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weiservogel weiblich
angeli
03. Aug 2012 23:42

wir und europa!

heute habe ich eine fernsehsendung ueber die geschichte von europa von der antike bis heute gesehen...es war interessant.
Mich hat vor allem die entstehung der nationalstaaaten in den letzten hundert jahren fasziniert.
Insgesamt sind wir doch alle irgendwie mitewinander verbunden! und igendwie auch nicht!°
Was meint ihr dazu?



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03. Aug 2012 23:43

re

ja

1



05. Aug 2012 20:39

stimmt

Antwort auf wir und europa! von weiservogel

sichtbare zeichen jarhuntertlanger verbundenheit sind die zwiebeltürme in bayern und in rußland.

http://de.wikipedia.org/wiki/Zwiebelturm



14. Aug 2012 10:18

Europa der Völker

Antwort auf wir und europa! von weiservogel

Europa hat eine lange Geschichte und auch im weitest gehenden Sinne eine gemeinsame Kulturgrundlage, auf die sich so gut wie alle europäischen Völker berufen können: Das Christentum und die Aufklärung.
Dennoch gibt es auch vieles was die europäischen Völker voneinander trennt, und das sind nicht nur die (nicht mehr vorhandenen) Grenzen der Länder. Das sind Sprachen, Mentalitäten, unterschiedliche Ethnien, verschiedene Religionen (Protestanten, Katholiken etc.). Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass der europäische Partikularismus doch das ist worauf unser Abendland steht und was auch unsere Stärke darstellt.



amberley
14. Aug 2012 13:17

Partikularismus

>>>Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass der europäische Partikularismus doch das ist worauf unser Abendland >>>steht und was auch unsere Stärke darstellt.

.... solange sich nicht die Europäer wegen genau dieses 'Partikularismus' wieder gegenseitig die Köpfe einschlagen, was ja oft genug vorgekommen ist.
Leider quälen sich die Politiker seit Jahrzehnten mit der ökonomischen Einigung Europas herum. Da gibt und gab es Freihandelszonen und Währungsgebiete und Schengenvereinbarungen und was weiß ich alles noch.
Eine kulturelle Identität fehlt völlig, also eine Invariante, mit der sich alle Europäer wenigstens in Ansätzen identifizieren können. Cervantes und Michelangelo und Shakespeare und Goethe und Mozart und Puschkin und Tschaikovski und Chopin
und Ravel. Und noch eine ganze Menge weitere...
Ich habe hier schon ein paar mal geschrieben, dass Kaliningrad / Königsberg als Exklave wie keine andere europäische Stadt unter dem Denkmal von Immanuel Kant eine europäische "Kulturhauptstadt" werden könnte. Sie spiegelt wie keine andere die Zerrissenheit und die tragische Geschichte Europas im Wandel der Epochen wider.
Leider interessiert sich keiner dafür, Europa scheint sich in Geld- und Zinsgebaren zu erschöpfen und mit fiskalischen Mitteln die Feldzüge fortzusetzen, mit denen es sich jahrhundertelang bekriegt hat. Der Wehrmachtsjargon, der dazu in Sudelmedien seine Renaissance erlebt, ist erschreckend.
Und das war's - eingeteilt in Absatzgebiete und Billiglohnzonen.
Und man ist wieder dabei, von irgendwelchen Schutzschilden im Baltikum zu quatschen und Raketen aufzustellen.
Nur diesmal stehen die Amerikaner im Osten und die Russen im Westen. Man mag es kaum glauben. Die althergebrachte europäische Kultur bleibt in der Politik nichts als Geschwätz und Beiwerk für Feiertagsreden.



14. Aug 2012 23:41

re

nur eins ist heut anders, es gibt das internet und die jugend kann es hervorragend benutzen.



15. Aug 2012 10:19

re amberley

Antwort auf Partikularismus von amberley

> Eine kulturelle Identität fehlt völlig, also eine
> Invariante, mit der sich alle Europäer wenigstens in
> Ansätzen identifizieren können.

Viele Europäer können sich ja noch nicht einmal mit ihrem eigenen Heimatland, dessen Kultur und Geschichte identifizieren. Manch einer fasel ja schon von den "Vereinigten Staaten von Europa...



amberley
15. Aug 2012 11:16

Identifikation

>>>Viele Europäer können sich ja noch nicht einmal mit ihrem
>>> eigenen Heimatland, dessen Kultur und Geschichte
>>> identifizieren.

Ja eben ! Dem Saarländer ist Lothringen sicher näher als Thüringen. Und dem Thüringer ist das böhmische Erzgebirge näher und vertrauter als die Schwäbische Alb. Ganz zu schweigen von den historischen oder religiösen Hintergründen. Da vermischen sich so viele Schnittmengen, dass man den Überblick verliert.
Eben deshalb hatte ich das Thema erwähnt, und "weißervogel" sicher auch den Thread eröffnet. Bis zur Identifikation mit Europa ist es sicher noch ein längerer Schritt, erst mal müssen es die meisten überhaupt erst kennen lernen. Mit Wien kann man sich erst identifizieren, wenn man mal über den Kahlenberg gelaufen oder mit dem Fahrrad durch die Wachau gefahren ist. Und mit Novgorod am Ilmensee kann ich mich erst identifizieren, wenn ich mal in einer Privatfamilie dort gewohnt habe und mit denen am Mittagstisch saß !

Stattdessen schwätzen viele daher, was sie den Boulevardmedien so nachplappern, aber selbst nie mit eigenen Augen gesehen haben. Groß in Mode ist derzeit das Feindbild 'Griechenland'. Wenn man eine so große Anzahl von Ländern unter ein finanzielles Dach kriegen will, muss man damit rechnen, dass es starke Gefälle gibt, auch bezüglich der nationalen Wirtschaftskraft und der Mentalitäten der Leute. Das ist doch nichts Neues !
Wer sagt eigentlich, dass die Griechen oder Italiener oder auch die Kärntner die gleiche Vorstellung von Lebensqualität haben müssen, wie der mit Finanzen jonglierende Frankfurter Banker ?
Leider betrachten viele Europa nur durch die Brille des Geschäftemachers, der seine 'Zielgebiete' auslotet. So dämlich, das nicht mitzukriegen, sind die Europäer allesamt auf Dauer nicht.

Wenn die föderative Bundesrepublik über Bayern seit 1948 so gedacht hätte, würden ohne Finanzausgleich heute noch enorme wirtschaftliche Diskrepanzen herrschen.
Und das ist in Europa nicht viel anders.

Wo fängt eigentlich Europa an, und wo hört es auf ? Nicht mal diese Frage ist geklärt !



15. Aug 2012 11:18

re

Antwort auf re amberley von ensis

<<Manch einer fasel ja schon von den "Vereinigten Staaten von Europa...>>
das diese zusammenfinden nicht einfach ist sieht man in den usa. gerade in den südstaaten ist es ein proplem sich zu den gesetzen der vereinigten staaten von amerika zu bekennen. denk da nur mal an die rassentrennung. das hängt denen immer noch an trotz eines farbigen an der spitze des staates. es ist in deutschland nicht viel anders denkt man nur an das geschwätz von ossis und wessis obwohl an der spitze unserer regierung ein typischer ossi steht.



amberley
15. Aug 2012 11:53

USA

>>> es ist in deutschland nicht viel anders denkt
>>> man nur an das geschwätz von ossis und wessis

Ich bin mal in einem englischsprachigen Forum in einen Streit zwischen Nordstaatlern und Südstaatlern geraten. Also Virginia gegen Georgia, so ähnlich jedenfalls. 'Yankeefaggots' gegen 'Cuntfederates' !
Dagegen ist unser bisschen augenzwinkerndes Ossi-Wessi-Geplänkel eine Lappalie.
Ich glaube, die hätten sich am liebsten abgeschlachtet; und das noch 150 Jahre nach dem Bürgerkrieg. Unglaublich !
Manche würden da wohl heute noch die 'nigger' mit der Peitsche auf die Baumwollfelder treiben.
Man fragt sich, wo die ihren Patriotismus zu 'Stars and Stripes' hernehmen !



Manua
15. Aug 2012 15:30

@USA

ja das finde ich auch interessant, wenn man mal andere Länder beobachten können die Unterschiede und Animositäten durchaus noch größer sein und trotzdem singen sie dann am Ende die gleiche Nationalhynme. Ich denke einfach, dass Identitäten immer Prozesse sind, die im Wandel sind. Man sollte nie annehmen man bleibt für immer "deutscher" oder so, das ändert sich alles und hat sich bisher auch immer geändert.



16. Aug 2012 18:56

Europa

Antwort auf Identifikation von amberley

Wo fängt eigentlich Europa an, und wo hört es auf ? Nicht mal diese Frage ist geklärt !

Diese Frage wird sich vermutlich niemals klären lassen.
Europa ist (rein geographisch gesehen) eine Halbinsel und hat somit keine geographischen Grenzen. Der Ural ist nur ein Gebirgszug und wurde von Menschen zur Grenze erklärt.
Und was ist mit England? Irland? Kreta? Sizilien? Oder gar mit Island oder Zypern?
Gehört Teneriffa zu Afrika? Zypern zu Asien? Ist England gar ein eigener Kontinent?
Was ist mit Skandinavien, das ebenfalls eine Halbinsel ist? Ist das Europa?

Das Problem beim Begriff "Europa" scheint mir zu sein, dass sehr viele Menschen versuchen, ihn mit der Gedankenwelt und den Begrifflichkeiten von Nationalstaaten zu fassen, aber das ist schlichtweg nicht möglich.
Europa ist ein politisches Gebilde ohne eigenständigen Identifikationsfaktor. Ein Gebilde, das sich ständig verändert und neu definiert. Ein genetischer Identifikationsfaktor ist ebenfalls nicht möglich. Nirgendwo in Europa.

In diesem Forum wurde bereits mehrfach erwähnt, dass viele Leute nicht einmal einen konkreten Bezug (also eine Identifikation) zu ihrer unmittelbaren Heimatregion aufbauen können, wie sollte es da zu einem so abstrakten Gebilde wie Europa gelingen?
Wer in seiner eigenen Region heimatlos ist, der wird es auch in Deutschland und in Europa sein. Es gibt keine gesamtdeutsche Nationalität und somit auch keine europäische.
Was herstellbar ist, das ist bestenfalls eine fiktive Nationalität auf Papier, genau so, wie sie jetzt in unseren bundesdeutschen Pässen steht.

Trotzdem wird sich ein Rheinländer einem Elsässer, ein Bayer einem Österreicher, ein Schwabe einem Schweizer und ein Ostfriese einem Briten kulturell vermutlich weitaus näher verbunden sehen als seinen eigenen Landsleuten, mit denen er auf dem Papier seine Staatsangehörigkeit teilt.
Um sich als Deutscher zu empfinden, muss man sich (jedenfalls meiner Meinung nach) sowohl sprachlich als auch kulturell als ein Angehöriger eines deutschen Bundeslandes empfinden können, wie sonst sollte hier ein Identifikationsfaktor geschaffen werden?
Dazu ist es nicht unbedingt nötig, dort geboren oder aufgewachsen zu sein, dieser Faktor kann auch durch Zuzug und Integration erreicht werden. Ohne Integration jedoch kaum, da entstehen bestenfalls sprachliche und kulturelle Gettos.

Klar kann man auch Deutscher nur auf dem Papier sein, ohne weder mit dessen Kultur, noch mit deren Sprache jemals in Berührung gekommen zu sein. Es ist dazu nicht einmal nötig, in Deutschland geboren zu sein oder hier zu leben.
Eine Identifikation aber wird in solchen Fällen genauso wenig gelingen wie in einem gemeinsamen Europa.

Wir können vielleicht von den "Vereinigten Staaten von Europa" faseln, aber dazu wäre es vorerst einmal nötig, sich als ein Angehöriger eines dieser Staaten zu empfinden. Es gibt keine europäische Nationalität und die wird es auch niemals geben.
Was herstellbar ist, das wäre bestenfalls eine europäische Union, also ein politischer Verbund von unterschiedlichen Heimatländern, Sprachen und Kulturen, aber niemals eine europäische Identität.



amberley
16. Aug 2012 22:19

United States of...

>>>Was herstellbar ist, das wäre bestenfalls eine europäische Union, also ein politischer Verbund von unterschiedlichen >>>Heimatländern, Sprachen und Kulturen, aber niemals eine europäische Identität.

Danke Dir für Deine mühevolle und ausführliche Erklärung. Die Fragen sind alles sehr schwierig zu beantworten, weil sie nicht nur an den unterschiedlichen Sprachen, sondern auch an den verschiedenartigsten geschichtlichen und religiösen Traditionen und Ressentiments hängen, die sich immerhin alle schon irgendwann einmal gegenseitig abmurksen wollten.
Ich komme durch den Sport sehr oft nach Russland, an einer Schule dort hing mal eine Landkarte, die nach Westen ausgerichtet war, weil die Länge des Landes sonst wohl nicht draufgepasst hätte. Da ist mir erst mal aufgefallen, was Europa doch für ein winziger Wurmfortsatz im Verhältnis zu Russland ist, richtig erschreckend. Und die 'Kleinstaaterei' noch dazu, das macht wirklich wenig Hoffnung.
Aber egal, so ein bisschen 'Heimat' ist es doch, vor allem durch die kulturellen, musikalischen und literarischen Hintergründe, die sich wenigstens in manchen Lehrplänen euröpäischer Schulen wiederfinden.
Irgendwie ist da schon ein gemeinsamer Nenner vorhanden, auch wenn man ihn oft lange suchen muss.
Aber es fehlt die Institution dazu, Gemeinsamkeiten müssen 'gepflegt' werden. Das vermisse ich, deshalb auch die 'waghalsige' Idee mit Königsberg. Straßburg und Brüssel reichen mir für einen Europabegriff nicht aus; wie soll man sich am Schwarzen Meer oder im Baltikum mit den alten Dimensionen der EWG identifizieren können ?
Und was das Wichtigste ist: Welche Rolle soll Russland in Europa spielen ? Eigentlich hatte ich vor allem daran gedacht, nicht mal so sehr an die Geographie !



troetenharry männlich
aus köln (Nordrhein- Westfalen)
17. Aug 2012 13:07

Die alte EWG ...

Es gab ja bloss die 6 Länder: BeNeLux, Italien, Frankreich, Deutschland, ab 1973 Irland, England, Dänemark, damals noch EFTA-Länder.
Im Zuge der EWG wurden Partnergemeinden gegründet, ein Dorf in Niedersachsen mit einem in der Normandie, usw. Die fanden regen Zuspruch mit Besuchen, Jugendaustausch , beginnenden Freundschaften. Ich habe aus der Zeit Mitte der 60-er auch heute noch Kontakt in Moulineaux bei Rouen.

Das war alles noch greifbar, hatte Ziele auch für "normale " Bürger, das förderte auch die mittelständische Wirtschaft.

Heute ist die EU ein Riesenkoloss, ohne einheitliches Konzept, ohne einheitliche Verkehrssprache, ohne Visionen.
Damit kann man sich nicht identifizieren.

Und wer will eigentlich EU-Normen flächendeckend? Die alten Verträge zur EU sagten: Stärkung der Region bei Abgabe staatlicher Souveränität. Will heute keiner was von wissen.

Heute gehts nur noch um die Frage: was kostet was, wer kann sich auf die EU-Kasse sanieren. Da verwundert es nicht, wenn der Gedanke sich breitmacht, erstmal seine eigenen Hausaufgaben machen zu müssen.



amberley
17. Aug 2012 14:06

brüsselzentriert

>>>Es gab ja bloss die 6 Länder: BeNeLux, Italien, Frankreich, Deutschland, ab 1973 Irland, England, Dänemark, damals >>>noch EFTA-Länder.

Ja eben, genau das meinte ich doch !
Und genau da sind auch die Machtkonzentrationen geblieben. Ob das auf Dauer gutgeht ? Und man in den Karpaten oder Karawanken oder im Livland dieses zentralistische, mittlerweile verfilzte Gebilde mitträgt ? Das wage ich zu bezweifeln.



troetenharry männlich
aus köln (Nordrhein- Westfalen)
18. Aug 2012 15:29

re

Bei alles Verfilzungen, negativen Zutaten: Ohne diese Kernlande wäre nichts passiert, würde auch heute nichts passieren.



amberley
19. Aug 2012 15:12

Kernlande

>>> Bei alles Verfilzungen, negativen Zutaten: Ohne diese Kernlande wäre nichts passiert, würde auch heute nichts passieren.

Das ist sicher richtig, aber es reicht auf Dauer nicht mehr aus. Die alten Administrationen von Straßburg und Brüssel werden irgendwann nicht mehr akzeptiert, fürchte ich. Da ist ein großer slawischer und baltischer Raum hinzugekommen, und weitere, besonders die Ukraine oder gar Russland oder Weißrussland stehen da potentiell vor der Tür. Die werden sich mit den alten Amtsstuben der Montanunion aus den Fünfzigern nicht zufrieden geben. Und außer dem Europäischen Parlament in Strasbourg ist da nicht viel hinzugekommen.



troetenharry männlich
aus köln (Nordrhein- Westfalen)
20. Aug 2012 16:51

re

> Die alten Administrationen von Straßburg und
> Brüssel werden irgendwann nicht mehr akzeptiert, fürchte
> ich.

Sie haben noch nie ausgereicht, wurden in den Bevölkerungen nie akzeptiert, ist nur ein Moloch, der sich selbst verwaltet. Und kostet.

Das ganze muß neu konstruiert werden. Das wissen auch alle. Aber keiner will irgendetwas aufgeben. Daher muß ein Chaos entstehen, damit etwas neues geschaffen werden kann.

Und wir sind vom Chaos nicht weit entfernt.



Golddrops weiblich
Julie
20. Aug 2012 19:22

re

> > Die alten Administrationen von Straßburg und
> > Brüssel werden irgendwann nicht mehr akzeptiert, fürchte
>
> > ich.
>
> Sie haben noch nie ausgereicht, wurden in den
> Bevölkerungen nie akzeptiert, ist nur ein Moloch, der sich
> selbst verwaltet. Und kostet.

Wie Jean-Claude Juncker die Politik der Brüsseler Republik erklärt:

"Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert" ... "Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."

Quelle



05. Dez 2012 14:55

Europa - ein vielschichtiger Begriff

Antwort auf wir und europa! von weiservogel

Europa - ein vielschichtiger Begriff

Leicht in den Mund genommen, doch was ist damit tatsächlich gemeint? Europa - geologisch, geographisch, demographisch, ethmologisch, politisch oder als wirtschaftlicher Sammelbegriff. Die Möglichkeiten sind vielfältig und da verwundert es nicht, wenn sich die Grenzen zwischen diesen plakativ genutzten Beschreibungen aufheben oder zumindest verwischen.

Frage mehrere "normale" Menschen was Europa denn eigentlich zu Europa macht - und Du erhältst die unterschiedlichsten Erklärungen.

Eine diffuse Vorstellung über Europa erschwert konsequenterweise die eindeutige Zuordnung oder Erklärung dieses Begriffs.
Und ein Politiker wird eine andere Antwort zum Besten geben, als etwa ein Wertpapierhändler oder ein Historiker.

Letztendlich ist Europa eine Fiktion, ein Traum. Eine Sehnsucht alles unter ein Dach zu bekommen. Die ewige Zerreißprobe zwischen Wirklichkeit und Anspruch.

Geschichte ist eine Interpretation von Informationen und Konzepten auf vielschichtige Ebenen. Was die eine Gruppierung als Erfolg und/oder Fortschritt preist, bewertet eine andere Gruppierung völlig anders. Unabhängig davon ob diese Gruppe sich über die Nationalität, die politischen Ideale oder rein geographisch definiert. Damit ist "Europa" bei den Völkern recht unterschiedlich mit Attributen versehen worden.

Bei diesen vielen Hindernissen kann ich mein gelegentliches Erstaunen nicht verhehlen, das "Europa" trotzdem irgendwie funktioniert.

Politisch ist Europa für mich ein totaler Fehlentwurf. Eine Vision, ohne großen Plan dieses Europa auch zu verwirklichen. Stattdessen allenthalben nur Stückwerk. Da bosselt einer ein wenig, dort werkelt ein anderer an jener Stelle vor sich hin. Und politisch wird auf den kleinsten Nenner eine Entscheidungen gefällt, getrieben in der Hoffnung das Modell Europäische Union darüber mal wieder um einen Millimeter weiter voran getragen zu haben. Ob die Richtung dabei aber stimmt, scheint dabei keinen zu kümmern. Oder was es uns Bürger kostet - und das nicht nur monitär!

Es fehlt die treibende Kraft. Eine über religiöse, nationale und politische Grenzen stehende Bewegung, die es versteht die Zielgruppe - also uns Bürger - dafür zu begeistern und die Trennungslinien die wir untereinander hegen auf eine gesunde Basis zurückschraubt.
Nur müsste hierzu das Konstrukt Europa, was wir kennen, komplett eingestampft werden. Doch das wird nicht geschehen. Weltweite wirtschaftspolitische Interessen würden dies verhindern. Aber auch so manch "einheimischer" Interessensverband verlöre damit seine Vorteile und Pfründe.
Und wir in Deutschland dürften doch mittlerweile erkannt haben, das die Wirschaft und nicht die Politik unsere Volksvertreter bestimmt welchen gesellschaftlichen Gesamtentwurf wir zu folgen haben.
Also wird weiter herumgedoktert, Milliarden an Steuergeldern in ein Schwarzes Loch geworfen und als Begründung das Stopfen des Loches als überlebenswichtig für Europa deklariert. Ob Berlin oder Staßburg ist letztendlich einerlei, hier werden eben höhere Ziele verfolgt, die wir kleinen, unbedarfte Bürger gar nicht erkennen können. Im Gegensatz zu den von Lobbyisten beratenen Politiker, die über die notwendige Fachkompetenz verfügen, solche Entscheidungen für uns zu treffen.

Eine Revolution ist nicht in Sicht, die dies alles hinwegfegen könnte. Ein weltweiter Wirtschaftskollaps wird verschleppt. Dabei wäre eine Welle von Staatsbankrotten durchaus wünschenswert. Die weltweite Blase der Wirschaftsspekulationen, die dann endlich platzten würde, könnte dies durchaus auslösen. Erst mit dem Zusammenbruch wird die Chance auf einen Neuanfang geboren werden können. Deprimierend, nicht wahr?!

Zuletzt eine Zeile aus einem deutschen Lied von H.R.K., das mir in den Sinn kommt zum Ende hin:
Weiter so Europa, Deine Zeit wird knapp ...

In diesem Sinne: Voll Dampf voraus!



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