Archiv des Forums Gesellschaft, Politik, Wirtschaft - Gesellschaft und Politik: August 2010: Aufschwung & Co.
24. Aug 2010 18:29 Aufschwung & Co.
Aus einer erlesenen Abfolge regierungstreuer Beiträge stach mir besonders dieser hier in's Auge: > Dafür, dass wir handlungsunfähig sind, haben wir in Deutschlands Hier zeigt sich sehr schön die Zahlengläubigkeit, die bei bejubelten Zahlen idR das Verständnis für die damit verbundenen Prozesse ersetzt und die Zahlenwerke damit zum frenetisch befeierten Fetisch macht, dem der reale Hintergrund fehlt. Was mich daher mal - an obigem Beispiel stellvertretend für einen beliebigen dieser Jubel-Indizes von Bund, Verbänden oder Parteien - interessieren würde, wäre: 1. welche Handlungsfähigkeit von wem ist denn gemeint? Anders ausgedrückt: "in lack of success first redefine success" vs. "kaufmännisch bereinigtes tatsächliches Endergebnis". Wo steht die deutsche Wirtschaft und Politik mit derlei Indizes - auf der korrekten, gut beratenen und vollzogenen Seite, oder tummeln sich die Teilnehmer hier im Bereich von "Grimms Märchen"? Selbstredend erstreckt sich die Fragestellung auch auf die Indizes, mit denen bei Bedarf und zur Erzeugung bestimmter Ergebnisse der Teufel an die Wand und die BRD für tot erklärt wird. |
24. Aug 2010 18:16 Arbeitslosenzahl gleich Wohlstandslatte?
Großes Kino, wenn man die Arbeitslosenzahlen als Wohlstandslatte benutzt. Anfangs dachte ich: So doof kann doch Volk und Volker nicht sein und auf einen Marketingtrick hereinfallen, der mittlerweile Jahre alt ist. Geht wohl immer noch. Die Wachstumsideoten jubeln immer noch, und es macht nix, dass die Friseurin, die für 3,50 Euro arbeitet (für unsere rechten Schreihälse: Das sind Stundenlöhne qualifizierter Gesellinnen) sich auf dieser tollen Statistik nicht wiederfindet- trotz staatlicher Aufstockung. Die 1-Euro-Jobber sind auch ganz glücklich, und die Wirtschaftsweisen sind natürlich unabhängig. Ganz nebenbei werden Betriebsräte von Rechtsverdrehern zerschlagen, Leiharbeiter gegen Festangestellte ausgespielt, und die Zahl der Kinder in Familien unter der Armutsgrenze wächst weiter an. Und alle starren auf diese Statistik, die keinen Bezug hat und keine Aussage liefert. KIK, H&M und andere Firmen dieser Art lassen Kinder in Bangladesh bis zum Hungertod arbeiten und gehen mit den eigenen Mitarbeitern wie Dreck um. Das Land hat die Wirtschaftskrise bravourös gemeistert. Klar. Hauptsache, die Statistik stimmt. Bildung? Bitte? Dieser von allen so hochgelobte Arbeitsmarkt wird doch eigens für "Minderqualifizierte" gemacht. Damit rechtfertigt jeder Neoliberale mit seiner Erfolgsfresse den freien Raubritterkapitalismus. Und Rösler, die größte Gefahr für unsere Gesundheitspolitik, darf in seiner Naivität auch ein wenig "Jugend-forscht" spielen. Merkels brennende Fronten sind in einem Beitrag nicht aufzählbar, aber die Melange an Arbeitslosenzahlen lässt uns alle hoffen. Nicht alle, sagt Hundt, der Torwächter des Aufschwungs. So viel Steuerentlastung kann uns Westiwelli gar nicht mehr schenken. Die neuen Löcher in unserer Lohntüte kriegt er damit nicht mehr zu. |
24. Aug 2010 18:20 nun...
Wie Du feststellst, kann man selbst mit Fachwissen diesem guten Marketing der Regierung nicht beikommen... |
24. Aug 2010 19:03 re:
Diese Leute gelten statistisch als nicht arbeitslos- sagt die Bundesagentur für Arbeit. Außerdem sollte man sich die politisch kaum verdächtigen Interpretationshinweise mal durchlesen Jeder kann sich schlau machen, bevor er jubelt. |
24. Aug 2010 19:15 re
Ich such mal noch ein paar offizielle Zahlen heraus, die diesen Irrsinn richtig verdeutlichen. Sind auf einem der anderen Rechner, daher später oder Morgen. |
24. Aug 2010 19:19 re:
25. Aug 2010 12:03 re
http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2009/panoramaarbeitslosenstatistik100.html Plus1: Empfänger von ALG I: 810.000 Irgendwie kommt man da auf faktisch 10,9 Mio. Arbeitslose. Wenn man daran denkt, daß zum selben Zeitpunkt über 7,2 Mio. im Niedriglohnsektor3 tätig waren, würde mich mal interessieren, von was Regierung, DIHT & Co. da immer schwafeln. 18 Mio. Menschen in D, die unfähig dazu sind, sich selbst zu ernähren oder adäquat selbst zu ernähren. Ich weiß nicht genau, in welchem Lande Westerwillie lebt - im real vorhandenen Deutschland bestimmt nicht. |
25. Aug 2010 14:02 re
Hinzu kommt, dass die gestiegenen Lebenshaltungskosten aller, durch gefakte Warenkörbe verfälscht werden. Wenn man die Lebensstandards von 1989 mit denen von heute vergleicht sieht man das sehr deutlich.' Ich weiss nicht ob die Politiker ihre eigenen fiktiven Zahlen glauben oder ob sie zwischen den Potemkinschen Dörfern leben, die Statistiker um sie errichten. Vom gemeinsam erwirtschafteten Wohlstand kommt immer weniger bei der unteren Hälfte der Bevölkerung an. |
31. Aug 2010 14:40 re
Antwort auf: re von: TerrorTwins danke nochmal ;-)) schönen nachmittag noch |
25. Aug 2010 08:27 re
Antwort auf: Arbeitslosenzahl gleich Wohlstandslatte? von: 'greg' 1. sind statistiken hohl ausgebrannte zahlenkonglomerate ich habe, und das nun als sechsten letzten punkt, letzte nacht sehr gut geschlafen, hallelujah, es war vollmond. ich wünsche mir nun immer vollmond. darf ich mir vollmond wünschen? ist es gestattet? ich wünsche mir auch eine bessere welt, mit besseren menschen drin, und ein sehr sehr gutes deutschland vor allem. damit wahr werden darf, was längst gesungen wird: deutschland deutschland über alles. |
25. Aug 2010 10:41 Re:
Antwort auf: Arbeitslosenzahl gleich Wohlstandslatte? von: 'greg' gut erkannt |
25. Aug 2010 17:50 Auf
Antwort auf: Arbeitslosenzahl gleich Wohlstandslatte? von: 'greg' Wunsch des TE mal nach hier verlegt. |
24. Aug 2010 18:32 dasselbe wie für 'greg'
Antwort auf: Aufschwung & Co. von: TerrorTwins Gegen gutes Marketing ist bestes Fachwissen machtlos... :) |
24. Aug 2010 18:50 re
Fragestellung leicht verfehlt. Dir aber eine klassische Antwort, in Form eines Zitats: "You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time". Sagte wer, Klaus? [ ] Abraham a Santa Clara [ ] Abraham H. Maslow [ ] Abraham Lincoln [ ] Vadder Abraham |
24. Aug 2010 18:48 re
Antwort auf: Aufschwung & Co. von: TerrorTwins > 1. welche Handlungsfähigkeit von wem ist denn gemeint? mfg |
24. Aug 2010 19:04 mal genauer
Antwort auf: Aufschwung & Co. von: TerrorTwins 1. welche Handlungsfähigkeit von wem ist denn gemeint? Ich meinte die Handlungsfähigkeit der BR Deutschland bzw. der Exekutive... wie wollen die denn Steuergelder effizient einsetzen, wenn sie mehr als die Hälfte schon jetzt nur zur Tilgung von Schuldzinsen einsetzen müssen? Nach geltendem Konsumgesetzen (CH-Verständnis) wäre Deutschland als Privater schon lange "überschuldet" und dürfte keine weiteren Kredite mehr bekommen. Mag polemisch sein, was ich schreibe... > 2. worin besteht die Korrelation zw. Handlungsfähigkeit Solange Ratingagenturen erzählen, dass Kunde XY eine gute Bonität hat (= er kann Schulden zurückzahlen), kriegt der Kunde weiterhin Kredite bei den Finanzinstituten oder Venturekapital. > 3. was sagen Ratings aus, wer erstellt sie nach welchen Naja, sie werfen Münzen in die Luft, kucken in Glaskugeln oder lassen koplose Hühner über ein vorher definiertes Spielfeld laufen... *hust* Aber Spass beiseite: Die erstellen Ihre Gutachten anhand von Bilanzen, Erfolgsrechnungen, gleichen diese mit Branchenkennzahlen ab usw. > 4. welche Bedeutung haben diese Ratings für Die Aktienkurse steigen bzw. bleiben stabil und somit die Aktionäre ruhig ;) Für das tägliche Geschäft bzw. ob Siemenskunden mit Funkgeräten oder Kraftwerkskomponenten zufrieden sind bzw. ob Leute mit Kopfschmerzen weiterhin Aspirin schlucken, haben Ratings KEINE weitere Bedeutung :) Börse besteht zu 90% aus Psychologie und die Ratingagenturen sind Balsam für gestresste Anlegerseelen..nothing more. > 4.2. Firmen des soliden größeren Mittelstands[fn > 50 Mio. S.o....bzw. 4.1. obwohl eine KMU nicht einfach die Bank wechseln kann, wenn diese blöd tun sollte...eine BASF fährt mit einer Deutschen Bank Schlitten, wenn die nicht spurt ;) > 4.3. Firmen aus dem KMU-Bereich unterhalb der Kriterien S.o.... bzw. 4.2. > 5. welche Bedeutung haben diese Ratings für Kommunen, Siehe Griechenland? Einmal den Pleitegeier-Stempel auf der Stirn und nix is mehr mit "Kredite bekommen"...bei Kommunen die pleite sind, muss die Landeskasse einspringen. In der Schweiz kann es schon mal passieren, dass eine Gemeinde nur noch als Rumpf existiert und direkt vom Kanton verwaltet wird, wenn die ihre Gemeindekassen ruinieren. So einen Fall gabs in der Walliser Gemeinde Leukerbad. > 6. welche Bedeutung haben diese Ratings für "Otto Normal"? Otto und Ottiele Normalverbraucher zahlen weiterhin Steuern, nur dass ihre Steuern nicht für den Ausbau von Schulen etc. verwendet wird, sondern um Schulden abzubauen. > Anders ausgedrückt: "in lack of success first redefine Da Ratingagenturen nicht immer transparent arbeiten, ist für den Laien nicht nachvollziehbar, ab wann man AAA oder "Schrott"-Rating bekommt... und ich halte die BRD nicht für tot, aber auf dem besten Wege dahin, wenn sie bestimmte Reformen weiterhin hinauszögert. Im Moment können sich die Deutschen noch darauf berufen, dass sie als Exportnation ihre Absatzmärkte ausserhalb der EU haben, nur wenn die mal wegbrechen..hmja. Die Deutschen sind ja nicht doof oder scheisse, sie haben jede Menge auf dem Kasten, nur das widerspiegelt sich nicht unbedingt in der Regierung oder der polit. Kaste allgemein. |
24. Aug 2010 19:13 re
> Ich meinte die Handlungsfähigkeit der BR Deutschland bzw. Das beantwortet "von wem". Und welche Handlungsfähigeit ist nun gemeint? > Aber Spass beiseite: Die erstellen Ihre Gutachten anhand Was sagen diese Ratings aus? Gibt es hier Leitlinien? > Die Aktienkurse steigen bzw. bleiben stabil und somit die Ein gutes Rating stabilisiert oder erhöht also den Aktienkurs? Ändert der Aktienkurs etwas am Kapitalbestand des betroffenen Unternehmens? > S.o....bzw. 4.1. obwohl eine KMU nicht einfach die Bank Sind große Mittelständler1 auf Banken zwingend angewiesen? Wenn ja: warum? > Die Deutschen sind ja nicht doof oder scheisse, sie haben Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang Ratings und sonstige Jubel-Indizes? Anders gefragt: wem dienen diese Indizes eigentlich? Und wer glaubt, was sie aussagen? |
24. Aug 2010 19:19 re:
http://www.youtube.com/watch?v=NzIx33j8KEY Schenk ich Dir auch hier gern. |
24. Aug 2010 19:24 re
Antwort auf: re von: TerrorTwins > Anders gefragt: wem dienen diese Indizes eigentlich? Und Die Anleger? |
24. Aug 2010 19:35 re
Was glaubst Du1: glaubt ein Chefvolkswirt der Deutschen Bank den Indizies? Glaubt der CFO der BASF den Indizies? Glaubt Warren Buffett den Indizes? Oder eher Hein Dumm, auf der Suche nach der Anlage für's Altersgeld? |
