL sowas kommen. Finger in die Wunde ( Moral etc.) legen zu müssen. Auch nur, wenn es mal ans aufütteln und erinnern geht. Auch, wenn sowas wohl nicht lange Anhalten wird, aber nach dem Motto: Passt künftig besser auf, "Bild " , "SZ" etc.,watching you. |
27. Jan 2012 21:19 Replik
Also, BILD und die SZ in einem Satz nebeneinander zu stellen, ist schon sehr mutig, um |
28. Jan 2012 18:00 Stimmt...
ich meinte damit, wie schnell beide sind, wenn es darum geht eine Henkerschlinge zu legen. |
26. Jan 2012 18:31 Minister
Antwort auf: Streitpunkt: Übermoral in der Politik von: 'greg' - empfehlenswert sind da in erster Linie Qualifikationen im Metier und 3 Scheidungen verraten nun mal nichts besonderes über Bindungsfähigkeit. Ein bindungsunfähiger Familienminister und ungefähr so passend wie ein Rechenschwäche-Wirtschaftsminister. Nicht unbedingt glaubwürdig als Stellvertreter. Wullf repräsentiert als BP das Volk, den vermeintlichen Souverän der Demokratie. Da ist der Wunsch, dass es das auch souverän tut, wohl nachvollziehbar. Moral zu haben, ist ja nichts verwerfliches. Keine zu haben, sollte den Fähnchen im Wind überlassen bleiben. |
26. Jan 2012 19:01 re
Antwort auf: Streitpunkt: Übermoral in der Politik von: 'greg' es geht nicht um Moral sondern um ganz konkrete Verfehlungen aus seiner Zeit als Ministerpräsident. Er hat damals den moralischen Zeigefinger erhoben, als er Herrn Rau auf das Übelste beschimpft hat, weil seine Flugaffären bekannt wurden. Ichj weiß nicht, welche Freunde Du hast, aber mir würde wahrscheinlich keiner so mal eben zinslos und ohne Sicherheiten eine halbe Million Euro leihen. Aber vielleicht habe ich auch nur die falschen Freunde. Er hätte das ganz einfach zugeben könne und sagen; ich habe einen Fehler gemacht und ich habe diesen korrigiert. D a s wäre menschlich und aufrichtig gewesen. Statt dessen eiert er herum und opfert seinen siamesischen Zwilling Herrn Gläseker. Zu den preussischen Tugenden zähle ich Gradlinigkeit und Aufrichtigkeit und die menschliche Größe, Fehler zuzugeben und dazu zu stehen. Pflichterfüllung bis zum Kadavergehorsam ist für mich vielleicht eine preussische Eigenschaft, aber keine Tugend. |
26. Jan 2012 19:21 re
> Verfehlungen aus seiner Zeit als Ministerpräsident. Inzwischen nicht mehr. Der Partyveranstalter - gegen den wegen Korruption ermittelt wird - hat die Einweihungsfeier von Wulff als Präsident vollständig bezahlt und Wulff durfte die Gäste aussuchen. Und wir reden hier nicht über Dinge für die man sich entschuldigt, sondern um Dinge für die man bestraft wird. |
26. Jan 2012 19:59 re:
Antwort auf: re von: Landmann45 > Zu den preussischen Tugenden zähle ich Gradlinigkeit und Diese Eigenschaften sind nicht und niemals von den Preußen erfunden worden. Das ist eine der hartnäckigen Legenden. > Ichj weiß nicht, welche Freunde Du hast, aber mir würde So etwas passt zum heutigen Diskussionsstil, sofort ins Persönliche zu gehen. Mich erinnert dieser Stil wieder- damit mal klar ist, worum es geht- an die berühmte Debatte: Wir brauchen mehr Ursachenforschung und bessere Informationen, um Verbrechen an Kindern zu verstehen. Hatten wir ja gerade. Ich würde mich freuen, wenn wir über den eigentlichen Inhalt des Threads reden könnten. |
26. Jan 2012 22:18 gut...
...lassen wir Wulff beiseite und reden über Politik im Allgemeinen. Politik ist ein Produkt, das, überspitzt gesagt, verkauft werden muss. Ich kann aber ein Produkt sehr wahrscheinlich nicht verkaufen , wenn ich die Nachteile aufzähle oder das, was es alles nicht kann. Wenn wir unds also einig wären, das Politik jeden Tag vermarktet werden muss. Und nicht nur die Politik auch die Partei und die Person. Das war bei Joschka Fischer, wenn vielleicht auch nicht ganz so bewußt, ähnlich: Er ist als erster Turnschuhminister in die Geschichte eingegangen. Das hat ihn sozusagen über Nacht populär gemacht. Und auf dieser gewollten oder ungewollten Popularität hat er seine Karriere aufgebaut. Wenn ein Politiker diese Stufe der Polularität erreicht hat, hören ihm die Menschen , also der Wähler zu, egal , was er sagt. Ob der Wähler versteht, was er da hört, ist eine ganz andere Geschichte. Diese Medienorientierung ist typisch für die Berliner Politik. Da steckte die Bonner Politik in dieser Richtung noch in den Kinderschuhen. Einen Journalisten abzukanzeln oder ihm das Wiort verbieten, wie es Herbert Wehner noch konnte ist heute nicht mehr möglich. Die Presse würde in in Einzelteilen dem Volk zum Fraß vorwerfen. Siehe Wulff. :-) Und Moral ist es etwas, was die Menschen gerne bei anderen beurteilen, sich selbst dabei aber gerne übersehen. |
17. Mär 2012 14:06 Eine Politik
die vermarktet werden muss sollte sich dann aber nicht das Deckmäntelchen Umhängen es handele sich um eine Demokratie. Wenn weiterhin Politik zu einem Kasperletheater verkommt welches seiner eigentlichen Aufgabe nicht mehr gerecht wird notwendige Entscheidungsfindungen transparent vorzubereiten, zu koordinieren und kontrollierend zu begleiten - dann sollte man den gesamten Haufen in die Wüste schicken. Gerade an Wulff zeigt sich doch auch, dass Kalkül und Mauscheleien durch Politik und "Meinungsbildner" aus der Zweiten Reihe mehr Schaden als Nutzen anrichten. An diesen Auswüchsen zeigt sich auch, dass die repräsentative, parlamentarische Demokratie dringend erweieternder Korrekturen bedarf. Denn die Entwicklung, Entscheidungen nur noch von manipulative arbeitenden "Expertengremien" Randbemerkung zur Wahl des neuen Präsidenten: |
26. Jan 2012 19:26 re
Antwort auf: Streitpunkt: Übermoral in der Politik von: 'greg' In Deutschland werden kleine Beamte bestraft, weil sie einen Flasche Wein oder einen Schinken angenommen haben und Verkäuferinnen entlassen, weil sie 25cent Dosenpfand nicht verbucht haben. Wir reden hier nicht über Moral oder einen Ausrutscher. Wir reden hier von jemandem, der sein Amt einsetzt um sich und seiner neuen Flamme ein Promi-Leben zu finanzieren und dafür Gegenleistungen erbringt. Korruption ist kein Kavaliersdelikt. |
26. Jan 2012 19:53 Gut,
dass ich etwa geahnt habe, > Korruption ist kein Kavaliersdelikt. worauf man sich einschießen wird. Darum auch ausdrücklich meine Bemerkung zu den zu erwartenden Fragen. Kann man ja leicht nachlesen. Der eigentliche Aspekt der TE ist fast überhaupt nicht gestreift worden, sondern man teilt mir einfach nur mit, was nicht geht. Das weiß ich durchaus selbst. > Wir reden hier nicht über Moral oder einen Ausrutscher. Doch, von der Moral rede ich und nicht in erster Linie über Wulff. Nur ein künstlich geschaffener Heiliger, der nie heilig war. |
26. Jan 2012 20:02 re
Wer redet denn von Perfektion? Zu verlangen, dass einer keine Straftaten begehen und einen halbwegs richtigen Umgang mit der Wahrheit an den Tag legen sollte, ist Heuchelei? Wenn du das Thema etwas allgemeiner diskutieren willst, solltest du es von Wulff trennen. Das ist sonst schwierig. |
26. Jan 2012 21:27 re:
Ich habe Wulff in zwei Sätzen beiläufig erwähnt. > Wer redet denn von Perfektion? Zu verlangen, dass einer Wann habe ich das geschrieben? Und wo? Schön, dass es immer wieder ähnlich läuft. Der Schwerpunkt ist die rre Projektion von sauberen Politikern, die völlig absurd ist. |
26. Jan 2012 22:30 re
Wenn der erste Satz des Threads schon mit Wulff beginnt, darfst du dich nicht darüber wundern, dass der Leser Wulff nicht außen vor lassen wird. Zumal Pattex-Präsi ein größeres Problem ist als nur eine fehlende Moral von Menschen.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass du, als schon längst raus war, dass es in der Causa Wulff um Korruption gehen könnte, sinngemäß geschrieben hast: "Ich kann nichts Böses an Wulffs Verhalten erkennen." Weiß nur nicht mehr wo. |
27. Jan 2012 00:23 re:
> gehen könnte, sinngemäß geschrieben hast: "Ich kann nichts Meinte ich auch wortwörtlich so, weil ich mit "Böse" generell vorsichtig bin. |
27. Jan 2012 00:40 re
Ah ok. Also, dann getrennt von Wulff: Und dann tragen aber auch Politiker mit unrealistischen Wahlversprechen dazu bei, dass man diese, ich nenn's mal Perfektion, von ihnen erwartet, weil sie sich so präsentieren. Aber: Wenn einer einen Fehler o.ä. zugibt, ist der meistens erledigt. Ein Teufelskreislauf. |
26. Jan 2012 20:04 Die liebe Moral!
Antwort auf: Gut, von: 'greg' Dass die Wahlversprechen total überzogen sind und Politiker auch nur Menschen, weiß denke ich, jeder. Fakt ist aber, dass diese Leute die Lebensbedingungen, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung mitzuverantworten haben. Und wenn man nicht davon ausgehen würde, dass sie dieses nach bestem Wissen und Gewissen und angelehnt an moralische Aspekte tun sollen, dann könnten wir auch gleich die Korruption als Mittel zum Zweck akzeptieren oder eine Diktatur anschaffen, denn da interessiert nur das Ziel und nicht die Mittel. Die Welt funktioniert nicht ohne Moral. Doppelmoral haben wir genug auf der Welt. Sollen wir uns noch mehr verdummen und übervorteilen lassen? Keiner ist frei von Mängeln, aber in so einer Position kann man es sich nicht leisten, solche Mauscheleien zu bringen, es reicht doch, dass man leere Versprechen gibt. |
26. Jan 2012 21:41 re:
> Die Welt funktioniert nicht ohne Moral. Ja, und nun? Diese Allgemeinplätze hatten wir schon. Wie sieht denn diese Moral aus? Wer erstellt die Regeln für ein Politiker- Bild- welches mit der Realität überhaupt nichts zu tun hat? > Aber sollte man sie walten und schalten lassen, die Masse Genau dies aber geschieht, wenn wir solche Wunschbilder vermitteln und uns von ihnen täuschen lassen. > Sollen wir uns noch mehr verdummen und übervorteilen Dies geschieht auch dadurch, dass Menschen sich offensichtlich gern in die Irre führen lassen, indem sie diesen Glanzbildern lieber folgen als gradlinigen Menschen, die vielleicht eben nicht sympathisch, aber ehrlich herüberkommen. Außerdem haben die meisten Politiker Angst davor, unpopuläre Dinge zu sagen, weil sie sonst von Medien und Parteifreunden geschlachtet werden. Denken wir an den Fall Bosbach. > Keiner ist frei von Mängeln, aber in so einer Position Darum geht es aber gar nicht. Es geht nicht um Mauscheleien, sondern um Erwartungshaltungen und eine Übermoral, die beinahe ins Lächerliche geht. |
26. Jan 2012 21:52 Wie beliebig doch der Begriff "Moral" ist...
http://www.zeit.de/2011/10/01-Guttenberg-Politiker-Regierung/seite-1 Auch Seite zwei lesen. So kann man es auch sehen. |
