Archiv des Forums Gesellschaft, Politik, Wirtschaft - Gesellschaft und Politik: August 2010: Kapitäne der Landstraße
23. Aug 2010 23:42 Kapitäne der Landstraße
Aus dem früheren romantisiertem Bild der Kapitäne der Landstraße oder neudeutsch Trucker, sind heute Knechte der Autobahnen geworden. Die Ursachen sind vielfältig. Zum einen es gibt viel zuviel Frachtraum. Der Transport überdie Straße ist zwar ökologischer Unsinn aber ökonomisch. Das drückt die Frachtraten. Der Anfang vom Ende der Freiheit der Trucker war das Zauberwort "Just in time". Das funtioniert aber nur, wenn man die Logistik, das sind die Fuhrunternehmer und Spediteure, bis auf die letzte Minute plant und natürlich zu grenzwertigen Bedingungen. Ein Fehler und der Autrag ist weg. Es gibt ja genügend andere. Das Ergebnis sind übermüdete Fahrer und an der Grenze des Burnout vegetierende Disponenten. Nicht zu reden von Fahrzeugen an denen nur das Notwendigste repariert wird, die bei Routinekontrollen der Autobahnpolizei mit bis zu 60 % der überprüften Fahrzeuge beanstandet werden müssen. Die fünfzehn verschiedenen Sorten Joghurt und 20 verschiedenen Katzenfutter , die der Kunde im Supermarkt erwartet, bezahlen die Fahrer der LKW's mit ihrer Gesundheit. Den härtesten Fall, den ich persönlich erlebt habe und belegen kann, war ein holländischer LKW Fahrer, der von Rotterdam nach Saarbrücken, von dort nach Belgrad, von dort nach Wien, und dann über Duisburg nach Bremen ohne nennenswerte Pause gefahren ist. Wir haben ihn in Bremen aus dem Verkehr gezogen, weil er lebensbedrohlich erschöpft war. Es gibt ab 2010 das Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz , bei dem alle fünf Jahren eine Grund- und Weiterbildung von 35 Stunden vorgeschrieben ist, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu verbessern. Wird das etwas an der Ausbeutung der Fahrer ändern? |
23. Aug 2010 23:59 re
Das System ist gut, aber es gehört auf die Schiene. |
24. Aug 2010 00:37 re
die "Schiene" kann das nicht leisten. Die Bhan stellt den Waggon auf das Anschlußgleis und sagen, sieh zu , wie Du ihn entlädst, wir holen ihn heiute abend wieder ab. Der Fahrer der Spedition macht ja häufig noch die Dienstleistung des Entladens. Und im Bereich der Supermarktversorgung für den Endverbraucher geht das schon gar nicht. |
24. Aug 2010 00:54 re
Schon klar. Die Bahn, wie sie jetzt ist bekommt das nicht gebacken. Seit Jahren, ja Jahrzehnten weiss man dass das einen Kollaps bringt auf der Strasse. Der Postkutschenverkehr von heute ist Mumpitz. 1 Fahrer für nen halben Güterwagon. |
24. Aug 2010 12:23 re
Antwort auf: re von: Bolko > die "Schiene" kann das nicht leisten. Schiene und Binenschiff können das sehr wohl leisten. Ein Waggon transportiert bis zum 6fachen dessen, was ein LKW transportiert. Ein Binnenschiff packt locker 1200 to oder 100 Container. > Wie lange wäre denn ein Waggon von Spanien oder Tschechien Bei Auslastung und Standardverbindungen1 benötigt der Zug weniger Zeit, als der LKW. Da gibt es weder Lenkzeitenverordnung, noch BAB-Kontrollen, Staus, Essenspausen. Auf die Masse umgerechnet, ist sogar das Binnenschiff schneller, als der LKW. Basel-Rotterdam = 2,5 Tage bergab, 4 Tage bergauf, inkl. Be- und Entladen. Mit 1200 to. Das wären 48 LKWs. Wie lange benötigen die, inkl. Be- und Entladen? > abend wieder ab. Der Fahrer der Spedition macht ja häufig Illegalerweise. Was künftig wegfallen wird. Hier wurde im Ursprungsthread2 die korrekte Aussage getroffen. Weder transportrechtlich, noch lenkzeitenrechtlich, noch produkthaftungsrechtlich zulässig. Dafür gibt es künftig "auf die Fresse". Der LKW rollt nur, eil er das Transportmittel ist, bei dem sich die maximale Subunternehmerkette abbilden läßt, die Preise am Besten dumpen lassen und sich immobilien- und prsonalsparende (Groß-)Kunden einbilden, ein Konsignationslager auf die Straße verlegen zu können. Was meinst Du wohl, was da passiert, wenn bspw. ab 2012 die CO2-Nummer auch für Speditionen gilt? |
24. Aug 2010 12:51 re
Du rennst offene Türen ein. Bei bestimmten Produkten stimmt der Vergleich. In Bezug auf Container gilt ja jetzt schon die Maßgabe, den Bahn - oder Binnenschiffstransport zu bevorzugen und erst bei Unmöglichkeit die Straße. Man sieht auf den Autobahnen sehr wenig Containertransporte und das sind häufig Verteilertransporte von den Containernahnhöfen zum Kunden. Bei der zunehmenden Menge der Uberseecontainertransporte wäre die Straße gar nicht in der Lage, diese Mengen an Container aufzunehmen. Das Roll -on - roll off Conzept per LKW ist ja schon länger beerdigt. Bis vor zwanzig oder dreißig Jahren war der Bahnanschluß für fast jedes mittlere Handels- oder Produktionsunternehmen normal. Diese Anschlüße wurden aber nach und nach fast alle aufgegeben. Mit dem Ausbau der Autobahnen bis in die letzte Provinz wurde der Bahntransport bis auf Massengüter uninteressant, sowohl finanziell als auch zeitlich. In Bereich des Stückgutes wird sich daran auch in der nächsten Zeit nichts ändern trotz Ökodieselzuschlag und Mautgebühren. |
24. Aug 2010 13:17 re
> Bis vor zwanzig oder dreißig Jahren war der Bahnanschluß Bahnverbindungen, die abgebaut wurden, kann man auch wieder aufbauen. Richtig ist unsere Infrastrukur hat sich da falsch entwickelt. |
24. Aug 2010 13:37 teilweise...
> Bahnverbindungen, die abgebaut wurden, kann man auch ...geschieht dies heute auch schon wieder. |
24. Aug 2010 13:48 re
Und mit ein bisschen mehr Kohle, kann man Gütertransporte auch unter die Erde verlegen. |
24. Aug 2010 13:51 günstiger
http://de.wikipedia.org/wiki/Cargolifter_AG Klar, sie sind insolvent, aber Patente, Knowhow usw. sind erhalten geblieben. |
24. Aug 2010 15:32 Problem...
> http://de.wikipedia.org/wiki/Cargolifter_AG Deren Hangar ist heute ein tropisches Erlebnisbad bzw. Indoor Freizeitpark. Und soweit ich informiert bin, waren die Baukosten für den ersten Hangar einer der Hauptgründe für das letzendliche Scheitern, weil sie das Projekt enorm verteuert haben. Dummerweise braucht man für Bau und Wartung von Starrluftschiffen solch gigantische Hallen, die größenmäßig noch die Boeing Montagehallen in Seattle übertreffen. Keine Frage ich hätte die Monsterzigarre auch gerne fliegen sehen1, aber da müssen sich erst mal genügend Investoren zusammenfinden die risikofreudig oder auch verrückt genug sind, das Projekt durchzuziehen. |
24. Aug 2010 15:40 hmm :)
> Deren Hangar ist heute ein tropisches Erlebnisbad bzw. Nun, die Transporte nehmen von Jahr zu Jahr zu, die Strassen sind verstopft, die Schienen erreichen bald auch ihre Kapazitätsgrenze und Frachtflugzeuge sind zwar schnell, aber auch genauso teuer... Ein Luftschiff fährt (nicht fliegt! *gg*) meines Wissens nach auch in Höhen, wo selbst ein isländischer Vulkan ihm nichts anhaben könnte. Aussserdem: Vor 100 Jahren erfand ein verrückter "Monama" (Benz hiess er glaub ich..) ein Gefährt, dass ohne Pferde,aber mit Pferdestärken voran kam. Verrückte haben immer schon den Fortschritt gebracht, sonst würden wir heute nicht am PC sitzen, sondern uns per Steintafeln unsere Ideen und Ergüsse präsentieren ;) Ich werd beim Cargolifter den Verdacht nicht los, dass die Insolvenz einigen gut in den Kram passte... weil prinzipiell ist die Idee unschlagbar gut und nur weil so'n Ding 'ne grosse Halle braucht... *seufz* |
25. Aug 2010 11:41 hmmm
> Ein Luftschiff fährt (nicht fliegt! *gg*) meines Wissens Natürlich "fährt" es (kommt davon wenn mean beim Positg nicht aufpaßt). > Ich werd beim Cargolifter den Verdacht nicht los, dass die Ich fand die Idee auch genial, sie hatte nur einen entscheidenden Fehler: sie sollte im Land der Bedenkenträger realisiert werden, des kann ja nicht gut gehen.^^ |
24. Aug 2010 14:20 re
Antwort auf: re von: Cenor > Und mit ein bisschen mehr Kohle, kann man Gütertransporte mfg |
24. Aug 2010 14:28 re
Nun ist aber Europa nicht unter Wasser - noch nicht ;) |
24. Aug 2010 15:08 re
> Nun ist aber Europa nicht unter Wasser - noch nicht ;) mfg |
24. Aug 2010 15:34 oooch
Antwort auf: re von: Cenor > Nun ist aber Europa nicht unter Wasser - noch nicht ;) Wenn du einen U boot Frachtcontainer entwirfst der superkavitationsfähig ist, ist wasser kein Problem, im Gegenteil, dann geht alles noch vieeel schneller. ^^ |
24. Aug 2010 14:17 re
Antwort auf: teilweise... von: undertaker1963 das stimmt nur bedingt. Die Auslieferung der Windkraftelemete erfolgt, schon wegen der Überbreite einiger Teile, als Sondertransport über die Straße. Da sind die Möglichkeiten der Bahn begrenzt. |
24. Aug 2010 01:07 Verpflichtende Weiterbildung
Antwort auf: Kapitäne der Landstraße von: Bolko Ob die verpflichtende Weiterbildung tatsächlich eine Änderung der bestehenden Verhältnisse schaffen kann, wage ich zu bezweifeln. Natürlich wird sie abgesessen, aber die genannten Faktoren werden sich dadurch nicht ändern...schließlich geht es um Profit und Konkurrenz- auch auf Kosten der Fahrer- und nicht zuletzt auch auf Kosten anderer Verkehrsteilnehmer, die eventuell in Unfälle verwickelt werden, die so nicht geschehen wären, wenn die Fahrer ihre Pausen hätten einhalten können... |
24. Aug 2010 07:17 re
Antwort auf: Kapitäne der Landstraße von: Bolko Wer keine Ahnung vom Fahren hat und nicht selbst hinterm Steuer sitzt ,sollte die Klappe halten und sich nicht anmaßend hier in der Com äußern. Bist du ein " BAG" , solltest du erst recht die Klappe halten ,denn die sogenannte Behörde für" Arbeitsschutz "ist nur dazu da dem Staat ( oder wem auch immer ) Geld zu beschaffen. Extremfälle wie der von dir beschriebene ,sind Ausnahmen die die Regel bestätigen. Bei uns wird streng auf Fahrzeiten und Pausen geachtet. Ich werde sehr gut bezahlt und bin bei Kunden wie Spediteuren geachtet . Denn die Gesetze über lenk und Ruhezeiten sind zwar schön ,gut und wichtig ,aber die Gegebenheiten und Zustände ,vornehmlich auf deutschen Straßen ,überhaupt nicht dazu Ausgelegt diese auch zu erfüllen. Das hat mehrere Ursachen ,die alle in einer verfehlten Politik ,sowohl in Brüssel wie auch in Berlin , zu suchen sind. Statt den Ursachen der von dir genannten Mißstände auf den Grund zu gehen ,wird von euch " BAG `s " nur abkassiert und das hat Methode ,denn auf Verstöße gegen die Lenk und Ruhezeiten gibt es " nur " Bußgelder aber keine Punkte - warum wol ??? Weil sonst in absehbarer Zeit kein Kutscher mehr fahren dürfte und die schöne Geldquelle nicht mehr sprudelt und das wissen die sch...Politiker ganz genau. Übrigen fahre ich einen nagelneuen DAF - Superspace ,der regelmäßig gewartet ,scheckheftgepflegt und mit allen erdenklichen Extras ausgestattet ist. Gerade in den Niederlanden wird auf den Fahrer mehr Rücksicht genommen als anderswo ,denn dort wird anerkannt ,daß wir Fahrer es sind die die Kohle machen und beim Kunden die Spedition repräsentieren. Wenn du ein er von den Kontrolletis bist ,dann hoffe ich einer von denen ,die nicht unter dem Druck stehen ,einen gewissen " Soll " an Geldeinnahmen erfüllen zu müssen. Aber das sind auch eher Ausnahmen die die Regel bestätigen ,denn meist seit ihr geldgierige Wegelagerer ,die den Fernfahrer um seinen hart verdienten Lohn prellen. Keltic |
