Archiv des Forums Gesellschaft, Politik, Wirtschaft - Gesellschaft und Politik: September 2010: Angehörige ins Pflegeheim bringen
25. Aug 2010 11:50 Angehörige ins Pflegeheim bringen
Überlegt euch vorher, was ihr da macht, und steht nicht hinterher mit euren betretenen Mienen am Bett herum und wundert euch nicht, wenn alles ziemlich unerfreulich sich für euch entwickelt, beziehungsmäßig vor allem. Es gäbe, genau betrachtet, bei den meisten eine andere Lösung, die aber nicht ermöglicht wird. Man ist beschäftigt mit dem eigenen Leben, hat auch keine Lust auf Pflege eines älteren und schwächeren, vielleicht schon nimmer ganz klaren und nimmer ganz sauberen Menschen. Okay, das ist verständlich, zugleich aber auch lieblos. Und auf der Beerdigung: laßt das Geflenne und die rießigen Kränze. Hättet ihr alles vorher erledigen und auch anders handhaben können. Wie gesagt, nicht immer, aber meistens. Ach ja, noch was: wenn ihr die Wohnung ausräumt, schmeißt nicht alles gleich weg. Paar Kartons oder Koffer mit so persönlichem Krimskrams, nach dem wird oft noch irgendwann gefragt, meist, wenn der erste Schock über die ganze Veränderung etwas abgeklungen und die Situation etwas entspannter ist. Integration zum letzten Schritt, sozusagen. Da fallen einem dann Kleinigkeiten ein, die man gerne noch da hätte, ein Bild, eine Decke, Photos, irgendwas kitschiges. Alles ist schnell entsorgt, wenn die Grube gefüllt ist. Also: Eile mit Weile. Sinnvoll, wie meist. |
25. Aug 2010 11:58 Was wichtiges hab ich noch vergessen:
Diese ganzen Biografiebögen, die jetzt aufkommen, müßt ihr nicht ausfüllen. Das ist alles freiwillig. Paar Informationen sind ganz gut, hilfreich für die Betreuung, Anregung, für Anknüpfungspunkte beim Kontakt und so, aber vieles geht auch keinen was an, und ihr solltet euch nicht dazu hinreißen lassen, mehr von euch zu geben, als ihr wollt. Insbesonders eure familiären Konflikte haben dort nichts zu suchen. Ob er KZ-Aufseher war, oder sie irre rumgeprügelt hat, das ist zwischen euch auszutragen, nicht über den Biografiebogen, für dieses neue Qualitätsmerkmal "Erinnerungsarbeit". |
25. Aug 2010 12:13 das erinnert mich
mich an die IHP's |
25. Aug 2010 18:30 re
"Willkommen im IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik! Das IHP erforscht und entwickelt drahtlose Kommunikations- technologien. Unsere Aktivitäten sind darauf ausgerichtet den europäischen und deutschen Mikroelektroniksektor zu stärken sowie attraktive lokale und regionale..." ah. nun..... |
25. Aug 2010 22:10 sorry
Individuelle Hilfeplanverfahren |
26. Aug 2010 15:07 re
danke. ich kannte nur hpg. hilfeplangespräch. ist wohl was neueres, erst aus den letzten jahren, oder? bevor ich im pflegeheim anfing, erwog ich, in einer seniorengruppe für menschen mit geistiger behinderung, also innerhalb meines berufes, zu arbeiten. habe besichtigt, was es hier in der gegend so gibt. und ich muß leider sagen, das hätte ich nicht ausgehalten! dagegen ist die "normale" pflege noch ein wonnebrunnen. aber menschen, die als geistig behinderte, nach jahrelanger arbeit in einer wfb, als behinderte verrentet werden und nun rundum einrichtungsmäßig betreut werden müssen UNTER DEN GEGEBENEN BEDINGUNGEN - DAS war mir denn doch zu viel. und zwar keineswegs wegen der behinderten. nur dumme junge betreuer, schwachmatisch, respektlos, einander auf kosten der behinderten "eins auswischend", was konkret bedeutet: "ich mach die windel nicht sauber, du kriegst ihn vollgeschissen bis oben hin". und leider von oben her gedeckt, die übliche personalmangelfrage. und, natürlich, durch dieses ganze leben in aufsicht, in reglementierung, in medikamentierung, wehrt sich da einer? niemals erlebt. einfach alles indiskutabel. |
25. Aug 2010 13:40 re
Antwort auf: Angehörige ins Pflegeheim bringen von: snousneik Meine Oma hatte auf der Flucht ihre unverheiratete Schwester dabei - die danach immer bei ihr gelebt hat (was mit vier Kindern und Mann in gefangenschaft und auch danach nicht unpraktisch war.) Meinen Muutter und ihre Geschwister hatten also zwei Mamas und wir alle zwei Omas (oder 3). |
25. Aug 2010 15:30 re
> geschiedener Onkel zu ihr in die Wohnung gezogen und hat Und da fangen die Probleme schon an. Viele können sich so eine Vorsorge für Angehörige heute nicht mehr leisten. |
25. Aug 2010 17:14 re
selbst wenn es finanziell möglich ist. Der Mehrzahl der Häuser und Wohnungen sind nicht behindertengerecht. Und man sollte sich über die seelischen und körperlichen Belastungen keine Illusionen machen. Seine Mutter, seinen Vater in einem so hilflosen Zustand zu sehen und zu pflegen, kann auch nicht jede/r verkraften. Man sollte endlich die Pflegemöglichkeiten von Hilfskräften auch aus Osteuropa aus dem Zwielicht der Illegalität holen. |
25. Aug 2010 18:48 re
Ja, du hast sicher in allen Punkten Recht. Statt Pflege in einem Heim halte ich _unterstützte_ Pflege zu Hause für das Beste. Aber ich weiß auch, dass es mit der _Unterstützung_ nicht weit her ist und die Rennerei nach Hilfe oft länger dauert, als die frei Zeit, die die Hilfe letztlich bringt (unabhängig davon, ob es sich um private Hilfe innerhalb der Fam. oder um staatl. Hilfe handelt) Ich weiß ja nicht, für wie viele Patienten in einem Heim ein Pfleger zuständig ist. (vermutlich zu Viele) Besser für alle wäre die Möglichkeit, wenn man sich gegen Heimunterbringung entscheidet, automatisch eine Hilfe für eine bestimmte Zahl Stunden pro Woche zu bekommen. Die seelische Belastung bleibt, ist aber sicher besser zu verkraften. |
25. Aug 2010 19:06 re
Antwort auf: re von: Bolko naja, man könnte mal paar tausender investieren, für so einen treppenlift, und für einen geringfügigen badumbau, aber ich will das problem nicht kleinreden, es ist schon eins. aber, wenn ein alter mensch 40 jahre in so einer kleinen engen wohnung gewohnt hat, ist er das ja alles gewohnt. > > |
25. Aug 2010 19:30 re
da haben wir uns wahrscheinlich mal wieder falsch verstanden. Die seelische Belastung der unmittelbaren Angehörigen ist da. Die Alternative ist nicht , ab in die Pflege. Nur, man muss sich über diese Wandlung eines geliebten Menschen im Klaren sein, den man in der Blüte seiner Jahre erlebt hat. Er ist deswegen nicht weniger wertvoll. Wir erleben es derzeit hautnah. Demenz und Parkinson mit blauen Tagen und grauen Tagen. Es sind nicht die notwendigen Handgriffe und Hilfestellungen, die kann man erlernen. Im Übrigen gibt es dafür professionelle Menschen, die das leisten können und wollen. Es ist einfach auch der Umgang. Was kann man noch zumuten, was sollte man besser sein lassen. Die Teilhabe am Familienleben oder Abwechslung, so gut sie gemeint ist, kann zu tagelanger Unruhe führen. Man muss einfach akzeptieren, daß es für manche Menschen mit dieser Krankheit normalerweise keine Zeit und keinen Raum mehr gibt, manchmal aber eben doch. Ihr Verhalten ist mit unserer herkömmlichen Alltagslogik nicht zu erfassen. Es ist klar,, daß es Schweirigkeiten mit den Helferinnen z.B. aus Osteuropa geben kann. Da sind die sprachlichen und kulturellen Unterschiede. Die Betreuerinnen wechseln turnusmäßig alle drei bis vier Monate. |
25. Aug 2010 19:58 re
NOCH ist in der altenpflege viel zu verdienen, NOCH. im umgang macht man oft den fehler, daß man alles mögliche meint, machen zu müssen, anbieten zu müssen. merkst du ja selbst. auch hier gilt die devise: weniger ist mehr. als professionell gilt z.b. die sogenannte zehn-minuten-aktivierung. ätzend. ich weiß schon jetzt, sitz ich doch mal in der pflege, und kommt eine mit sowas an, werde ich ausflippen. folglich mache ich es auch jetzt nicht, es sei denn, es kommt an bei bewohnern, manche sind ja auch total bewegungsfreudig und witzig und lieben jedes späßchen. es ist alles individuell zu sehen. ratio und demente: von sich her gesehen sind sie total rational. sie leben in ihrer eigenen welt und verhalten sich so, wie man sich dort verhält. für uns erkennbar ist eigentlich nur das, was vom alten menschen noch übrig bleibt, und das sind oftmals überwiegend genau die charakterlichen eigenschaften und wesenszüge, die das ganze dasein ausmachten. die ratio fällt weg, und das andere kommt pur durch. faszinierend. |
25. Aug 2010 21:02 re
> NOCH ist in der altenpflege viel zu verdienen, NOCH< Es ist wahrscheinlich ein Frage der Zeit, wann die ersten Discount - Pflegeheime kommen. Ausgediente Bundeswehrkasernen wird es bald zu Hauf geben. Mit eine/m PvD je Flur und morgendlichem Antreten mit Rolator und Tagesbefehl. Aber vielleicht doch das niederländische Modell, mit Selbstständigkeit so lange es geht. |
25. Aug 2010 21:06 re:
Die Discounter gibt es schon. Pro Senior, Helios etc. |
25. Aug 2010 21:09 re
danke für die Info. Auf uns kam das Problem sehr plötzlich zu. Zum Glück haben wir eine Lösung finden können, eine Art Pflegefamilie mit privatem Umfeld. |
26. Aug 2010 15:27 die discounter
sind aber nicht einmal die schlechtesten heime. der standard ist selbstverständlich genauso hoch, was die pflege betrifft, wie in anderen heimen. man braucht keine angst davor zu haben. |
25. Aug 2010 18:57 re
Antwort auf: re von: Lacuna1 du meinst die finanzen? es ist eine sehr große bequeme lüge, daß die finanzen maßgebend sind. |
25. Aug 2010 20:04 re
> es ist eine sehr große bequeme lüge, daß die finanzen Nein. Schau dir bitte an, worauf ich geantwortet habe. Man kann nicht _vorsorgen_, wenn das Geld gerade zum Leben reicht. Und das gilt nicht nur für H4-Empfänger oder Aufstocker. Ansonsten siehe meinen Beitrag an Bolko. > und auch im ehrenamtlichen bereich gibt es viele hilfen. Liegt nicht Jedem, Fremde um Hilfe zu bitten. |
25. Aug 2010 20:40 re
finanzen: das sozialamt zahlt sehr vieles, manchmal auch komplett. es stimmt auch nicht, daß man um sein selbstbewohntes haus angst haben muß, wenn der ehepartner pflege benötigt und dafür also kosten entstehen. vielleicht ist das ländergeregelt, weiß ich jetzt nicht, aber hier, in bawü ist das so geregelt, daß man bezahlt bekommt, was man selbst nicht zahlen kann. > |

