Archiv des Forums Gesellschaft, Politik, Wirtschaft - Gesellschaft und Politik: März 2010: Deutschland-Billiglohnland?
16. Mär 2010 15:24 Deutschland-Billiglohnland?
Die französiche Finanzmisterin hat beklagt, dass Deutschland, die Wettbewerbsregeln der EU durch Lohndumping unterlaufe. Die in Deutschland gezahlten Löhne und Gehälter entprächen nicht mehr dem Produktivitätszuwachs. Das bedeutet ,dass Deutschland wesentlich mehr in die westlichen und südlichen EU - Länder ( Frankreich, Spanien, Potugal, Italien und Griechenland ) exportiert als es von dort importiert. Das führt zu Verlusten von Arbeitsplätzen in diesen Ländern. Ist also das von den Politikern und Unternehmen so oft beklagte Deutschland als Hochlohnland, nur ein Propagandamärchen, um die Gewinne der Unternehmen zu steigern? Tatsache ist aber, dass die Nettolöhne ebenso wie die Zahl der sozialversicherungspflichntigen beschäftigten in den letzten Jahren kontinuierlich sinken. Die EU fordert nun von Deutschland, die Löhne und Gehälter schrittweise in den nächsten Jahren dem Produktionszuwachs anzupassen. |
16. Mär 2010 15:38 *looool*
Sorry wenn ich lachen muss.. ich weiss das Thema ist bierernst und wenn Du nicht wärst, gäbe es in diesem Forum nur Geheule über "gefühlte Misstände" und keine wahren Probleme, die man beachten sollte. Aber der Vorwurf der französischen Ministerin passt irgendwie nicht, da ich bei meiner Analyse der Nachrichtenlage bisher nicht feststellen konnte, dass der Exportweltmeister Deutschland seine Erfolge mit Lohndumping herbeiführt. Jedoch erhöhte der Gesetzgeber die MwSt um die Lohnkosten zu senken, man brummt alle Beitragserhöhungen für Arbeitslosenversicherung, Rente und Krankenkasse den Arbeitnehmern auf, damit die Arbeitgeber jaaaa keinen Cent zuviel "soziales Engagement" zeigen müssen... Wenn der Vorwurf der Franzosen stimmt (o.e. Massnanhmen scheinen wohl zu fruchten demnach), dann kann Westerwave endlich wieder Aussenminister sein und nicht nur spielen, weil dann def. jeder der arbeitet auch mehr in der Tasche hat als Transferleistungsempfänger. |
16. Mär 2010 16:15 der Erfolg...
..hat bekanntlich viele Väter. Bei den Exportüberschüssen, die hier beklagt wurden, spielt wahrscheinlich die Qualität der deutschen Produkte eine wesentlichere Rolle als der Preis. Tatsache ist aber, dass in den letzten Jahren durch moderate Lohnabschlüsse, massiven Personalabbau und Auslagerung von Produktion und Dienstleistungen auf Billiglohnanbieter die Lohnstückkosten gesunken sind. Das wird auch von den Gurus der Wirtschaft nicht bestritten. An dem erzielten Mehrwert wurden die Arbeitnehmer aber nur unzureichend beteiligt. Im Gegenteil, die Lasten des Personalabbaus und der staatlich gestützten Löhne wurden vor allem auf die Steuerzahler abgewälzt. Als Nebeneffekt betrifft das ja auch die Sozialkassen. Dazu kommt auch die Änderung im Verbraucherverhalten, vermehrt regionale Produkte nachzufragen, was auch zu Lasten des Exportes der anderen EU - Länder geht. |
16. Mär 2010 16:26 nun...
Wenn man all das liest, kann man die Ablehnung von Mindestlöhnen ja nicht mehr wirklich ablehnen right? Da die Unternehmen ja genug Gewinne machen und diese ja weder an Kunden oder Arbeitnehmer weitergeben würden die paar Euro Mehrkosten eh nicht ins Gewicht fallen ;) Und die Regionalisierung des Verbraucherverhaltens ist doch gut, warum soll ich Joghurt aus China kaufen oder Biogemüse aus New Zealand importieren? :) |
16. Mär 2010 16:36 Nur...
..die exportierenden Unternehmen würde der Midestlohn in den meisten Fällen ohnenhin nicht treffnn, da dies in der überwiegende Menge Unternehmen sind, die den geltenden Tarifverträgen unterliegen, als hausintern mehr als die Mindestlöhne zahlen. Mindestlöhne treffen vorwiegend die Dienstleister und Kleinunternehmer, die zum Sterben zu reich und zum Leben zu arm sind. |
16. Mär 2010 17:02 hmja
> ..die exportierenden Unternehmen würde der Midestlohn in Es spricht ja auch nichts dagegen, dass Betriebe/Gewerkschaften sich ausserhalb der Flächentarifverträge einigen, da man Mitarbeitern durchaus zutrauen kann, dass sie MITDENKEN :) Schliesslich ist Arbeitskraft und Knowhow neben Patenten, Maschinen usw. ein wichtiges Kapital. > Das mag ja sein, nur nützt es herrlich wenig, wenn man behaupten kann, dass man arbeitet, aber am Leben nicht teilhaben kann, weil der bescheidene Lohn noch weniger ist, als der arme Unternehmer zum sterben hat. Daher wären Mindestlöhne kein Ausdruck spätrömischer Dekadenz, sondern eine klare Abgrenzung zu Transferleistungsempfängern, die so rein ökomomisch wieder Licht am Ende des Tunnels sehen. Und es ist schon komisch, dass kapitalisch-veranlagte Länder wie Grossbritannien und die USA den Mindestlohn kennen und praktizieren und in Deutschland, wo selbst der Gang auf's stille Örtchen bürokratisch geregelt ist AUSGERECHNET im Niedriglohnbereich die freien Märkte spielen lassen will... Es passt einfach nicht :) Unternehmer behalten Ihre GEwinne nicht mal für sich, sondern zahlen sogar bei Verlusten Dividende aus, weil Verwaltungs- bzw. Aufsichtsräte mehr Schiss vor 'nem wünschelruten schwingenden Analysten haben (obwohl seit 2 Jahren klar ist, dass deren Kaffeesatzleserei ausser Ärger NICHTS gebracht hat!) als vor ihren eigenen Mitarbeitern ;))) Daher kann ich auch guten Gewissens den Sozi raushängen und die freie Wirtschaft an die kurze Leine nehmen wollen, da sie nicht zum Wohle der Gesellschaft ihre unternehmerischen Freiheiten nutzen. Du hast mehr Praxiserfahrung in diesem Bereich als ich, Du wirst garantiert zustimmen... Vondemher...seid doch mal wieder etwas deutsch und zeigt bestimmten Leuten, dass es reicht... sie kapieren es nicht auf die weiche Tour die Mutti und Westi mit ihnen fahren. |
16. Mär 2010 18:01 re
Antwort auf: Nur... von: Bolko Woher nimmst du dass es nur die Dienstleister und Kleinunternehmer, die zum Sterben zu reich und zum Leben zu arm sind trifft? 1. Nidrigstlöhne gibt es auch bei großen Unternehmen(ist zwar nach Statistiken geringer, aber es gibt auch dort den Nidriglohnsektor!) 2. Der Hauptpunkt ist dass sich Unternehmer, Manager und alle Großen sich selbst so viel wie möglich in die Tasche stecken und dann für die kleinen nichts mehr übrig bleibt! |
16. Mär 2010 16:47 sorry,
Antwort auf: *looool* von: KlausTaler > Exportweltmeister Deutschland aber das WAR einmal! |
16. Mär 2010 16:51 re
Wann nimmt es nur ein ende.... Dieser ist noch einer der offensichtlichsten Propgandabegriffe. |
16. Mär 2010 18:10 *scnr*
Antwort auf: *looool* von: KlausTaler > Aber der Vorwurf der französischen Ministerin passt ...Ja wie denn sonst? Den Währungkurs künstlich zu niedrig zu halten klappt in der Euro Zone ja irgendwie nicht.....*lol* |
16. Mär 2010 18:12 *grins*
> Öhm...also ich kann mich nicht erinnern, dass alle Autobauer, Maschinenbauer, Pharmaangestellte usw. nur eine Schale Reis pro Tag arbeiten bzw. genauso viel kriegen wie Transferleistungsempfänger ;)) |
16. Mär 2010 17:13 re
Antwort auf: Deutschland-Billiglohnland? von: Bolko > Die in Deutschland gezahlten Löhne und Gehälter entprächen Nun, im letzten Jahr dürfte dies, angesichts eines 4,3%-BIP-Einbruchs vermutlich nicht der Fall gewesen sein, ansonsten stimmt es sicher. Die EU-Osterweiterung, mit seiner Billiglohnkonkurenz unmittelbar vor Deutschlands Haustür (Südeuropa oder Frankreich sind ja ein wenig weiter entfernt, besonders für KMU) übte natürlich Druck gerade auf die Höhe der Industrielöhne aus, für süddeutsche Mittelständler liegt Tschechien nur einen Katzensprung entfernt. Das kapiert auch der fanatischste IG-Metaller. Hier gab es seit Ende der 90er eine starke Annäherung durch das deutsche Maßhalten sowie die rasanten Zuwächse in Osteuropa. > Damit unterlaufe Deutschland die vereinbarte Quelle für Äußerung sowie "Vereinbarung"? Die einzig mir bekannte Verabredung zur Eurozonen-Inflation besagt: Die Inflationsrate darf maximal 1,5% über derjenigen der drei preisstabilsten EU-Länder liegen. Ansonsten gab es jahrelang Bundesbank-Intern eine angestrebte Maximal-Rate von 2%, wo also ein Unterlaufen eher positiv denn negativ wäre. ;) > Das bedeutet ,dass Deutschland wesentlich mehr in die Wann bitte gab es einen Zeitpunkt seit den 50er Jahren, wo Deutschland NICHT mehr nach Süd-o. Westeuropa lieferte, als es von dort bezog? > Das führt zu Verlusten von Kühne These: die USA-Importrate liegt seit Jahrzehnten über der entsprechenden Exportrate, trotzdem wurde in den ausgehenden 90ern nahezu Vollbeschäftigung verzeichnet. > Ist also das von den Politikern und Unternehmen so oft Würde heutzutage niemand mehr behaupten, die entsprechenden Statistiken sind seit dem Jahr 2000 ziemlich eindeutig. > Tatsache ist aber, dass die Nettolöhne ebenso wie die Zahl Absolut. > Die EU fordert nun von Deutschland, die Löhne und Gehälter Grundsätzlich nicht falsch, die Binnenkaufkraft zu erhöhen - das einseitige Setzen auf immer höhere Exportzuwächse wird unsere ökonomischen Probleme nicht lösen. Insofern ist eine stärkere Steigerung bei Löhnen/Gehältern sicher in Ordnung. Aber: Binnenkaufkraft steigt nicht, wenn durch zu hohe Steigerungsraten Wettbewerbsfähigkeit verspielt wird, also Arbeitslosigkeit entsteht. Dann eher die staatliche Verschuldung bekämpfen u. für Investitionen hierzulande sorgen. |
16. Mär 2010 18:46 re
Antwort auf: Deutschland-Billiglohnland? von: Bolko > Die Stücklohnkosten liegen dadurch unterdem EU Interessantes argument. Aber ist es eigentlich nicht zwangsläufig so das immer jemand über und jemand unter dem Durchschnitt liegt? oder wurde eine neue rechenmethode entwickelt nachder alle überm Durchschnitt liegen können? |
17. Mär 2010 19:06 bei den steuern kein wunder
,das immermehr chefs so wenig wie möglich an lohn auszahlen |
18. Mär 2010 09:25 re
ich wage zu behaupten, |
18. Mär 2010 16:05 re
Antwort auf: re von: AdvocatusDiaboli Zu Lohnstückkosten folgende Anmerkung: Lohnstückkosten sind die wichtigste Determinante der Wettbewerbsfähigkeit in einer Währungsunion. |
22. Mär 2010 18:24 re
Das Argument "liegt unter der Zielvorgabe" und das Argument "liegt unterm Schnitt" sind zweierlei. EINER muss immer mindestens unterm Schnitt liegen. Man kann in ner Klassenarbeit nicht nen Schnitt von 2,5 haben, wenn alle schüler ne 2 haben. Verstehe jetzt meine aussage?! |
18. Mär 2010 09:33 re
Antwort auf: Deutschland-Billiglohnland? von: Bolko > > |
20. Mär 2010 10:03 oder doch
wenigstens als schutzgedanke. der angeblich stärkste nettozahler in der eu wird also sozusagen beschützt vor zu viel nettoverlust im eigenen geldbeutel, durch die von ihm selbst gewählte und ihn fortgesetzt ausbeutende political class. heavy and cleary. wir brauchen einfach neues flowerpower in dieser trüben schwer belasteten weltgegend! ich plädiere für bedingungslose einwanderungsmöglichkeiten für alle gut aufgestellten verwirbler und schwurbler! |
29. Mär 2010 01:52 re
> ich plädiere für bedingungslose einwanderungsmöglichkeiten 100%ige Zustimmung. Es wird dringend Zeit, daß diese Monokultur |
