24. Jun 2012 21:49 Holocaust oder Shoah - wo ist der UnterschiedHolocaust oder Shoah - was ist der Unterschied? Oder anders gefragt: Gibt es überhaupt einen Unterschied? Und wenn ja, welchen? Zu den beiden Begriffen: Holocaust (von griechisch ὅλος holos „ganz, vollständig“ und καῦσις kausis „Brand, Verbrennung“, für vollständiges Brandopfer), bedeutet in unserem (deutschen) Sprachgebrauch den nationalsozialistischen Völkermord an Juden, Zigeunern, sowie an Homosexuellen und oppositionellen Widerständlern gegen das Regime des Dritten Reiches. Allerdings sind diese Zuordnungen oftmals etwas uneinheitlich. Shoa (von hebräisch הַשׁוֹאָה ha'Schoah - ‚Unheil‘ oder ‚große Katastrophe‘; andere Transkriptionen Shoah, Schoah oder Schoa) hingegen steht (wie die Bezeichnung bereits sagt) ausschließlich für jüdische Opfer des Holocaust. Für diesen staatlich organisierten Massenmord im Dritten Reich werden in der Berichterstattung und auch in diversen Diskussionsforen wie beispielsweise hier im Spin beide Begriffe oft synonym verwendet, obwohl sie weder von der Wortbedeutung, noch von der betroffenen Opfergruppe her dasselbe aussagen. Wikipedia schreibt dazu:
Deshalb meine Verständnisfrage: Wo ist der Unterschied? Abgesehen von dieser Einleitung möchte ich aber diesem Thema nicht allzu sehr vorgreifen, sondern lieber eine (bitte unpolitische!) Diskussion darüber anregen, was ihr persönlich mit diesen beiden Begriffen verbindet, was sie für euch aussagen, sowie auch die Frage, wo und wie ihr sie selbst verwendet. Für einen (hoffentlich) guten und aufschlußreichen Diskussionsverlauf zu diesem "Reizthema" meinen besten Dank im Voraus! |
24. Jun 2012 23:33 also...Na, das ist doch mal eine schöne Diskussion :) |
24. Jun 2012 23:42 reWir trennen dann Apfelsinen von Orangen. Semantisch _meinen_ beide Begriffe im Regelfall ein identisches historisches Ereignis. |
25. Jun 2012 00:31 reFür viele Juden ist es nicht passend, weil Holocaust eigentlich ein rituelles Tier- oder Menschenopfer beschreibt, also etwas religiöses 1, was die Schoah ja nicht war und was das ganze Ereignis ja auch total verzerrt. Ein anderer Grund ist vielleicht das für Ivrit-Sprecher Holocaust ein Fremdwort ist, oder das es früher für viele Ereignisse benutzt wurde, wie z.B. Pogrome gegen Juden im Mittelalter oder die Zerstörung des Tempels in Jerusalem, oder für Dinge die gar nicht Juden, sondern ganz anderen passiert sind. Erklärung von Yad Vashem
Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass jemand anfängt mit dir zu streiten, wenn du das eine oder das andere Wort benutzt. Ich würde darüber einfach gar nicht soviel nachdenken. ich glaube auch nicht das jüdische Gelehrte so wie Cacahuate sagt, besitzergreifend mit dem Wort umgehen. Sie bestehen vielleicht selbst darauf, aber ich glaube nicht, dass sie andere dazu zwingen das Wort zu benutzen. Man kann ja trotzdem seine Meinung sagen, dass man das Wort Schoah richtiger und besser findet als das Wort Holocaust. Ob anderen das egal ist oder nicht, müssen die ja dann entscheiden. |
25. Jun 2012 00:46 Inhalte
Das halte ich für ein ziemlich schlechtes Beispiel, denn Apfelsinen und Orangen haben bekanntlich exakt denselben Inhalt.
Das Ereignis ist nur die semantische Hülle, die Inhalte hingegen sind hier verschieden. Außerdem: Welcher "Regelfall?" Wo gibt es diese Regel, wer hat sie wann erstellt? |
25. Jun 2012 10:21 Denotat und KonnotatAntwort auf re von noknokwho'sthere >>>Sie bestehen vielleicht selbst darauf, aber ich glaube nicht, dass sie andere dazu zwingen das Wort zu benutzen. Man >>>kann ja trotzdem seine Meinung sagen, >>>dass man das Wort Schoah richtiger und besser findet als das Wort Holocaust. Ich glaube, da ist keines von beiden "richtiger" oder "besser". |
25. Jun 2012 10:31 Hülle>>> Das Ereignis ist nur die semantische Hülle, die Inhalte hingegen sind hier verschieden. Nein ! Die Inhalte sind nicht verschieden. Nur die Einstellung des Sprechers zum Inhalt ändert sich (in dem Falle geringfügig). |
06. Aug 2012 11:00 reAlso für mich klingt Shoa immer irgendwie mehr oder weniger nach dem Leid der Juden. Ich finde es besser den Begriff Holocaust zu verwenden, eben weil ich das als umfassender empfinde. |
06. Aug 2012 16:37 ReligionenDas Holocaust-Gedenken ist zu einer Art Religion geworden. |
06. Aug 2012 18:04 reTja - es wird immer wieder auch Juden geben, die sich zum Kronzeugen des Antisemitismus machen. |
06. Aug 2012 19:25 reIch find den Umgang mit dieser Zeit sowieso nicht so toll. |
06. Aug 2012 20:34 reNun stellen wir uns mal vor Christ wäre so definiert wie Jude. Also als automatische Abstammung. So und nun werden - innerhalb von 12 Jahren - 937.500.000 von diesen Christen ermordet. Über 900 Millionen - Alle Europäer und bis zum Ural und 250 Millionen Amerikaner. Ausgerottet auf Leichenberge geschmissen zu Seife zermahlen. Dann hast Du die Relation des Traumas. Es sind 37,5% _aller_ Juden ermordet worden. |
06. Aug 2012 21:59 Danke>>> Schoa) hingegen steht (wie die Bezeichnung bereits sagt) ausschließlich für jüdische Opfer des Holocaust. Danke für den Beitrag. Habe bisher lediglich die eine Variante für die englische, und die andere für die hebräische gehalten. Der semantische Unterschied ist sicher wenig bekannt. |
07. Aug 2012 09:25 Gedenken> Ich finde auch, dass der Begriff Shoa irgendwie Zu DDR-Zeiten gab es in diesem Zusammenhang den Begriff der 'Opfer des Faschismus'. Straßen und Parks waren danach benannt. Zu Feiern an Gedenktagen traten die entsprechenden Interessengruppen mit Kränzen und Gebinden auf und gedachten in ihren Reden derer, die sie vertraten. Ich halte solche Art von Ehrungen und Gedenken für realistischer, anstatt sich noch nach siebzig Jahren mit verklausulierten Begrifflichkeiten um die Vermarktung der eigenen Leichen zu streiten. |
07. Aug 2012 10:43 reSchämenswert? Vermarktung? Ah ja. Es ist notwendig zu differenzieren, wenn man wieder gut machen will. Und das was hier durchgezogen wird ist der allerletzte Dreck, wie Deutschland mit diesem Thema umgeht. |
08. Aug 2012 02:16 re> Ich finde auch, dass der Begriff Shoa irgendwie Das könnte auch beabsichtigt sein. |
08. Aug 2012 02:20 was?> Und das Was ist es, das das dreckigige Durchziehen ausmacht? |
08. Aug 2012 02:27 Hineinsteigern> Über 900 Millionen - Alle Europäer und bis zum Ural und Ich finde, wir sollten bei der Realität bleiben und uns nicht in zum Zwecke des Dramatisierens in nutzlose Gedankenspiele hineinsteigern. Man kann auch in normaler Sprache und ohne schrille Vergrößerungen sagen, was man meint, falls man ihrer mächtig ist. |
08. Aug 2012 12:02 Durchziehen>>> Was ist es, das das dreckigige Durchziehen ausmacht? Nicht eigentiches Lügen. |
08. Aug 2012 12:13 RE:bei Weglassungen und Überhöhungen waren doch die KZ Gedenkstätten in der DDR "Weltklasse".... ich verstehe also deine Aufregungen hier nicht... kann es sein dass es Leuten wie dir nicht passt dass nun auch auf weiterführendes Unrecht in solchen Gedenkstätten wie Buchenwald und Sachsenhausen deutlich aufmerksam gemacht wird? http://www.stiftung-bg.de/gums/de/index.htm ich persönlich finde es gut dass in diesen Gedenkstätten auf die verschiedenen Epochen menschlichen Leids aufmerksam gemacht wird.... denn all diese Epochen hat es gegeben und keine darf vergessen werden! |