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25. Jan 2012 00:08

Friedrich


agricola männlich
aus Berlin (Berlin)

was den nun der Grosse weswegen? weil er Glück gehabt hat, weil drei Frauen die gegen ihn standen nach einer sonst katastrophalen Niederlage, sich uneins, oder in der Sache nicht mehr interessiert waren????? War er ein Mörder, als Kriegsherr??? war er der von unser Gesellschaft zu seinem 300 Geburtstag protegierte deutsche Siegfried des 17`Jahrhunderts.



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25. Jan 2012 07:51

re


liserl23 weiblich
spin.de VIP
elisabeth aus zwischen Regensburg und Passau (Bayern)

auf alle Fälle hat er die deutsche Geschichte ganz wesentlich beeinflusst.
Was wäre geschehen, wenn ihn als junger Mann die Flucht nach England zum Onkel gelungen wäre?
Na, vielleicht wird es auch überschätzt, ein anderer Preußenkönig hätte an seiner Stelle die Armee des Soldatenkönigs eingesetzt um sich Land von den Österreichern zu holen.
In Bayern war er ja nie populär, er sagte ja mal was von wegen, dass es nirgendwo in Deutschland so wenig Geist gebe wie in Bayern.



25. Jan 2012 08:12

re

Antwort auf Friedrich von agricola

Friedrich war kein Deutscher, sondern ein Preuße. Sein Militarismus kostete sehr viele Menschenleben und legte den Grundstein für die dauerhafte Besetzung der deutschen Länder durch die Preußen, die bis heute anhält und uns in zwei Weltkriege gestürzt hat.

Er legte den Grundstein für die preußische Hegemonialmacht, die die Revolution von 1848 nieder warf und ihren König und seine degenerierten Erben zu Kaisern von Deutschland machte.



25. Jan 2012 18:59

Wie hat doch


agricola männlich
aus Berlin (Berlin)

der Grafiker und Kunstakademie-Präsident Klaus Staeck schon gesagt.....Der Feldherr und Despot ist nicht des Gedankens wert..... Aber es ist ja bekannt das Steack alles militärische als Selbstzweck mit Verachtung zollte. Natürlich auch den Kadavergehorsam und Untertanengeist. Das Militärische, der Gehorsam und der Untertanengeist widerspricht das aber nicht einer lebensphilosophischen Aussage von Friedrich II. Nehmen wir doch seinen berühmten Ausspruch.......Jeder soll nach seiner Fasson selig werden........Also doch auch ein klarer Auftrag an eine freie Gesellschaft und damit auch ihrer Politik. Allerdings scheiden sich hier schon die Geister denn kann es einen toleranten Kriegstreiber geben.

Es ist schon komisch, das Potentaten die viel Elend über ihr Land oder die Welt gebracht haben nach zig - oder hunderten von Jahren wieder Ehrenvoll ausgegraben werden damit sich das ehemals geknechtete Volk nun mit diesen schmückt.

Wo finden wir den in Deutschland nicht eine Stadt die keine Wilhelmstrasse hat. Benannt nach Kaiser Wilhelm dem Kriegstreiber und Verschwender von unzähligen deutschen Soldatenleben. Es gibt noch unzählige an der Beispiele von Napoleon bis Stalin.

Warum beginnen wir nach geraumer Zeit diese Elendsverteiler nun zu glorifizieren. Wahrscheinlich wird es in 100 Jahren auch wieder einen Adolf Hitler Platz und eine Heinrich Himmler Str. geben. Weil der eine Arbeitslosigkeit beseitigte und schöne Autobahnen bauen ließ und der andere für die ideologische Blutwäsche des deutschen Volkes eintrat.

Unter welchen Gesichtspunkten ist es also gerechtfertigt nun den 300 Geburtstag von Friedrich II pompös zu feiern.?



29. Jan 2012 18:42

re

troetenharry männlich
aus köln (Nordrhein- Westfalen)

Die Kaiser des Mittelalters bis in die "Neuzeit" waren in erster Linie Krieger, Eroberer. Es gibt da nur wenige Ausnahmen.

Auch Friedrich war ein Kind seiner Zeit. Deutschland bestand nur auf dem Papier, jeder kleine Fürst war auf sich gestellt. Erobert wurde durch Heirat oder durch Gewalt. Nur der Stärkere hat recht.

Daß er selbst eine komplexe Persönlichkeit war, ist bekannt. Sein Vater hat das Herzogtum Preussen, das ihm durch Erbschaft gehörte, auf Polen heraussondern lassen und als eigenes Königreich ausrufen lassen. Friedrich erbte einen kleinen, zerrissenen, nicht reichen Staat mit viel Militär, auch den Ausgaben für dieses.

Die paar Reformen, die er ausrief, waren damals ungewöhnlich. Schulpflicht, Religionsfreiheit (Juden:Sonderrechte) Staatsbedienstete, Beamte, Landwirtschaft (Kartoffel), Odersumpf-Entwässerung, u,a.

Geistesfreiheit galt eigentlich nur für ihn, sprach kaum deutsch.

Er war, vielleicht durch seine Jugenderlebnisse geprägt, ein Hasadeur, kein Militär. Er hat mehrfach alles aufs Spiel gesetzt und Glück gehabt. Zum "Grossen" hat er sich selbst auf den Strassen der Städte ausrufen lassen.

Meines Erachtens hat er nur durch Glück gewonnen. Die weitere Entwicklung konnte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausmahlen.
Es gab wichtigere Persönlichkeiten für Deutschland.

Daß wir ihn heute feiern - seit dem Mittelalter gab es keine starken deutschen Persönlichkeiten mehr. Da ist wohl eine gewisse Sehnsucht der Grund.



29. Jan 2012 21:15

oh, oh...

> seit dem Mittelalter gab es
> keine starken deutschen Persönlichkeiten mehr.

... das ist ja mal eine sehr gewagte Aussage. An was machst du denn "stark" aus, um sowas behaupten zu können?



30. Jan 2012 07:33

Philosoph und Kriegsherr

Antwort auf Wie hat doch von agricola

Friedrich der Große war ein preußischer König mit ungwöhnlichen Ambitionen in seiner Zeit. Er sah sich selbst als ersten Diener des Staates Preußens. Er gewährte im damaligen Europa seinen Untertanen Priviliegien, die andere absolutistische Monarchien nie und nimmer zugelassen hätten. Zugegeben, einige dieser Freiheiten, hat er später wieder zurückgenommen oder letztendlich nie gegen den eigenen Adelsstand durchsetzen können (Pressefreiheit oder die Aufhebung der Leibeigenschaft), aber die Impulse die durch seine Regierungsgeschäfte sich in Staat und Gesellschaft daraus ergaben, lieferten dem damaligen Preußen einen positiven Schub und zudem ein jurisitisch allgemeingültiges Fundament.

Die preußischen Tugenden (Disziplin, Ordnung, Pünktlichkeit und Fleiß) sind erst in viel späteren Jahren und von anderen Interessengruppen umgedeutet und mißbraucht worden. In welchem Heer hätte ein General, der sich gegen den Willen seines Königs gestellt hatte, zur Zeit Friedrichs II. und darüberhinaus in Kriegszeiten nicht schwerwiegenden Konsequenzen für sich und seine Familie gegenwärtigen müssen? In Preußen wurde so etwas nicht gestraft. "Ich habe Generäle, die befehlen sollen und mir nicht am Rockschoß hängen." Das ist ein für uns befremdlicher Blick auf den preußischen Militarismus, nicht wahr? Haben wir nicht alle in der Schule gelernt das die Preußen blinden Gehorsam und Gefolgschaft beim Militär erwarteten? Für den einfachen Soldaten ist das durchaus gelebter Alltag gewesen, doch die preußischen Offiziere wurden in den eigens dafür geschaffenen Kriegsschulen nicht nur auf die Gräuel des Krieges vorbereitet, sondern auch dahingehend unterwiesen, das nicht jedem Befehl sklavisch gefolgt werden müsse.

Preußen war kein territorial einheitlicher Staat, sondern glich eher einem Flickenteppich. Im Deutschen Reich war Wien die tonangebende Stadt. Dort residierte auch der deutsche Kaiser Franz I. Stephan. Als der nun starb und sich nun empörenderweise seine Ehefrau Maria Theresia anschickte die kaiserliche Macht zu übernehmen, sah Friedrich Preußens Chance auf Landraub (Schlesien) zu gehen. Er unterschätze damit die Habsburgerin, die geschickt ihre Widersacher außen- wie innenpolitisch kalt stellte und energisch gegen Preußens Annexion des österreichischen Besitzes vorging. Das hätte das Ende Friedrichs, des Preußens, bedeuten können. Doch mit einem unglaublichen Glück gesegnet überstand Friedrich nicht nur die militärische Niederlage, die seine Gegner nicht zur Kenntnis genommen hatten, er etablierte seinen Staat als fünfte Supermacht, neben Österreich, Russland, England und Frankreich, auf dem europäischen Kontinent. Und konnte obendrein das geraubte Schlesien behalten!

Als Folge davon verlor Habsburg und damit der Kaiser in Wien die Dominaz im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Die kleinen deutschen territorialen Staaten waren nunmehr zu Schachfiguren zwischen Berlin und Wien verkommen. Die daraus resultierende Bünde und Bündnissse waren die Wegbereiter eines künftig geeinten deutschem Reiches und den damit späteren erfolgtem Ausschluß Österreichs.

Rückblickend ist es immer einfach einen Menschen zu kritisieren. Friedrich ist da keine Ausnahme. Nur, betrachten wir uns den gleichen Menschen zu seinen Lebzeiten, so ändert sich nicht nur die Perspektive sondern auch die Gewichtung nach der wir urteilen. Er hat aus Preußen, das über keine eigenen nenneswerte Ressourcen verfügte, ihn in seiner Monarchenzeit zu einem führenden Staat im europäischen Konzert der Mächte etabliert. Er hat die militärische Maschinerie, die sich Preußen leistete, zunächst als Machtmittel zum Raub, später als politische Waffe gebraucht. Die im Krieg zerrütte wirtschaftliche Grundlage seines Staates konsoldierte er und legte die Weichen für die Zukunft seines Volkes.

Ein erstaunlicher Weg, den ein kaum lebensfähiges Baby und später mit einer schiefen Schulter gesegneter Knabe, als den Künsten zugewandten Jüngling und später weltoffener Mann, hinlegte. Seine letzen Lebensjahre verbrachte er vereinsamt und zynisch geworden, aber immer noch emsig die Pflichten als erster Diener des Staates versehend.
In ihn vereinigt sah man sowohl den Philosophen und den Kriegsherrn. Eben ein recht widersprüchliche, doch überaus erfolgreiche Person.

Die Menschen seines Jahrhunderts betrachteten Friedrich II. entweder mit Abscheu oder mit Bewunderung, doch keiner kam umhin seine Leistungen zu würdigen. Ihm war ein unglaublicher Coup in "kurzer" Zeit gelungen. Dieser Machtzuwachs war einzigartig. Erst Napoleon sollte ihn darin übertreffen können.

Aus dieser Sicht ist die Bezeichnung Friedrich der Große sicherlich zutreffend. Oder würdest Du auch Alexander den Großen den Titel aberkennen wollen?

Seinen Geburtstag zu feiern? Warum denn nicht? Sicher, Friedrich II. war Preuße und wäre empört gewesen bezeichnete man ihn nicht als solchen, sondern als Deutschen. Doch gerade für uns Deutsche ist er eine geschichtliche Identifikationsfigur. Und auch das Ausland nimmt es mit der Zuordnung nicht so genau. Der Preußenkönig ist Deutscher, Punktum.

Was uns allerdings dabei nicht aus dem Auge kommen sollte, sich bei aller Feierlichkeiten, auch die dunklen Seiten dieses großen Preußens zu vergegenwärtigen.

Friedrich II. wäre dieses Brimborium höchstwahrscheinlich mehr als zuwider gewesen, welches nun um seine Person veranstaltet wird.



30. Jan 2012 09:59

re

troetenharry männlich
aus köln (Nordrhein- Westfalen)
Antwort auf oh, oh... von Cacahuate

Starke Persönlichkeit - in diesem Zusammenhang - sind m.E. die Herrscher, mächtige Frauen und Männer der Zeit, die in Erinnerung geblieben waren, von denen in den Schulen gelehrt wurde. Personen, die eine Identifikation vermitteln konnten zum Gefühl einer Nation. Personen einer Ära, die später glorifiziert wurde.

Da war soviel seit Karl V. nicht mehr gewesen. Alle anderen Staaten waren Zentralstaaten, in Deutschland kochte seit Jahrhunderten jeder sein eigenes Süppchen. Deutschland war ein Land, aber kaum eine Nation.

Die nationalen Bestrebungen kamen nach Friedrich. Heute will man Friedrich in eine Reihe stellen mit den Personen, die diese Nation ausmachen sollen.



30. Jan 2012 13:50

In der Kürze

liegt die Würze. Fakten,Ansichten, Be-und Verurteilungen, Schöngeredet .

Aber der zentrale Satz..........Rückblickend ist es immer einfach einen Menschen zu kritisieren............lässt fast immer keine andere Möglichkeit zu.

Zum einen; wenn ein Fürst oder sonst ein Potentat zu seinen Lebzeiten kritisiert oder angefeindet wurde, dann hatte der Kritiker doch nur noch schnell um sein Leben laufen können. Wir kennen diese Beispiele ja auch aus der Literatur. Schiller, ( Die Räuber ) Heinrich Heine, ( Deutschland ein Wintermärchen) Heinrich v. Kleist ( Michael Kohlhaas ) usw.usw.usw.

Zum anderen kommen immer erst nach dem Tod eines Potentaten Hintergründe u.a ans Licht der Öffentlichkeit. Im Grunde genommen hat dies immer dazu geführt lieber erst einmal wegsehen,weghören und die Klappe zu halten. das wurde durch die Herrschenden auch immer gefördert und auch gefordert.Unleugbar ist das F.R. Elend, Leid und zig tausend Tote zu verantworten hatte. das ging ihm aber wohl am Glutealmuskel vorbei. Denn es war ja alles seins und steht damit im krassen Gegensatz zu seinen sozialen und liberalen Ansprüchen.



30. Jan 2012 17:50

Friedrich

troetenharry männlich
aus köln (Nordrhein- Westfalen)

Denn es war ja alles seins und
> steht damit im krassen Gegensatz zu seinen sozialen und
> liberalen Ansprüchen.


Er war m.E. weder liberal noch sozial eingestellt. Seine Ansprüche waren vielleicht auf intelektueller Linie. Er war totalitär und nutzte die Instanzwege des Militärs. Er war skrupellos. Seine -wenigen - Änderungen, wie bekannt, hatten keine direkten Auswirkungen.



30. Jan 2012 19:03

Eine Erwiderung ...

Antwort auf In der Kürze von dummie

Ich möchte hier nichts schön reden. Wo viel Licht, da auch viel Schatten.
Doch Friedrich II. ist ein widersprüchlicher Charakter. Der sich beharrlich weigern wird in eine Schublade zu passen.
Ihn pauschal als Schlächter und Unterdrücker darzustellen wäre nicht korrekt. Und ihn mit Schlagwörtern abzutun wäre meines Erachtens nicht gerecht.

Das der Preußenkönig für den Tod von Zigtausend Menschen verantwortlich gemacht werden kann ist nicht zu bestreiten. Aber die Kriege die er führte waren motiviert von dem Ausbau und der steten Festigung seines zerbrechlichen Staatsgebildes, dabei nahm er die Gelegenheiten wahr, die sich ihm seinerzeit als lohnender Gewinn anboten. Damit handelte er genauso, wie schon andere Monarchen vor und auch nach ihm agierten. In dieser Beziehung war er ganz kühl kalkulierender Machtmensch. Wenn die Diplomatie versagte, sprachen eben die Waffen, um das gesetzte Ziel zu erreichen.

Friedrich war König, mochte diese Aussicht ihn in seinen jungen Jahren noch mit Grauen erfüllt haben. Einhergehend mit dieser Rolle konnte er als Herrscher aber doch einige Dinge in Bewegung setzen, die andere Personen oder Stände in dieser Weise niemals vermocht hätten. Und er hat es tatsächlich gewagt in seinem Herrschaftsbereich Änderungen nicht nur zu zulassen, sondern diese auch selbst erst in Gang gesetzt zu haben. Er ging sogar so weit seinen eigenen Beamten zu mißtrauen und diesen zu verdächtigen mit Standesdünkel behaftet zum Nachteil des einfachen Standes zu handeln.

Doch vergessen wir auch nicht die Rolle des Adels in Preußen. Ein Monarch, der gegen die Interessen des Adelsstandes handelte, konnte sich auf Dauer nicht halten. Das setzte eine gewiße gegenseitige Rücksichtnahme im Umgang miteinander voraus, die den jeweiligen Status der Parteien ausbalancieren half. Offiziere in der preußischen Armee waren fast ausschließlich Angehörige irgendeines Adelsgeschlechts. Und die preußische Armee war der Machtfaktor im Staate schlechthin. Nicht umsonst kam später der Spruch auf: "Manche Staaten leisten sich eine Armee, die preußische Armee leistet sich einen Staat."

Friedrichs Verhältnis zu seinen Mitmenschen war zutiefst gespalten. Als Monarch war er umgeben von Menschen, die auf die eine oder andere Weise ihren Profit aus seiner Nähe zu ihm zogen. Zeitweise Vertraute um sich, aber keine freundschaftliche Bindungen, die die Jahre unbeschadet überdauert hätten - die Ausnahme bildete General Hans Karl von Winterfeldt bis zu seiner tödlichen Verwundung 1757 in Görlitz nach einer Schlacht und Generalfeldmarschall James Francis Edward Keit. Dieser hatte ebenfalls 1758 in Hochkirch nach einer Schlacht den Tod gefunden. Beide konnten eine freundschaftlich Beziehung über 10 Jahre hinweg mit ihrem Souverän immerhin aufweisen.

Nun betrachte man nur seine "zivilen" Beziehungen, etwa die zu Voltaire. Beide recht eigenwillige Charaktere, die zunächst Bewunderung füreinander hegten. Es sich doch nicht verkneifen konnten in Abwesenheit des einen, hinter dessen Rücken über ihn herzuziehen oder Stichelein in die Gespräche mit einfließen zu lassen. Zwei Jahre kamen sie im persönlichen Umgang miteinander aus (die Potsdamer Jahre). Doch letzendlich zogen sie es vor aus der sicheren räumlichen Distanz miteinander umzugehen.

Weiterhin eine Frau, die er aus Pflichtgefühl ehelichte, um dann diese, nachdem er König geworden war, wie angekündigt, stracks aus seinem Leben zu verbannen.

Genauso distanziert war im übersteigerten Maße auch sein Verhältnis zum einfachen Volk. Ein notwendiges Übel, das sich jedoch seiner besonderen Aufmerksamkeit sicher sein konnte. Denn Arbeitskräfte waren in Preußen schon immer Mangelware gewesen. Ohne Arbeiter gab es keine ausreichenden Steuereinnahmen und der stete Nachschub an billigen Rekruten für die Armee unterblieb.

Die Bürgerschaft und die Großgrundbesitzer benötigte er als nützliche und unentbehrliche Wirtschaftsfaktoren, ansonsten hielt er zu dieser Klasse ebenfalls auf Distanz.

Kritik am Staat oder am König selbst waren nach damaligen Verständnis nahe einem Verrat anzusiedeln, wenn nicht gar gleichzusetzen und wurden meist auch drakonisch geahndet. Doch Friedrich II. handelte hier entgegen den gängigen Gepflogenheiten.

Zeitungsverleger oder Verfasser von Artikeln, die unliebsame Aufmerksamkeit auf sich zogen, wurden nicht, wie üblich hingerichtet oder mit Kerkerhaft bestraft. Im günstigsten Fall wurden sie von ihm einfach ignoriert. Und wenn er sich doch genötigt sah, seine gewährte (bedingte) Pressefreiheit, einzuschränken, so doch mit unblutigen Mitteln. Ein Gerichtsverfahren, eine Geldbuße und/oder ein zeitweise ausgeprochenes Schreibverbot, verschärft durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit des Verurteilten (seinem Haus oder seinem Wohnort), reichten ihm da aus.

Lediglich der Zeitungsverleger Jean Ignace Roderique brachte mit seinen Veröffentlichungen den preußischen König in derartige Wallungen, das er ihn auf offener Straße am 13. April 1741 in Köln durch einen von ihm angeheuerten Schläger verprügeln ließ. Dieser hatte die österreichischen Siege überzeichnend dargestellt und dafür Preußens militärische Erfolge im Schlesischen Konflikt gänzlich in seinem französisch sprachigem Blatt unterschlagen. Prügel also für die Schmähung Preußens und nicht für einen gegen den preußischen König gerichteten journalisitischen Angriff.

Folterungen unter Friedrich II. waren als gerichtliches Verfahren verboten - Ausnahme Mord bzw. Mordversuch an der Majestät selbst. Die Pressezensur galt nur für politische Veröffentlichungen. Einmalig in Europa.

Das war im Verhältnis zu anderen deutschen oder europäischen Staaten ein erstaunlich gezeigtes mildes Vorgehen mit Kritikern. Friedrich II. buhlte zeitlebens nicht um die Gunst des einfachen Volkes. Er sei nicht da, um vom Volk geliebt zu werden, sondern um es zu regieren. Ihn ging es nicht um Liebe oder Bewunderung, er erwartete Respekt.

Menschenansammlungen waren ihm recht unangenehm, die Ausnahme bildete allerdings das preußische Heer. Friedrich II. inmitten seiner Soldaten, am liebsten mit seiner Langen Garde. Da war keine Zurückhaltung mehr zu erkennen gewesen.
Preußische Soldaten waren derbe, lärmende und in vielen deutschen Dialekten sprechende Kerle. Friedrich II. bewunderte dagegen Frankreich und dessen Kultur, sprach selbst vorwiegend französisch und war den schönen Künsten zugeneigt. Vermied es zudem in deutscher Sprache Konversation zu betreiben.

Und doch fühlte er sich unter diesen Menschen, seinen Soldaten, wohl. Ob in der Garnison oder im Feldlager. Stürmte gar im Krieg gemeinsam mit seinen Truppen in vorderster Linie auf die feindlichen Linien zu - welch seltsames Bild für einen europäischen Monarchen zu dieser Zeit. Friedrich II. zeigt hier wieder seine recht widersprüchlichen Ecken und Kanten.

Die Aufklärung, das sollte berücksichtigt werden bei der Beurteilung Friedrichs II., war ein intellektuelles Gedankenspiel. Die darin postulierten Grundsätze waren kein allgemein verbreitetes Gedankengut in allen Gesellschaftsebenen der Staaten Europas.
Und in diesen europäischen Salons wurde nach einer Musikvorführung oder einer Dichterlesung bei einem guten Schluck und ein ebensolches Pfeifchen Tabak schmauchend heftig untereinander darüber debattiert. Das Bildungsbürgertum steckte da noch in den "politischen" Kinderschuhen und versuchte sich zaghaft an der Kunst der Quadratur des Kreises.

Einem Tagelöhner, einem Landarbeiter oder Fischer hätten diese Reden ehedem nicht interessiert, dafür war sein Arbeitsalltag zu hart. Unnützes Reden verschafft einem zu keinem vollen Magen. Und des Lesens mächtig waren, trotz von Friedrich gestifteten Schulen, die wenigsten einfachen Menschen in Preußen. Das lag auch nicht unwesentlich an den dort eingesetzten Lehrkräften. Meist ehemalige Unteroffiziere der preußischen Armee, die selbst kaum als gebildet bezeichnet werden konnten. Bildung war damals eben eine Frage der finanziellen Mitteln.

Wir modernen Deutschen hätten uns in dem Staat Preußen sicherlich nicht wohl gefühlt. Doch die damals gewährten Freiheiten und Privilegien waren Grund für Neid und Bewunderung außerhalb des preußischen Staates und zogen entsprechend viele Menschen an.
Preußen konnte irgendwann aufhören teures Geld für Werber in den Nachbarländern auszugeben. Alleine durch die offensichtliche Anziehungskraft Preußens und das Ansehen des Königs Friedrich II., strömten die Einwanderer in sein Reich, in dem sie sich eine freiere und bessere Zukunft versprachen, die sie sich doch in ihrer alten Heimat keineswegs erhoffen durften.

Insofern hebt sich Friedrich II. von den anderen Fürsten oder "Potentaten" seiner Epoche angenehm ab.



30. Jan 2012 19:38

Im grossen Ganzen


agricola männlich
aus Berlin (Berlin)

aber .....Ihn pauschal als Schlächter und Unterdrücker darzustellen wäre nicht korrekt. Und ihn mit Schlagwörtern abzutun wäre meines Erachtens nicht gerecht...... was den Adel angeht, was ist da schon gerecht, oder korrekt . Ausserdem eine kleine Portion Provokation belebt die Diskussion .



31. Jan 2012 10:51

Folter

troetenharry männlich
aus köln (Nordrhein- Westfalen)
Antwort auf Eine Erwiderung ... von jamuga

Die"peinliche Befragung" (es galt kein Indizienprozeß, man brauchte das Geständnis) hat Friedrich aufgehoben, aber er hat die Prügelstrafe forciert , sie war in Preussen erziehungstauglich und -bestimmend, gehörte zum Alltag bis in die 60-er des letzten Jhds.



01. Feb 2012 08:02

Indizien und Prügel

Es galten durchaus auch Inizien bei gerichtlichen Prozessen, die bei der Urteilsfindung beachtet werden mussten und dazu auch beitrugen, so lange diese von glaubwürdigen Zeugen unterstützt wurden. Es gibt sogar einige persönliche schriftliche Anweisungen Friedrichs II. an seine Justitzbeamten als Beleg hierfür. Nach seiner Aussgae wäre es ihm lieber 100 Schuldige kämen eher frei, als das ein Unschuldiger verurteilt würde. Nur gab es nie reine Indizienprozesse in Preußen. Insofern muss ich also meine Aussage damit einschränken.

Tja, das mit der Prügelstrafe stimmt leider. Da gibt es nichts daran zu deuteln. Nur war diese Art der Bestrafung in seiner Zeit durchaus üblich. Ziemlich barbarisch aus unserer heutigen Sicht, doch alltägliche und gängige Praxis. Die Bevölkerung hätte unsere humane Sichtweise des Strafsystems sowieso eher befremdet. Da war man Hunderte von Jahren eine ziemliche harte Gangart durch die Obrigkeiten gewohnt und hatte damit eher eine ziemlich rohe Haltung dazu eingenommen.
Und plötzlich gab es für wirklich jeden innerhalb Preußens die Möglichkeit vor ein Gericht zu ziehen und ein gerechtes Urteil zu erhoffen. Eine ungeheurliche Neuerung. Falls das gefällte Urteil unbefriedigend ausfiele, so stand immer noch die Eingabe einer Protestnote bei Friedrich II. als letze Option offen.
Tatsächlich kümmerte sich der König höchstselbst um diese Vorgänge. Ein ziemlich ungewöhnliches Verhalten für einen Monarchen. Das seine Richter jedoch zwang nicht allzu sehr vom Pfad der jurisitischen Vorgaben abzuweichen. Der Alte Fritz konnte ziemlich rabiat werden und keiner war daran gelegen dessen Unmut zu erregen, gar seine gehobene Stellung, sein Beamtentum aufs Spiel zu setzen. Da er sich nicht selbst schonte im Dienste Preußens, erwartete der König das gleiche von seinen Untergebenen.



01. Feb 2012 14:38

Bedeutung von Macht und Reformen

Lillyus männlich
Hans-Joachim aus Triptis (Thüringen)
Antwort auf re von troetenharry

Ich bin gewiss kein sonderlicher Freund von sr. Majestät und seine Kriege, Siege oder Niederlagen sind mir zwar halbwegs bekannt, interessiern mich aber eigentlich nur insoweit, wieviel menschliches Leid, grausame Schmerzen und Demütigungen damit verbunden waren.
Das allerdings hatte er mit allen Despoten seiner Zeit gemeinsam und es ihm extra posthum vorzuwerfen, halte ich für ein wenig überzogen, denn im Gegensatz zu den meisten seiner Kontrahenten - es seien nur die betrachtet, die sich sozusagen mit ihm so etwa "auf Augenhöhe" befanden - hat er immerhin einige Reformen zuwege gebracht, die für die Zeit sogar recht gut waren (leider gibt es auch heute noch eine Reihe von Personen, die dies nahtlos auf die heutige Welt übertragen wollen, darunter leider 'Gottes' auch etliche so genannte Politiker, Pädagogen, "Landwirtschaftlich-Industrielle"; die Militärs sehen wohl eher einen gewissen Mr. Gates als 'Heiland', ...).

Lasst ihn nach nunmehr über 200 Jahren in Frieden ruhn, er war (bekanntermaßen) zeitlebens nie ein sonderlich glücklicher Mensch gewesen, hat viel getan, um dies zu kompensieren und ein kleiner Funke Vernunft ist doch übriggeblieben - den freilich keiner seiner Nachfolger verfolgt hatte, die hatten sich lieber auf spektakuläre Siege berufen also die Seite Friedrichs, die - zumindest aus meiner Sicht - nicht sonderlich 'empfehlenswert' ist ... .

Lillyus



09. Feb 2012 12:18

In erster Linie

Antwort auf Friedrich von agricola

war er ein latenter Homosexueller, der sein ganzes Leben lang seine vermeintliche Abnorm zu kompensieren versuchte. Das geht meistens schief, wobei leider nicht nur der Kompensator Schaden erleidet. Im schlimmsten Fall kann das schon auch mal fünfzig Millionen Tote bedeuten.



09. Feb 2012 13:44

Falsch, absolut Falsch


agricola männlich
aus Berlin (Berlin)

Friedrich hatte seit frühester Jugend eine Genitalanomalie diese hat auch dazu beigetragen das er, obwohl später verheiratet, sich schämte sich auch gegenüber seiner Gattin zu entblössen oder eheliche Pflichten zu erfüllen. Die wissenschaftliche Welt die sich mit Leben und Werk Friedrichs beschäftigte und noch beschäftigt sind hier einhellig einig das er keine homoerotischen Neigungen hatte.



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