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: : Kampf der kranken Gesundheitspolitik

05. Feb 2012 13:25
Kampf der kranken Gesundheitspolitik

Kongress Pflege 2012
Presseinformation Deutscher Pflegerat e.V.

Eröffnungsrede Kongress Pflege 2012 Berlin

Andreas Westerfellhaus am 27.01.2012:

"Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Anette Widmann-Mauz, sehr geehrter Herr van Maanen , sehr geehrte Ehrenpräsidentin des DPR Frau Marie-Luise Müller, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, Ich kann mich gut erinnern, natürlich an das ganze letzte Jahr….. aber vor allem an 2 Dinge im Rahmen der letzten Eröffnungsrede hier auf dem Pflege Kongress…..

Erstens: ich habe versucht Optimismus zu verbreiten, mit dem Minister Rösler nun endlich das Jahr der Pflege zu erarbeiten…
Selbstkritisch sage ich auch, ich habe geradezu darum geworben, uns als Deutscher Pflegerat und der Politik diese Gestaltungschance zu ermöglichen…

Zweitens: ich habe mich geradezu irrsinnig darüber gefreut, Ihnen hier mitteilen zu können, dass in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war, dass nachdem Frau Haderthauer einen Landespflegebeauftragten ernannt hatte, Herr Minister Söder die Etablierung einer Pflegekammer in Bayern bekannt gab…..

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
was folgte war Ernüchterung und Frustration…
Heute sage ich…
Es reicht - Ab jetzt zählen nur noch Taten und Ergebnisse
Und hoffe nächstes Jahr rückblickend sagen zu können „…es war der richtige Weg…“ …denn mit welchen Entwicklungen wurden und werden denn wir durch die politisch Handelnden konfrontiert ?

Resultate: Das angekündigte Jahr der Pflege 2011 war ein Flop, vieles wurde angekündigt und versprochen und nichts geliefert !
Im Gegenteil die Devise lautete: vertrösten und verschieben ! So wurde wieder einmal kostbare Zeit, in denen wirkliche Reformen angesagt waren nicht genutzt.
Vor allem Fragen, die sich mit der alltäglichen Situation der Pflegenden im beruflichen Alltag, mit dramatischen Entwicklungen des Fachkräftemangels und der damit verbundenen Versorgungssituation der uns anvertrauten Menschen beschäftigen, wurden und werden kontinuierlich ausgeblendet.
Und es handelt sich eben nicht nur um die Probleme der Pflegenden und weiterer Berufsgruppen in den Krankenhäusern
– sondern auch vor allem Patientinnen und Patienten und Angehörige spüren tagtäglich in der Versorgung was es bedeutet, wenn professionelle Pflege im Dauerlauf erledigt werden muss und oder gar gänzlich fehlt.

Es hat lange Zeit gedauert bis diese Botschaft in der Bundesregierung überhaupt wahr genommen wurde – immerhin steht im Koalitionsvertrag ausdrücklich die Vereinbarung der Sicherstellung einer professionellen Pflegeversorgung der Bevölkerung und ein neues Berufsgesetz Pflege !!!
Dabei stand der Fachkräftemangel und seine Auswirkungen doch im zentralen Fokus der politischen Arbeit des Deutschen Pflegerates !!!
An Untersuchungen und wissenschaftlichen Erhebungen, und Prognosen in der Bedarfsermittlung mangelt es nicht ! (dip, PWC Studie uv.a.m.)
Es mangelt auch nicht an konkreten Lösungsvorschlägen, die kurz- mittel und langfristig greifen !

Es mangelt aber deutlich an der Umsetzung und oder am Umsetzungswillen !!!

Nur ein Jahr der Pflege auszurufen liebe Politiker – reicht eben nicht – es müssen Taten her und zwar nicht erst morgen, sondern schon gestern und mindestens aber heute.
Wie ist denn die Realität z. Bsp. in unseren Krankenhäusern ? :
50.000 Pflegekräftestellen wurden in den letzten Jahren abgebaut, gleichzeitig stieg aber die Zahl der zu versorgenden Menschen
– das ist spürbar für die Arbeit der Berufsangehörigen und für die Patienten ….
Es wird zunehmend schwieriger, junge Menschen für einen noch immer attraktiven Beruf zu gewinnen.
Fachkräfte werden zwischen den Krankenhäusern mit Prämien abgeworben. Engpässe werden – sogar in der Notfallaufnahme in den Aufwachräumen, auf den Intensivstationen versucht mit Helfern und Assistenten auszugleichen – welche Gefahr für die Versorgung der Menschen, die sich auf eine qualifizierte Versorgungzurecht verlassen müssen.
Berufsangehörige sehen sich teilweise unzumutbaren Belastungen ausgesetzt, werden krank, steigen aus, wandern in andere Staaten aus – in denen der Politik und der Gesellschaft Pflege etwas wert ist, in denen attraktive Rahmenbedingungen zur Berufsausübung herrschen, oder sie flüchten in Teilzeitbeschäftigungen oder ganz aus dem Beruf….

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Geht es noch deutlicher ? Wenn eine ernsthafte Infektionserkrankungswelle wie im letzten Frühjahr in Deutschland mit wenigen hundert schwerst erkrankter Menschen unsere Versorgungssystem schon personell an die Grenzen geführt hat – welche Belege sind denn drastischer, worauf warten wir denn noch ???
Im Übrigen ist es in dieser für das Personal extremen Belastungssituation nur deswegen nicht zum Versorgungskollaps gekommen,
- weil alle Berufsangehörigen und Kolleginnen extremes geleistet haben, - - weil Sie sich ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen bewusst
waren, weil sie sich über Landesgrenzen bundesweit solidarisch unterstützt haben.

Das verdient Anerkennung – fordert aber auch von der Politik Maßnahmen um für zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein. Verwunderlich ist dann aktuell aber schon, dass eine Thematik „Fachkräftemangel in der Pflege“ erst im Rahmen der EU Initiative zur Modernisierung der Beruferichtlinie durch Politik thematisiert wird.
Angefangen von Falschmeldungen von Politikern, wir würden somit nur noch Abiturienten den Zugang zum Beruf ermöglichen und somit den Fachkräftemangel vergrößern bis hin zu Aussagen eines bekannten CSU Politikers „….eine 10jährige Schulqualifikation sei vollkommen ausreichend und sowieso benötige eine Pflegekraft vor allem ein gutes Herz…..“ machen da schon fassungslos.

Die Einmischung der politischen Ärzteschaftallerdings stellt mit ihren Äußerungen, die in inhaltlich in die gleiche Richtung gehen allerdings einen deutlichen Affront dar. Man stelle sich vor, der Deutsche Pflegerat spräche Empfehlungen aus, einemÄrztemangel damit zu begegnen doch endlich die Zugangsvoraussetzungen zum Medizinstudium herabzusetzen.
Die dann einsetzenden massiven Proteste aus der Ärzteschafte würden an Vehemenz kaum zu überbieten sein.

Berufsgesetz Pflege –
Die generalistische Pflegequalifikation kommt, beteuert die Regierungskoalition – aber wann ?
Mit Spannung erwarten wir die Eckpunkte, um in die politische Diskussion einsteigen zu können… Die Zeit drängt !

Nun wurden wir aktuell direkt zu Beginn desJahres mit einem Streik der Ärzteschaft für massive Lohnerhöhungen in den kommunalen Krankenhäusern konfrontiert.
Nicht das eine Einkommenserhöhung der Ärzteschaft nicht zu gönnen wäre, aber ein solitäres Vorgehen einer Berufsgruppe - die im Übrigen für die Funktionalität eines Krankenhaus auf das Zusammenspiel der Berufsgruppen angewiesen ist – gefährdet unter den gesetzlich gedeckelten Budgets der Krankenhäuser massiv die tarifliche Situation der Pflegenden. Hier würde ich mir persönlich wünschen, dass die Berufsgruppen im Krankenhaus den Schulterschluss zur Verbesserung der Situation ihrer Arbeitsbedingungen und tariflichen Entlohnung suchen: Solidarität und gemeinsames Auftreten sind notwendig, sonst geraten die berufsgruppen in die Gefahr zum Spielball anderer Interessen zu werden und gegeneinander instrumentalisiert zu werden.

Nicht Lohnforderungen sind das Problem, sondern eine verfehlte Politik in der Krankenhausfinanzierung !
Wer nun aber nach dem Tarifabschluss als Krankenhausträger glaubt, hier seien nachdem Tarifergebnis der Ärzte noch Kompensationsmöglichkeiten über die Stellen in der Pflege möglich , der irrt.

Die „Zitrone ist ausgequetscht“.
Schon heute beklagen Berufsangehörige, Patienten und Angehörige die täglich immer deutlicher werdenden Engpässe in einer qualifizierten Patientenversorgung.

Pflegende dürfen nie wieder die Konsequenzen aus tarifpolitischen Ergebnissen einer einzelnen Berufsgruppe und – noch einmal - einer verfehlten Krankenhausfinanzierungspoliti k verantworten.
Im Gegenteil, zur Attraktivitätssteigerung des Pflegeberufes gehört neben vielen anderen Veränderungen auch eine angemessene Entlohnung verbunden mit tariflichen Zuwächsen, sowie der Sicherstellung einer ausreichender Stellenausstattung für eine qualifizierte Patientenversorgung.

Die Thematik „Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffes“ ist an Absurditäten kaum zu überbieten: Im Sommer kündigt Minister Bahr an, den Beirat unter Herrn Gohde wieder einsetzen zu wollen, für Endes September sollen Eckpunkte vorgestellt werden, im Oktober werden durch den Minister Eckpunkte einer Pflegereform vorgestellt, die den Namen „Reform“ nicht verdienen, im Dezember tritt Herr Gohde von seinem Amt zurück, Nachfolger werden eingesetzt um den Beirat unverzüglich zu Beginn des Monats Januar zusammentreten zu lassen. Einladung ?
Bis – heute - zumindest Fehlanzeige Was wir als Pflegende aber aus all diesen Entwicklungen lernen müssen, ist die Tatsache, dass tatsächliche Veränderungen unseres beruflichen Alltags nur aus der Berufsgruppe heraus und mit ihrer gesamten solidarischen Unterstützung möglich sind.

2012 muss nun endlich das Jahr der beruflich Pflegenden selber werden.
Hierzu müssen wir aber begreifen, dass der Wille zur Umsetzung aus uns heraus kommen muss. Die solidarische Gemeinschaft von 1,2 Mio. Pflegenden stellt ein enormes Machtpotential dar, sie kann und muss laut werden wie in Kiel und München eindrucksvoll bewiesen.
Wir sind Wählerinnen und Wähler – in den Ländern und im Bund.
Wir werden unser Vertrauen nur noch Politikern aussprechen, die klare Vorstellungen über die Ausgestaltung einer zukunftsfähigen Gesundheitspolitik haben…
…und Positionen beziehen, die sich der Bedeutung einer professionellen Pflege in Deutschland bewusst sind,
…die bereit sind Reformen und Veränderungen einzuleiten, die diesen Namen auch verdienen.
Stehen wir also auf, verabschieden uns von passiven Haltungen und werden aktiv.
Klären wir die Menschen in dieser Gesellschaft darüber auf, was passiert, wenn professionelle Pflege nur an einem einzigen Tag in Deutschland fehlt,
…beweisen wir der Politik, dass wir in der Lage sind unsere Interessen selbst eindrucksvoll und deutlich zu formulieren und Willens und in der Lage sind für deren Umsetzung zu kämpfen, kämpfen wir selbstbewusst in den Ländern für die Einführung der Selbstverwaltung derPflegenden ( Im Übrigen Zitat Westerwelle letzter Sonntag im ZDF: die FDP versteht sich als die Partei, die angetretene ist Kräfte und Kompetenzen aus der Gesellschaft heraus zu mobilisieren…??? )

Laut Bundesverfassungsgericht (BVerfGE,125ff) heißt es, „….durch die Übertragung hoheitlicher Aufgaben auf die Kammer soll erreicht werden…gesellschaftliche Kräfte zu aktivieren, um gesellschaftlichen Gruppen die Regelungen solcher Angelegenheiten, die sie selbst betreffen und die sie in überschaubaren Bereichen am sachkundigsten beurteilen können, eigenverantwortlich zu überlassen…“.

Liebe FDP in Bayern….
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
Zusammengefasst gilt:

1. Eine Kooperation Ärzte/ Pflegende
Eine enge wertschätzende Kooperationzwischen Pflegenden und Ärzten ist für eine sichere und qualifizierte Versorgung der Menschen unerlässlich. Hierzu bedarf es klarer beschriebener Kompetenzen. Autonomes Arbeiten von Pflegenden verlangt klare berufsrechtliche Regelungen, dieBereitschaft zur Übernahme von Eigenverantwortung mit allen Konsequenzen und definierte Qualifizierungswege im Rahmen der beruflichen Weiterqualifikation.Ärzte und Pflegende stehen in Zeiten der bekannten Fachkräftemangels in der Versorgung vor gewaltigen Herausforderungen, die im Gesundheitswesen von morgen nur gemeinsam zu lösen sind.

2. Das Berufsgesetz Pflege
Die Umsetzung dieses Gesetzesverfahrens ist dringend erforderlich und bedarf keines weiteren Aufschubs. Allerdings muss dieses Gesetz nicht nur eine Neugestaltung der Ausbildung beinhalten sondern muss gleichzeitig alle berufsrechtlichen Fragen beantworten. Die Finanzierung der Ausbildung muss dauerhaft auf verlässliche und auskömmliche Strukturen zurück greifen können.

3. Die EU Berufeanerkennungsrichtlinie
Die Initiative der EU eine 12jährige schulische Qualifikation als Zugangsvoraussetzung für eine Ausbildung in der Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpflege einheitlich auch für Deutschland als verbindlich zu erklären wird durch den Deutschen Pflegerat ausdrücklich begrüßt. Steigende intellektuelle Anforderungen im Rahmen der Ausbildung und der Professionalität in der Arbeitsleistung können nur einhergehen mit einer hohen Qualifikation im Rahmen der schulischen Qualifikation.

4. Die Selbstverwaltung der Pflege
Die Selbstverwaltung der Pflegenden – immerhin die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen – ist dringend in den Ländern einzusetzen. Die Kammer ist zwingend notwendig, um die Profession Pflege zu vertreten, Berufspflichten und – ausübung zu regeln, alle beruflich Pflegenden zu registrieren, für die Belange der Bevölkerung einzutreten, Fort- und Weiterbildung zu gestalten und zu regeln, Qualitätssicherung zu betreiben und bei Gesetzgebungsverfahren mitzuwirken.
Dann – aber auch nur dann - haben wir eine Chance, dass 2012 das Jahr der Pflegenden wird.

Ich wünsche uns und Ihnen als Expertinnen und Experten Mut und Ausdauer weiter zu arbeiten und
uns als Ihre berufspolitischen Vertreterinnen und Vertreter, Ihre Unterstützung bei der politischen Umsetzung
Wir werden Erfolg damit haben,

• für die Menschen in unserer Gesellschaft
• für ein tragfähiges Gesundheitssystem von morgen
• für unseren Beruf….
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag mit zukunftsweisenden Ergebnissen.
Die Zukunft wartet auf uns….
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Quelle
Presseinformation Deutscher Pflegerat e.V

Wie denkt ihr darüber? Wieviele von euch haben nicht pflegebedürftige Angehörige? Wieviele von euch werden allein gelassen, im Bestreben, ihre Angehörigen adäquat zu pflegen? Wie unglaublich ignorant und untätig sind die Politiker und Träger sozialer Einrichtungen und leider auch viel zu viele Pflegekräfte, wenn es um den Untergang professioneller Pflege, der Ärzteschaft und dem Gesundheitswesen geht. Wird es nicht Zeit, dass jeder deutsche Staatsbürger anfängt, darüber nachzudenken, was passiert, in mittelbarer Zukunft, sag ich nur, wenn man nicht endlich anfängt, Lösungen für die Bewältigung des demographischen Wandels zu finden? Das hätte man vor 20 Jahren tun sollen. Ist es jetzt zu spät? Ich erhoffe mir eine gerne auch auf Fachkenntnissen beruhende, aber auch gerne die subjektive Meinung widerspiegelnde sachliche Diskussion.


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07. Feb 2012 04:26
Pflege

Rehmann männlich
Hermann

Ehrlich gesagt kann ich mit dem Artikel wenig anfangen, bin auch nicht mit dem Thema besonders vertraut. Ich betrachte die Rede einfach als Kampfesrede zur Durchsetzung spezifischer Berufsinteressen. Das machen viele Berufsgruppen so, auch wenn es oft nicht im Interesse der Gesamtgesellschaft ist.
Jetzt muß ich einen unserer Forumskollegen, Herrn Cenor, zitieren. Wir sind auch in der Pflege schon wieder dabei, alles nur am Geld festzumachen. Nach dem Motto: "Haben wir genug finanz, Mittel bereitgestellt, sind alle Probleme gelöst."

Ich glaube so einfach wird das nicht gehen, auch wenn wir denn die Mittel hätten.
Die Bedürfnisse der "Pflegebedürftigen" sind doch so unterschiedlich? Von betreutem Wohnen bis stationärer Betreuung besteht ein riesiges Spannungsfeld. Also müssen wir mit einem vielfältigen Angebot darauf reagieren.

Ich befürchte, wir werden nur wieder eine Art "Betreueungsindustrie" hinkriegen, die sich in monotoner Einheitsbetreueung erschöpft. Es wird wieder ein System (Faß ohne Boden) sein, in dem viele möglichst viel Profit machen wollen.
Auf die Familie als Haüptträger der Pflege wird man in Zukunft, bei der gegebenen demographischen und gesellschaftlichen Entwicklung, immer weniger zurückgreifen können.
Übrigens: soweit ich das bis jetzt überblicke ist die Pflege, hier in den neuen Bundesländern, erheblich besser aufgebaut als in den alten,
Irrtum vorbehalten, ich lebe noch nicht lange hier und in Bayern habe ich mich einfach nie für das Thema interessiert.

Gruß H.S.


07. Feb 2012 10:58
re

Adept männlich
Martin aus Niedersachsen

Gestern hörte ich in den Nachrichten, dass unser Gesundheitsminister Daniel Bahr beabsichtige, Pflege-WGs zu bezuschussen. Diesen Ansatz halte ich grundsätzlich für richtig, da er die Menschen aus der passiven Ecke etwas herausholt.


07. Feb 2012 12:23
Das Problem ist, das Daniel Bahr,

mittlerweilen auch "Mini-Bahr" genannt, im Jahr der Pflege 2011 Scheinlösungen gebracht hat, die im Endeffekt mal so gar nichts bewirken. Auch die Bezuschußung von irgendwelchen innovativen Wohnmöglichkeiten bringt nichts, denn der Pflegenotstand und der demographische Wandel sind damit nicht bekämpft. Daniel Bahr sagte auch, "dass ein Überschuß von 5,1 Milliarden in den Pflegekassen bestünde", dann nämlich reicht das bis zur nächsten Legislaturperiode grad mal so, und die nächsten sollen sich drum kümmern.

Die haben den Schuß nicht gehört, wissen nicht, was sie mit diesem Aussitzen anrichten.
Die wenige Beteiligung an diesem Thread zeigt ja auch, dass viele noch nicht kapiert haben, was da auf uns zukommt, deshalb versuche ich, aufzurütteln, damit die Leute für die Gesundung des kranken Gesundheitssystems aufstehen.
Denn wenn eine unserer Säulen zusammenbricht, tun es auch die anderen.


07. Feb 2012 13:15
Wenig mit dem Artikel anfangen.

Antwort auf: Pflege von: Rehmann

Der Artikel steht exemplarisch für die meisten Bereiche des Gesundheitswesens und soll, eben nicht bewanderten Leuten aufzeigen, wo es mitunter hackt, wie es wirklich zugeht und das einfach nichts dagegen gemacht wird. Der demographische Wandel und die Probleme, die sich daraus entwickeln, ist seit mehr als 20 Jahren bekannt. Gemacht hat man gar nichts. Hätte man sich darauf vorbereitet, Lösungsansätze gesucht, würde die Lawine jetzt nicht beginnen, uns zu überrollen.

Natürlich spielt Geld eine Hauptrolle, denn auch Pflege ist eine Dienstleistung.

Jedoch werden die Gelder falsch investiert, es wird nichts gegen die Motivationslosigkeit unternommen, heute noch Pflegekraft oder Arzt werden zu wollen.

Leider schauen viel zu viele Betroffene und Pflegekräfte hilflos und tatenlos zu.
Das versuche ich zu ändern. Den Pflegekräften geht es gar nicht in erster Linie um mehr Geld, sondern um humane Pflegebedingungen und die Gesunderhaltung ihres Körpers und Geistes.

Wer nicht in der Pflege arbeitet, oder als Arzt, hat keinerlei Vorstellungen, was wir tagtäglich über uns ergehen lassen müssen.

Dies alles wirkt sich auf uns alle aus, das kapieren die wenigsten. Sieht man jetzt schon, nicht genügend Ärzte, nosokomiale Infektionen, Behandlungsfehler nehmen zu, unendliche Wartezeiten bei Ärzten, immer weniger Leistungen werden gewährt, die Pharmaindustrie ist Richtungsweisend......

Wir werden alle früher oder später am eigenen Leib erfahren, wie sehr das Gesundheitssystem jetzt schon krankt.

Und deshalb dieser Thread.
Ihr könnt eure Erfahrungen schildern, mitdiskutieren, sagen, wie ihr das seht, erzählen, ob ihr Betroffene kennt...

Dieser Thread ist mir ein Anliegen, weil das Gesundheitswesen nur gesunden kann, wenn man sich gegen dessen Untergang wehrt.

Occupy ist jedem ein Begriff. Aber die wirtschaftlichen Interessen machen unser Sozialsystem kaputt und dann sehen wir echt richtig alt aus.


07. Feb 2012 12:33
re

violaodorata weiblich
aus Zürich

Antwort auf: Kampf der kranken Gesundheitspolitik von: Seelenblume

ich würde praktisch alles unterschreiben. aber was wundern wir uns: politiker sind längst nur noch ankündigungspolitiker. da wird möglichst viel angekündigt....das wollen die medien, ja auch die menschen hören. umgesetzt wird selten was. aber das macht ja nix...denn es folgt ja immer das nächste "jahr des dies und das", wo es durch andere politiker wieder andere neue wunderschöne ankündigungen gibt.


07. Feb 2012 13:18
Ja, leider.

Und was machen die meisten von uns? Sie schauen seelenruhig ihrem Untergang zu. Für mich nicht ganz nachvollziehbar. Aufwachen und Aufstehen ist angesagt. Ich bin in drei Pflegegruppen Administrator und wir mobilisieren Betroffene. Jeden Tag wächst die Gruppe, wir organisieren Aktionen, Demos....auch wenn viele immer wieder sagen, der Aufwand sei doch eh umsonst. Nein!

Denn in manchen Zeiten ist Schweigen Verrat! (M.L. King)


12. Feb 2012 10:19
re

Ich
> bin in drei Pflegegruppen Administrator und wir
> mobilisieren Betroffene. Jeden Tag wächst die Gruppe, wir
> organisieren Aktionen, Demos....auch wenn viele immer
> wieder sagen, der Aufwand sei doch eh umsonst. Nein!

mobilisierst du Betroffene oder instrumentalisierst du sie für deine zwecke und die Lobbyarbeit deines Verbandes?
Deine betroffenen Pfleglinge und Ihre Angehörigen haben vielleicht nicht den Mut zu sagen das sie kein Interresse an dieser Demo haben ,aber sie befürchten wenn sie nicht mitmachen eine etwas weniger liebevolle Pflege.Ob sie voll hinter euren Forderungen stehen weiß niemand und wird man nie erfahren.

Lobbyarbeit ist wichtig ich finde auch Lobbyisten völlig ok.Aber die Lobbyarbeit die im Gesundheitswesen geleistet wird ist wirklich unmoralisch.
Denk mal darüber nach .Das du Demonstrieren gehst ist völlig ok ,Aber deine Pfleglinge und Angehörigen zu mobilisieren um für deine Interressen zu demonstrieren ist nicht akzeptabel.


12. Feb 2012 12:39
Da hast Du aber was völlig missverstanden.

Ich bin in keinem Verband, sondern in einer Gruppe, die aus verschiedenen Personen, vor allem Leute aus der Pflege, Psychologen, einigen Betroffenen, pflegenden Angehörigen...kommen. Mit den Leuten, die ich pflege, hat das nichts zu tun. Die würde ich da niemals mit reinziehen.

Es geht weder um Geld, noch darum, irgendjemandem irgendetwas aufzuzwängen, da hab ich Deinen ersten Thread wohl missverstanden.

Ich persönlich halte nichts davon, Haupt- und Realschulschüler auszuschließen, denn in erster Linie geht es in unserem Beruf um Empathie, Geduld, echtes Interesse am Klienten, klar auch Fachkenntnisse und soziale Intelligenz.

Wir sehen alle den Pflegenotstand, wir sehen ihn auch im Kontext zu allen anderen sozialen Bereichen, der Wirtschaft und eben auch der Fehlpolitik.

Gerade weil das Engagement von uns Pflegekräften fehlt, engagieren wir uns jetzt halt, denn wer, wenn nicht wir, soll es tun. Und uns sind alle willkommen, denn der Untergang unseres Sozialsystems geht uns alle an. Die Demo hat den Namen: Wir tragen das Gesundheitssystem zu Grabe, wird in Eigeninitiative von uns organisiert, wir erhalten keine Zuschüsse...

Was um Himmels Willen ist daran verkehrt, Missstände aufzuzeigen? Die Demo ist nur ein kleiner Teil unserer geplanten und auch schon durchgeführten Aktionen, wir wollen wachsen, denn nur so kann man den Druck erhöhen, dass sich endlich mal ans Nachdenken und Handeln begeben wird.

Wir sind insofern Fürsprecher für unsere Klienten, als das der Untergang des Sozialstaates uns alle angeht.

Für mich besser, als rumzusitzen und zu jammern oder gar engagierte Menschen für ihr Engagement von der Seite anzureden.

Wie willst Du denn was bewirken, wenn Du es doch auch ach so bescheiden findest. Sag mir, was Du so aktiv dazu beiträgst.

Vielleicht kann ich ja lernen, wie man es besser macht.


12. Feb 2012 12:57
Ach ja, mit Betroffene

Antwort auf: re von: schlumski

meinte ich nicht allein Pflegebedürftige, sondern alle die dieses Problem betrifft, also Pflegekräfte, andere medizinische und soziale Betroffene, alle Bürger, pflegende Angehörige, aber auch gerne Betroffene. Wir haben zum Beispiel eine gehandicapte Frau an Bord, dessen Geschichte ist einfach unglaublich. Unglaublich ignorant, wie sie mit ihr umgehen.

www.bitte-um-hilfe.de


12. Feb 2012 18:13
Ich beleuchte einfach die andere Seite....

'greg' männlich
spin.de VIP
Unikat aus Nordrhein- Westfalen

sozusagen als Ergänzung. Ehemalige Mitarbeiter aus der Pflege studieren Ökonomie und erzählen nun den anderen Pflegenden in Fortbildungen, worauf es ankommt. Korrekte Dokumentation, um bereits vorfinanzierte Gelder durch die Kassen zurückzuerhalten- bspw.
So weit, so gut. Allerdings wird ein mögliches Plus an Erlösen durch Rationalisierung einerseits und Upcoding andererseits angestrebt.
Pflege ist bereits Bestandteil der Verwaltung geworden, Und HELIOS setzt noch einen drauf: Dienstleistungsorientiertes Arbeiten. Übersetzt: Immer freundlich sein, eine Art Kundenservice aufbauen, der auch bei einem Minimum an Personal aufrechterhalten werden muss.
Die Idee selbst verzeichnet in 64 Kliniken bereits schwarze Zahlen. Selbst die Begrüßungsformel bei eingehenden Gesprächen ist streng vorgegeben. Die Ambulanzen und OP's müssen- straff durchorganisiert, absolut funktionieren.
Dabei profitiert HELIOS von den vorher mehr als schlampig geführten Häusern, die unverantwortlich schlampig gewirtschaftet haben. Beispiel: Vier Chefärzte fordern in einem interdisziplinären OP verschiedene, untereinander teilweise nicht kompatible Endotürme an. Unfallchirurgie und Orthopädie wurden mit verschiedenen Grundinstrumenten ausgerüstet. Mit diesen verschwendeten Ressourcen hätte man für ein Jahr mehr als 20 Mitarbeiter einstellen können. Und dies ist nur ein Beispiel vergangener Skandale im Gesundheitswesen. Die Überverwaltung der Kassen- die zu lange Verweildauer durch schlechte Prozessabläufe (vor allem berufsübergreifend) - all diese Faktoren haben unsere Krankenhäuser in die Verluste fahren lassen.
Dazu selbstherrliche Geschäftsführer, denen ein Konferenzraum vor der Küche wichtiger ist als ein temperierter Raum für tierorganische Abfälle. Bei der ersten Begehung durch Bezirksamt und Veterinäre wurde die durch Landesmittel finanzierte Großküche geschlossen.
All diese Fehler groben Ausmaßes führten zum Personalabbau in der Pflege, weil man glaubte, auf Verwaltung und Controlling nie verzichten zu können. Irgendwo muss herausgeworfenes Geld ja wieder eingespart werden.
Fangen wir erst gar nicht bei den Finanzierungsproblemen der Reha- Kliniken an.
So, und was ist zu tun? Wir haben seit Jahren damit begonnen- vor Ort und längst vorhandenen Möglichkeiten:

1. Harte Verhandlungen über Dienstvereinbarungen, was die Organisationssicherheit betrifft.
2. Handfeste Forderungen nach präventiver Medizin und Pflege (Vermeidung von nosokomialen Infektionen)
3. Kritische Teilnahme an Wirtschaftsprüfungen.
4 Der Gebrauch des Veto- Rechtes bei verdeckten Betriebsneuorganisationen durch massenhafte Probezeitkündigungen etc.
5. Der Einsatz einer guten Rechtsberatung für den Betriebsrat (Hier sind die Spielräume sehr groß!!)
6. Eine gute und seriöse Öffentlichkeitsarbeit (ohne Manifest und Schlagzeilen, wenn es geht).
7. Regelmäßige Veranstaltungen aktiver Mittagspausen (Lokalsender einladen, bitte).
8. Klare Vereinbarungen über den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen.

Ich könnte noch eine Menge Punkte aufzählen. Die Arbeit vor Ort ist ungeheuer wichtig. Und sie muss permanent durchgeführt werden. Ansonsten war es ein fähnchenbunter Tag, der bald wieder vergessen wird. Die Kommunalpolitiker müssen regelrecht genervt werden, wenn es um Mißstände geht.

Prestigekrankenhäuser scheuen die Öffentlichkeit. In Berlin Buch mussten 100 Pflegende wieder eingestellt werden, weil der Öffentlichkeitsdruck zu groß wurde.

Alles in allem: Zuerst ist die Information der Zusammenhänge wichtig, damit man nicht gegen anonyme Gegner arbeitet.
Danach folgt die Weiterleitung dieser Informationen, damit Pflegende wissen, wo sie überhaupt arbeiten, und wie sie finanziert werden.
Zum Schluß ist die Arbeit vor Ort (andauernd) am wichtigsten. Keine dicke Bewegung hat bisher zum Erfolg geführt.


13. Feb 2012 09:57
Absolut 100% d´accord.

Die Liste der Misswirtschaft und Skandale in der Pflege und im Verwaltungsakt sind rießig. Es gäbe so viele Lösungsansätze, aber diese werden leider nicht in Betracht gezogen, statt dessen arbeitet man an Scheinlösungen, um das Volk ruhigzustellen, gerade vor Neuwahlen.

Diese Ignoranz ist es, die mich dazu bringt, zu mobilisieren. Wichtig ist Aufklärung, und genau daran arbeite ich und viele andere. Nur durch massiven Druck kann sich etwas ändern. Jeder hat seine Methode des Widerstandes und in meinen Augen ist jede dieser Formen wichtig. Hauptsache es geht endlich in die Köpfe, dass es so nicht weitergehen kann.

Wer seine Rechte nicht einmal kennt, wer diese Mauscheleien nicht einmal wahrnimmt, der ist in dieser Maschinerie hilflos gefangen. Deshalb plädiere ich für Solidarisierung, ich finde auch Gewerkschaftsarbeit wichtig, auch wenn viele da anderer Meinung sind, aber die können eben auch nur was bewirken, wenn sie Mitglieder haben. Der Trend, dass auch branchenfremde bei Aktionen teilhaben, gefällt mir. Ich sagte ja schon, Solidarisierung ist der einzige Weg.

Auch wenn das idealistisch klingt und vielleicht sogar utopisch, in manchen Ohren, ich sehe einen positiven Trend, viele haben genug, man muss sie nur finden und ihnen zeigen, dass Widerstand nie verkehrt sein kann. Wir sitzen ja alle im selben Boot und das droht eben zu sinken, also müssen wir den Untergang verhindern, denn ohne Druck werden die Politiker und Träger und auch Verbände niemals echte Lösungen bringen.


07. Feb 2012 13:35
re

Antwort auf: Kampf der kranken Gesundheitspolitik von: Seelenblume

Wenn dir das Thema wirklich am Herzen liegt und du darueber diskutieren willst dann solltest du mMn einen besseren Einstieg in die Diskussion ermoeglichen. Ich les eigentlich wirklich viele und auch lange Postings hier, aber dieses hier ist mir eindeutlich zu lang.

Da wuerde ich mir eine Zusammenfassung mit Verweisen auf die Quelle und weiteren Infos wuenschen. So wird es mMn sehr schwer jemanden der nicht gerade 'vom Fach' kommt dafuer zu begeistern.


07. Feb 2012 13:46
Ja, vielleicht hast Du Recht.

Aber ich finde den Artikel so wichtig und richtig.

Aber die nachfolgenden Posting beinhalten den Inhalt ja auch nochmal gekürzt und führen zu einer weiteren Diskussion. Aber Danke für den Tipp, das nächste Mal werde ich es besser machen;-)


10. Feb 2012 14:30
re

violaodorata weiblich
aus Zürich

wes des herz voll, dem fliesst der mund über (geht mir mein leben lang so). du musst in einen thread nur jeweils einen aspekt, ein problem setzen. dann kann man gezielter diskutieren.

aber ich verstehe dich gut, denn fast alle probleme sind miteinander verbunden und hängen zusammen und das macht ein abtrennen nicht einfach.


10. Feb 2012 14:35
Genau das will ich aufzeigen,

dass man unsere Probleme nicht lösen kann, wenn man nicht weitsichtig und bereichsüberfreifend nach Lösungen sucht.

Was bringt es, wenn man eine Säule unseres Systems zu retten versucht, wenn die Last dann zu ungunsten einer anderen geht?

Das ist doch Humbug, aber begreifen wollen das scheinbar nur die Wenigsten.


11. Feb 2012 23:31
ich

violaodorata weiblich
aus Zürich

ich gebe dir vollumfänglich recht. nur sind politiker selten oder nie in der lage komplexe themen umfassend zu regeln. es geht wohl in der politik wirklich nur mühsam step by step, auf "den grossen wurf" kann endlos warten, denn da stehen immer irgendwelche pressurgroups im weg und bei einer allumfassenden lösung sind es dann eben schnell ein paar gegner zu viel, die dann das ganze zu fall bringen. und so wird man wohl leider weiter es lieber mit flickwerk versuchen, die sache in griff zu bekommen, auch wenn dies ein falscher weg (oder oft ein steiniger weg mit sehr viel umwegen) ist.


08. Feb 2012 22:51
Das Kranke an der Gesundheitspolitik

Antwort auf: Kampf der kranken Gesundheitspolitik von: Seelenblume

Das Kranke an der Gesundheitspolitik ist,
dass sie die Beschäftigten krank macht.

Wenn ich mir so anhöre, wie hoch engagierte Menschen
dem Gesundheitswesen (also dem worauf wir alle angewiesen sind)
den Rücken kehren, ist das eine Brachialabstimmung mit den Füssen.

Dafür haben wir niedrige Krankenversicherungsbeiträge
und einen gesetzlich verbürgten Anspruch auf Leistungen.

Wenn die im Gesundheitswesen nicht so sehr an die Leute denken würden,
sondern wie sie ausgenommen werden, sähe das für alle Beteiligten anders aus.


09. Feb 2012 15:07
Aber auch pflegende Angehörige

und vor allem Pflegebedürftige leiden unter dieser Situation. Grade auch unter der fehlenden Zeit und Pflegequalität und fehlenden Entlastungsmöglichkeiten aufgrund des Pflegenotstands.

Ich wünschte nur, alle würden aufwachen und das endlich zur Kenntnis nehmen und nach Lösungsansätzen suchen. Keine Scheinlösungen, sondern bereichsübergreifende, sinnvolle Veränderungen unseres Gesundheits- und gesamten Sozialsystems. Denn wenn der demographische Wandel seinen Höhepunkt erreicht, wird man dies alles einfach nicht mehr aufrechterhalten können.

Kein Geld da. Ich hab gestern eine Diskussion über Pensionen von Beamten und Politikern gesehen. Unglaublich, was da bald auf Kosten auf uns zurollen wird. Diese Menschen haben viel zu leisten, wobei oft leider sehr ineffektiv, also haben sie, mehr als alle anderen, die Möglichkeit, vorzusorgen, anstatt Pensionen von unserem Geld zu bekommen, die unerhört hoch sind, während Arbeiter und Angestellte schauen können, wo sie bleiben.

Es läuft so unendlich viel verkehrt. Und die schwächsten Glieder der Gesellschaft leiden.

Ich wünschte, die Deutschen hätten mehr Widerstandsbereitschaft, denn wenn so viele einfach nur untätig zusehen, dann lassen wir zu, dass es sich nie verändern wird. Und man könnte so vieles verändern, wenn man es nur wirklich wollte.

Das ist keine Utopie, das ist Realität, aber weil man an den Ästen der Wohlhabenden auch ein wenig sägen müsste, wird es so bleiben, solange wir mitspielen.

Ich hab hier eine Gruppe eröffnet: Rebellen der Pflege, für alle, die ernsthaft Lösungen finden wollen, um eine Besserung zu bewirken. Erst ein Mitglied, aber ich hoffe, es werden mehr. Nur wenn man sich vernetzt und versucht, etwas zu verändern, wird sich etwas ändern!


17. Feb 2012 23:26
re

> Ich hab hier eine Gruppe eröffnet: Rebellen der Pflege,
> für alle, die ernsthaft Lösungen finden wollen, um eine
> Besserung zu bewirken. Erst ein Mitglied, aber ich hoffe,
> es werden mehr. Nur wenn man sich vernetzt und versucht,
> etwas zu verändern, wird sich etwas ändern!

du redest immer von ernsthaften lösungen. und dass alles anders werden muss.
wie denn genau? wie sollte denn solch ein gesundheitssystem aussehen? da haben wir doch schon einmal drüber diskutiert.
deutschland hat ein gesundheitssystem, von dem die allermeisten anderen länder nur träumen können.
es kriegt doch praktisch jeder alles wenn er es braucht. und das sofort. das wird auf dauer so nicht mehr funktionieren. wir reden hier aber von einem thema, das so sensibel ist, wie kein anderes. und wir sind viel zu verwöhnt.
ich kann ja noch mal grob ein paar sensible punkte auflisten, auch wenn sie so umgesetzt ganz sicher zu einem aufschrei führen würden und teilweise ethisch nicht akzeptiert sind:

  • der hausarzt muß noch stärker gateway-funktion haben.
    ein facharztzugang sollte ohne überweisung durch den hausarzt einfach nicht möglich sein. dazu ist es natürlich nötig, das netz an allgemeinmedizinern zu verstärken und die finanzierung dort anders zu gestalten. ein facharzt (oder auch ambulanzen im uniklinikum, eher mein gebiet) weist niemanden ab. und da rennen regelmäßig leute mit einer simplen erkältung beispielsweise in eine hochschulambulanz. dort arbeiten hochqualifizierte fachärzte. für einen solchen patienten bekommt bspw. die uniklinik unter 60 euro im quartal. egal wie oft der patient kommt. dadurch sitzt man halt mal 6 stunden dort und wartet. und beschwert sich 3 tage später in der presse. in anderen ländern sterben menschen beim 18 monate warten auf einen termin beim facharzt. (siehe spiegel online, igendwann diese oder letzte woche)

  • die pharma-industrie in die schranken weisen
    pharmaforschung ist teuer. sowas sollte adäquat vergütet werden. aber wir bewegen uns manchmal in regionen, wo jeglicher bezug zur realität verloren geht (nach meiner laienhaften meinung). bspw. ist man man bei einem polytrauma-patienten, der bluter ist, mal schnell mit 200000 euro nur an blutgerinnungsmitteln dabei, um den überhaupt operieren zu können. so viel zahlt der im leben nicht an kk-beiträgen. oder medikamente in der ambulanten behandlung von tumorpatienten kosten auch schnell mal 2-4000 euro für eine infusion.

  • kosten-/nutzen-abwägungen
    muss jeder patient am leben gehalten werden, wenn absehbar ist, dass er es nicht überleben wird? intensivmedizin ist verdammt teuer. oder sollten ärzte den spielraum haben, bei solchen prognosen rechtlich auf sicheren beinen zu stehen und den stecker ziehen dürfen?
    muss man mit 80 jahren noch eine hüft-tep bekommen, oder ist dann irgendwann einfach auf kosten der allgemeinheit schluss und man ist halt für die paar restlichen lebensjahre an den rollstuhl gebunden oder bezahlt aus eigener tasche?

  • pränatale diagnostik
    neugeborene mit so schweren geburtsfehlern liegen manchmal 1 jahr im krankenhaus, schaffen es dann doch nicht, haben aber 500000 euro kosten verursacht. es gibt natürlich auch positivere fälle.
    geistig so schwerwiegende behinderungen, bei denen absehbar ist, dass das der mensch sein ganzes leben ein pflegefall ist.
    gibt es nicht szenarien, wo es erlaubt sein sollte den zukünftigen eltern anhand medizinischer/genetischer fakten eine frühzeitige entscheidung für oder gegen das kind zu ermöglichen?

  • weitere einschränkung des leistungskatalogs der gkv/ individuelle beitragsgestaltung.
    müssen kk zahnersatz für patienten finanzieren, die 10 jahre nicht beim zahnarzt waren?
    könnten patienten, die einen ungesunden lebensstil forcieren (rauchen, stark übergewichtige mc d-junkies, keinen sport treiben, extremsportler, ...) höhere beiträge zahlen? sollte gesunder lebensstil weiter und viel stärker gefördert werden? vielleicht bis hin zur beitragsfreiheit?

  • palliativmedizin
    jedem sollte es freistehen, in situationen, bei denen nur noch palliative behandlung möglich ist, dem ganzen auf eigenen wunsch ein ende zu setzen. warum müssen menschen monatelang vor sich hin vegetieren, wenn sie es wirklich nicht mehr wollen oder ertragen?

das war jetzt nur ein kurzes brainstorming. würde aber schon enorme geldmengen freisetzen, die dem rest der kranken und allen damit verbundenen zu gute kämen.

natürlich ist keiner der punkte momentan umsetzbar. wenn oma lieschen morgen vom arzt weggeschickt wird, den sie einmal die woche besucht, weil sie lange weile hat und sich im wartezimmer nett unterhält, lesen wir es übermorgen in der blöd-zeitung als dramatische schicksals-geschichte. und der pöbel rebelliert.
aber irgendwann müssen wir uns über solche unangenehme themen gedanken machen. schon heute gibt es medizin-tourismus. nicht nur aus deutschland zu osteuropäischen plastische chirurgen, auch nach deutschland.
die länder noch weiter westlich kommen auch gern nach deutschland, wei sie in ihrem gesundheitssystem für elektive eingriffe einfach mal 1,5 jahre auf den op-termin warten.
alles für alle und sofort wird auch bei uns nicht mehr lange klappen.

und noch ein wort zur pflege:
dein engagement in allen ehren - aber lokale grüppchen bringen da gar nix.
die pflege organisiert isch einfach nicht. da seid ihr selbst schuld dran. der marburger bund streikt ständig irgendwo. ich hab noch von keiner pflege-organisation gehört, dass die sich irgendwo mal wirklich sinnvoll organisiert hätten. natürlich muss man das auch wieder differenziert betrachten. gibts mehr lohn (und dafür streiken nunmal die leute), werden stellen einfach stellen nicht neubesetzt und die belastung steigt noch weiter...


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