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: Unterschied zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg
Adept ♂
Martin aus Niedersachsen
12. Dez 2010 21:13

Unterschied zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg

Mein alter Vermieter starb Ende letzten Jahres im gesegneten Alter von 96 Jahren. Wir saßen öfter zusammen, wobei er mir erzählte, dass sein leiblicher Vater als Kriegsversehrter im Rollstuhl sitzend aus dem 1. Weltkrieg heimgekehrt sei. Er habe ihn, den kleinen Jungen, oft genug zu sich gerufen, um ihn aus nicht nachvollziehbaren Gründen zu verdreschen.

In Berichten zum ersten WK hieß es, dass die Soldaten in den Grabenkämpfen unmenschlichen Belastungen - u. a. Giftgasangriffen ausgesetzt waren. Der Stellungskrieg bedeutete, dass die Soldaten unter ständigem Beschuss standen - damit eine nervlichen Daueranspannung ausgesetzt waren, wie sie für uns kaum nachvollziehbar sein dürfte. Die Ratten liefen ständig durch die Gräben über die Beine der Soldaten hinweg, um an den sterblichen Überresten getöteter Kameraden zu fressen.

Die Soldaten kamen als seelische Krüppel nachhause, mit denen - falls man nicht gerade Mördertrupps gebraucht hat - nicht mehr viel anzufangen war. Es würde mich interessieren, was die Geschichtsforschung zum Einfluss dieser seelenfressenden Verrohung auf die Geschichte des Scheitern der Weimarer Republik gehabt hat. Fragen kann man sich auch, welchen Einfluss die Verrohung des 1. Weltkrieges beim Aufkommen des Judenhasses gespielt hatte.

Man kann sicherlich keine absoluten Unterschiede konstatieren - dennoch scheint mir die Mehrzahl der deutschen Soldaten des 2. Weltkrieges anders aus diesem herausgekommen zu sein. Gewiss waren auch sie über alle Maßen verhärtet. Aber die seelischen Krüppel, die ihre eigenen Väter darstellten, waren sie nicht unbedingt. Sicherlich gab es auch unter ihnen Menschen, die gebrochen waren und fortan bestenfalls noch als Randexistenzen ihr Leben fristeten; aber eine erhebliche Anzahl der Leute schaffte es, den Krieg mental einigermaßen hinter sich zu lassen und ein neues Leben anzufangen und dabei sogar ziemlich erfolgreich zu sein. Die Leute hatten Biss. Für ihre Söhne war der Umgang mit ihnen nicht unbedingt immer angenehm; dennoch forderten die Väter ihnen Respekt ab.

Der erste Weltkrieg war ein Stellungskrieg. Der zweite war m. E. eher durch Marschbewegungen gekennzeichnet. Den Russlandfeldzug nehme ich an der Stelle einmal als das Kernstück des 2. WK an. Zunächst einmal marschierten die deutschen Soldaten in das Riesenreich hinein, und dann - wieder ziemlich rasch - unter den Angriffen der Roten Armee Stück für Stück wieder zurück gegen Westen. Man tötete, erlebte den Tod der Kameraden. Erlebte die eigene Unterlegenheit. Marschierte, fror sich die Knochen ab. Litt wie die Hunde. Scheinbar war alles aber irgendwie noch verkraftbar.

Die, die in Stalingrad einer ähnlichen Situation ausgesetzt waren wie knapp 30 Jahre zuvor ihre Väter starben großenteils - konnten somit die Verstümmlung ihrer Seelen, die diese Art des Krieges auszulösen scheint, nicht mehr ausleben.

Kann man das so sehen, wie ich es hier darstelle? Übersehe ich etwas? Wieso teilte die Bundesrepublik Deutschland nicht ein ähnliches Schicksal wie die Weimarer Republik?


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TheBigPink
12. Dez 2010 21:27

re

Habe leider nicht soviel dazu beizutragen, weil ich, glaub ich, zu ahnungslos bin. *g Aber sehr interessantes Thema.

Ich glaube allerdings, mal abgesehen von den taktischen Unterschieden natürlich, dass die Folgen bei den einzelnen Soldaten gar nicht so sehr voneinander abwichen. Töten ist töten, Angst vor dem Tod ebenso. Ist aber auch ein wenig schwierig für jüngere Menschen, das zu beurteilen, das geb ich zu. Ich kann mich halt "nur" an meine Opas erinnern, die unterschiedliche Rollen im 2.WK gespielt haben, Zeitzeugen aus dem 1.WK kenne ich nicht.

Ein wenig OT: Ich habe als Kind mit meinem Vater mal eine Reise nach Verdun unternommen. Und auch wenn das schon länger her ist, diese Mondkraterlandschaft werde ich nie vergessen ..

> ich etwas? Wieso teilte die Bundesrepublik Deutschland
> nicht ein ähnliches Schicksal wie die Weimarer Republik?

Vielleicht, weil das Ausmaß doch noch ein anderes war und Deutschland eine andere Grundsatzhaltung dadurch gewonnen hat.


Adept ♂
Martin aus Niedersachsen
12. Dez 2010 21:37

re

> Vielleicht, weil das Ausmaß doch noch ein anderes war und
> Deutschland eine andere Grundsatzhaltung dadurch gewonnen
> hat.

Möglicherweise spielte es auch eine positive Rolle, dass die Bundesrepublik noch lange Zeit durch die Siegermächte 'geführt worden ist'. Wenn man sich anguckt, auf welche seltsamen Ideen wir hier und da heute wieder kommen, könnte man auf die Idee kommen, dass wir das brauchen. ^^


TerrorTwins
12. Dez 2010 21:45

re

Mein Großvater kam ziemlich unbeschädigt aus dem I. WK. Mein Vater ziemlich beschädigt aus dem II. WK. Beide hatten sicherlich keine gute Zeit, allerdings galt: während mein Opa als Berufsoffizier eine Stelle als Beamter ergatterte, durfte sich mein Vater trotz seines geringen Alters erstmal "jahrelang entnazifizieren" und beim Wiederaufbau Steine schleppen, bevor er zum Studium kam. Mein anderer Opa kam auch ziemlich unbeschädigt aus dem I. WK - der Zweite kostete ihn rchtig Nerven und Gemüt.

> In Berichten zum ersten WK hieß es, dass die Soldaten in
> den Grabenkämpfen unmenschlichen Belastungen - u. a.
> Giftgasangriffen ausgesetzt waren. Der Stellungskrieg
> bedeutete, dass die Soldaten unter ständigem Beschuss
> standen - damit eine nervlichen Daueranspannung ausgesetzt
> waren, wie sie für uns kaum nachvollziehbar sein dürfte.
> Die Ratten liefen ständig durch die Gräben über die Beine
> der Soldaten hinweg, um an den sterblichen Überresten
> getöteter Kameraden zu fressen.

War in WK II nicht anders - allerdings erlebten die Jungs noch härtere Konsequenzen, weil die Waffen nochmals wesentlich brachialer waren. Den im I. WK noch überwiegend vorhandenen alten Ehrenkodex des 19. Jhs ("Ritterlichkeit"/Umgang mit Gegner, gefangenem Gegner) gab es nicht mehr. Mein Opa wurde als Gardist darauf gedrillt, Eroberungen und Gefangene zu machen, Gebiete zu besetzen und die Bevölkerung möglichst schonend zu behandeln. Meinem Vater wurde bedingungslose Eroberung und Vermeidung von Gefangenennahme genauso beigebracht, wie ihm klar angesagt wurde, daß feindliche Zvilbevölkerung kein Hindernis sei (um es mal dezent auszudrücken).

Judenhass kam nicht im 3. Reich auf - den gab es schon seit Luther, und während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeigte der schon oft genug sein hässliches Gesicht. Hitler setzte letztlich nur um, was Gobineau & Co. vorgedacht und die K.U.K.-Monarchie und das Zarentum schon vorgelebt hatten.

> ich etwas? Wieso teilte die Bundesrepublik Deutschland
> nicht ein ähnliches Schicksal wie die Weimarer Republik?

Weil alliierte Kontrolle und Wiederaufbau mit irrsinigen wirtschaftlichen Perspektiven sowie der sofortige neue Kampf gg. den Stalinismus das Abtauchen ins Privatleben und die Verdrängung und Verinnerlichung förderten. Insbesondere vor dem Hintergrund, daß man sich an einer der größten Schweinereien der Menschheitsgeschichte aktiv beteiligt hatte, als Verlierer, wohlgemerkt. Die Menschen verhielten sich passiv, und suchten ihr Heil in Arbeit und Konsum. Und das mit mehr Erfolg, als in der Weimarer Republik.

Massive Selbstmordraten und "going frenzy" gab es allerdings auch, zw. 1945 und Mitte der 1960er. Wurde und wird allerdings nicht so thematisiert.


TheBigPink
12. Dez 2010 21:48

re

Antwort auf re von Adept

Witzig, daran habe ich auch gedacht. :D

Noch was dazu: Nach dem 1.WK war Deutschland schnell auf sich allein gestellt, nach dem 2.WK ja sehr lange eher nicht. In beiden Epochen aber wurde das Land quasi "diktiert", möglicherweise war diese Unselbstständigkeit nach '45 tatsächlich eher zuträglich, wenn man eben bedenkt, wie lange da jemand den Schreihals für den ganzen Staat gespielt hatte. "Freiheit" kann vielleicht auch erstmal unsicher machen.

Jaja, vielleicht, möglicherweise .. Mutmaßungen halt.


Adept ♂
Martin aus Niedersachsen
12. Dez 2010 22:07

re

Antwort auf re von TerrorTwins

> Weil alliierte Kontrolle und Wiederaufbau mit irrsinigen
> wirtschaftlichen Perspektiven sowie der sofortige neue
> Kampf gg. den Stalinismus das Abtauchen ins Privatleben
> und die Verdrängung und Verinnerlichung förderten.

Ich denke, die Wirkungen der alliierten Kontrolle sollte man irgendwann einmal gesondert thematisieren. Mir ist das 'neue Deutschland' etwas verdächtig. Ein 'Nie-Wieder' hinsichtlich des Krieges sehe ich heute nicht mehr unbedingt gegeben.


TerrorTwins
12. Dez 2010 22:25

re

Definitiv nicht. Ein 4. Reich haben wir schneller, als wir uns das vorstellen wollen.

Das wiederum hat aber nichts mit WK I und WK II zu tun, sondern mit der menschlichen Eigenschaft, auf Großmäuler mit selbstangedichteten Heilsqualitäten herein zu fallen.


13. Dez 2010 07:32

re

WW I fand auf den Schlachtfeldern statt im Grabenkrieg und endete mit einem Kapitualtionfrieden, die Heimat war nicht wegebombt, bis auf das Rheinland war Deutschland unbesetzt, die Gebietsverluste hielten sich in Grenzen und Kriegsgefangenschaft war kein Phänomen.

Unsere Großväter kehrten aus der Kriegsgefangenschaft in ein zerstörtes Land zurück, das völig besetzt war, und in dem die Allierten bestimmten, wer in welche Positionen gelangte, welche Zeitungen erlaubt wurden und welche Parteien zugelassen wurden. Auf den Krieg folgte keine Weltwirtschaftkrise mit Infaltion, Hunger und massenarbeitslosiikeit, sondern maschalplan und Wirtschaftswunder.

Der Unterschied liegt in den Kriegsfolgen.


Adept ♂
Martin aus Niedersachsen
13. Dez 2010 10:14

re

> Der Unterschied liegt in den Kriegsfolgen.

Meine Frage ging in Richtung Psychologie - Kriegspsychologie (soweit es so etwas geben mag) oder Trauma-Psychologie.

Gelesen habe ich, dass Menschen, die als Kinder während des 2. WK in Luftschutzkellern Luftangriffen ausgesetzt waren, später zuweilen zu unmotivierten Gewaltausbrüchen geneigt haben bzw. wohl heute noch neigen - die Menschen leben ja wohl noch mehrheitlich.

Ich meine, dass man die Situation in den Schützengräben des 1. WK mit der Situation dieser Kinder grundsätzlih vergleichen kann. Sicherlich gibt es einen Unterschied im Erleben von Erwachsenen gegenüber Kindern, da Erwachsene schlimme Erlebnisse gedanklich eher verarbeiten können als Kinder. Dieser Vorteil wird aber unter einer Dauerbelastung, wie sie der Stellungskrieg nun einmal darstellte, m. E. ziemlich weggewischt. Ich nehme an, dass die Soldaten psychische Schäden ohne Ende davon trugen. Geschichtlich fanden diese Schäden m. E. in den hassgetriebenen Ereignissen während der deutschen Revolution 1918/1919 ihren Ausdruck, wo von der Front heimgekehrte Freikorps hunderte linke Demonstranten und deren politische Führer erschossen oder niedermetzelten.

Ich bestreite nicht, dass es auch im Äußeren Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik gegeben hat, jedoch spielen m. E. auch immer psychologische Phänomene - sowohl was den einzelnen betrifft als auch gruppendynamische Prozesse - eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Ich halte es für grundverkehrt, bei jeglicher Geschichtsbetrachtung einzig auf die äußeren Ereignisse schauen zu wollen und nicht darauf, was auf die Menschen einstürzt und wie sie darauf reagieren. Ob und inwieweit die Psychologie in die Geschichtsforschung Einzug gehalten hat, vermag ich allerdings nicht zu beurteilen. Nur eines scheint mir sicher zu sein: In den psychiatrischen Praxisen würden die Geschichtsforscher aller Zeiten mehr als fündig geworden sein. Die Phänomene betreffen nicht nur die Soldaten selber, sondern auch noch ihre Nachkommenschaft.


13. Dez 2010 10:49

re

Die psychologischen Folgen des WW II sind mir durchaus bewusst.
Mein Opa war an der Ostfront und später in Gefangenschaft, meine Oma ist Heimatvertrieben, meine Mutter war 5 als sie Vertreibung und Flucht erlebte, meine Onkel 3 und 1. Sie haben ihre Kindheit im Lager verbracht, in das ein fremder Vater heimkehrte traumatisiert und abgemagert.
Alle drei Brüder meiner Oma und der Verobte meiner Grosstante sind im Feld geblieben.
Mein Vater wohnte 5 Minuten von einem der IG Farben Bombenziele entfernt und verbrachte viel zeit im Bunker, der später unsere Waschküche war. In unserer ganzen Strasse sind nur 2 1/2 Häuser stehen geblieben.

In meiner Kindheit war der Krieg sicher das häufigste Thema von Geschichten.
WW II hat sicher grössere Teile der Bevölkerung traumatisiert als WW I.

Diesmal hatte man vom Krieg so richtig die Schnauze voll.


Adept ♂
Martin aus Niedersachsen
13. Dez 2010 11:35

re

> Diesmal hatte man vom Krieg so richtig die Schnauze voll.

Selbst dieser selbstverständlich klingende Satz ist m. E. der Erörterung wert. Mein Vater wurde als einer von wenigen und einer der letzten dank abgefrorener Zehen - ich meine, es war aus dem Abschnitt Mitte - heraus geflogen. Er sagte, der Russlandfeldzug stand ihm bis zur Halskrause. Den Rest des Krieges verbrachte er als eine Art militärischer Bahnpolizist.

Es gab aber auch das andere Phänomen, dass Soldaten auf Heimaturlaub vollkommen unglücklich waren und sich nichts drigender wünschten, als möglichst schnell wieder nach Russland zu kommen. Ich schätze, dass die Umstände - Überanstrengung, Schlafentzug, Hunger, Alkohol, Frieren und Lebensgefahr -, denen die Soldaten über lange Zeiten hinweg ausgesetzt waren, zu den ungewöhnlichsten Ausschüttungen von Botenstoffen im Hirn und somit den seltsamsten Bewusstseinszuständen führten. Sie waren dem Wahnsinn näher, als man sich das vorstellen mag.

Die ganz gewiss vernünftige Entscheidung aus dem Umstand heraus 'die Schnauze gestrichen voll zu haben', revanchistische Gedanken ad acta zu legen, ist psychologisch betrachtet daher durchaus nicht selbstverständlich. Deutschland hätte es ohne die Führung der Westmächte möglicherweise eben so wenig geschafft, die Kurve zu kriegen, wie dies nach dem 1. Weltkriege der Fall gewesen war. Und wenn ich von Führung spreche, meine ich nicht etwas rein Äußerliches, sondern auch etwas eher Inneres: Namentlich vielleicht die Amerikaner brachten ihren freien Lebenstil - auch ihre Musik - mit nach Deutschland. Die jungen Menschen konnten erleben, dass es mehr gab, als nur das Schicksal eines besiegten Landes.

Die Zeit des 'Geführtseins' war nicht unbedingt unsere schlechteste. Deutschland stellt jetzt wieder etwas dar. Es trägt die Verantwortung für sein Tun und Handeln wieder selber. Mir kommt es so vor, als haben wir das noch nicht realisiert. Kriegen wir das nicht klar, so wird es gefährlich - pardon, werden wir gefährlich . . .


troetenharry ♂
aus köln (Nordrhein- Westfalen)
13. Dez 2010 17:27

Unterschied ...

Du hast viele Facetten angesprochen. Im einzelnen:

Er habe ihn, den kleinen Jungen, oft
> genug zu sich gerufen, um ihn aus nicht nachvollziehbaren
> Gründen zu verdreschen.

Es war eine andere Generation, die Kinder ohne Liebe, nur mit Strenge erzog: Wenn du dein Kind liebst, züchtige es.

> Die Soldaten kamen als seelische Krüppel nachhause, mit
> denen - falls man nicht gerade Mördertrupps gebraucht hat
> - nicht mehr viel anzufangen war. Es würde mich
> interessieren, was die Geschichtsforschung zum Einfluss
> dieser seelenfressenden Verrohung auf die Geschichte des
> Scheitern der Weimarer Republik gehabt hat. Fragen kann
> man sich auch, welchen Einfluss die Verrohung des 1.
> Weltkrieges beim Aufkommen des Judenhasses gespielt hatte.

Die Kriege des 20.Jhds. hatten mit den Begriffen Ehre, Heldentum, nichts mehr zu tun. Mit Patriotismus in den Krieg gezogen, traumatisch zurückgekommen. Das war auch nach dem 2.KW so.

Auf die Weimarer Republik hatte dies keinen unmittelbaren Einfluß. Das Ende einer Ära (Kaiserzeit), Verlorener Krieg (Dolchstosslegende, Ehrverlust)Kommunismus, Räterepubliken in Deutschland.
Dazu in Berlin ein paar glanzvolle Jahre. Es gab kein einheitliches Bild, keinen "Volkeswille"

Juden waren Soldaten im 1.WK, auch ausgezeichnet. Die Preussen hatten es nicht mit Religionsunterschieden. Sie hießen ja nicht alle Rosenzweig o.ä., sondern waren zum großen Teil assimiliert. Es war auch eigentlich kein großes Problem, denn 1933 gab es in Deutschland bei 84 Mio Einwohnern ca. 550.000 Juden. In der Weltwirtschaftskriese 1929-1932 kamen die Juden aus dem Osten, den es noch schlechter ging, nach Deutschland. Meine Mutter nannt sie "Kaftanjuden". Sie bestimmten wohl in der Bevölkerung das Judenbild. Und die Rechten nutzten es, denn vielen Juden gehörte Kapital.

Das Bild nach dem 2.WK war in Deutschland ein anderes. Der Krieg war nach Deutschland gekommen.
1. Dreigeteilt.
2. nach dem Zusammenbruch, den zerstörten Städten, den Hungerwintern, den Flüchlingsströmen nur noch nach vorne schauen.
3. Die USA pumten Geld in die BRD, mit großen Gewinnchancen. Nazigold soll auch eine Rolle gespielt haben.

Auch der 2. WK hinterließ Wunden. Da es aber allen besser ging, wurde das überspielt. Aber die Gesellschaft in der BRD war spießig. Das alte Denken war noch da. Prügeln waren üblich, bis 1967 hatte der Mann das Züchtigungsrecht über seine Frau.
Erst die Phase um 1968, in Paris und Berlin, ließ Brüche erkennen. Neues Denken war angesagt, die Pille hatte sich durchgesetzt.
.


TerrorTwins
14. Dez 2010 09:36

re

Antwort auf re von Adept

Was glauben Sie wohl, wie man sich fühlt, wenn man in zerlumpten Klamotten und mit unzureichender Bewaffnung wochenlang auf offenem Felde unter 24-stündigem Artillerie- und Panzerbeschuss sowie Bomber- und Jagdfliegerangriffen auf dem Rückzug ist und täglich die Marschrouten geändert werden, weil der Gegner Heute schon da ist, wo ma Gestern hinfliehen wollte?

Mal daran gedacht, wie sich Menschen fühlen, die wochen-/monatelang im Häuserkampf unterwegs sind? Jedes Fenster, jede Tür, jeder Erker, jede Hausecke eine Bedrohung, im Schmutz und Staub Freund und Feind nur schwer zu unterscheiden.

Usw., usf. - Krieg ist immer das Grauen pur. Da gibt es kein "der I. oder II. WK ware schlimmer". Jeder, der in de Krieg zieht, kommt mit Narben auf der Seele zurück.

1918/1919, Weimar & Co.............suchen Sie hier lieber mal nach Ursachen, die im Zusammenbruch und Abgesang des Feudalsystems liegen. Und in über Jahrhuderten hinweg verpassten Gelegenheiten, auch mal via Revolution wenigstens teilweise Volkssouveränität zu erlangen.

Der Deutsche kuscht, frisst in sich hinein - und explodiert dann zur falschen Zeit am falschen Platze und gegenüber den falschen Leuten. Das ist Heute noch nicht anders.


14. Dez 2010 10:20

Re:

dem kann ich nur zustimmen!

aber eine gute Revolution haben wir Deutschen wirklich geschafft: die von 1989........... auch wenns nur wir Ostdeutsche damals waren, es war ein Signal, ziviler Ungehorsam kann ganze Staaten ins wanken bringen, das sollten sich heutige Politiker gerne hinter die Ohren schreiben *g*


14. Dez 2010 17:16

re

Du willst dich gerade nicht ernstlich dazu versteigen, den Vollzug der sog. "Wende" den ostdeutschen Straßenlümmlern und Mauergrapschern zuzuschreiben, oder?


14. Dez 2010 17:23

re

Ich bin ja selten Deiner Meinung .... ;)


14. Dez 2010 23:27

Re:

Antwort auf re von flemming.povlsen

den ostdeutschen Straßenlümmlern hast du so einiges zu verdanken, ja... lerne damit zu leben!


Adept ♂
Martin aus Niedersachsen
15. Dez 2010 13:03

re

Antwort auf re von TerrorTwins

> Der Deutsche kuscht, frisst in sich hinein - und
> explodiert dann zur falschen Zeit am falschen Platze und
> gegenüber den falschen Leuten. Das ist Heute noch nicht
> anders.

Herr Terrortwins, jemand bezeichnete Sie einmal als den geborenen Widerspruch, was wohl nicht ganz unzutreffend ist; über Ihre ereifernde Antwort wundere ich mich daher kaum.

An Menschen, die Soldaten im 1. WK waren, erinnere ich mich kaum. Aus der Geschichte ist mir aber bekannt, dass es im Anschluss an diesen Krieg zuhaufe revanchistisches Denken gegeben hat. Selbst als man unter Stresemanns Führung Ende der 20er Jahre wirtschaftlich und politisch wieder langsam Boden unter die Füße bekam, ebbte das revanchistische Denken kaum ab. Die Entwicklung war von Misstrauen gegenüber der Demokratie und Hass auf ihre Vertreter gekennzeichnet. Ganz offensichtlich war mit den Leuten nichts anzufangen gewesen.

> Was glauben Sie wohl, wie man sich fühlt, wenn man in
> zerlumpten Klamotten und mit unzureichender Bewaffnung
> wochenlang auf offenem Felde unter 24-stündigem
> Artillerie- und Panzerbeschuss sowie Bomber- und
> Jagdfliegerangriffen auf dem Rückzug ist und täglich die
> Marschrouten geändert werden, weil der Gegner Heute schon
> da ist, wo ma Gestern hinfliehen wollte?

Diesbezüglich muss ich mir bei Ihnen gewiss keine Nachhilfestunden abholen. Ich habe mich ausführlichst mit Leuten unterhalten, die den Russlandfeldzug mitgemacht haben. Wenn es Sie näher interessiert, empfehle ich Ihnen das Buch 'Mir seltsam seltsam fremd' von Willy Reese, das aus von diesem geschriebenen Erlebnisberichten von der Front besteht - sehr lesenswert.

Ich habe genügend Leute dieser Generation kennengelernt, um sagen zu können, dass sie im Großen und Ganzen seelisch nicht gebrochen waren. Anders wäre die von ihnen erbrachte Aufbauleistung nach dem 2. WK nicht möglich gewesen.

> Mal daran gedacht, wie sich Menschen fühlen, die
> wochen-/monatelang im Häuserkampf unterwegs sind? Jedes
> Fenster, jede Tür, jeder Erker, jede Hausecke eine
> Bedrohung, im Schmutz und Staub Freund und Feind nur
> schwer zu unterscheiden.

Ganz klar gibt es Dinge, die psychisch absolut nicht zu verkraften sind - regelrecht verheerend wirken. Sicherlich kamen die Soldaten des 2. WK auch nur dadurch zurecht, indem sie ihre Erlebnisse einschlossen. Von meinem Vater habe ich oft den Satz gehört: 'Man kann mit niemandem darüber reden, der nicht dabei gewesen ist.' Aber immerhin schafften die Leute es, mit dem Erlebten zurecht zu kommen und ein neues Leben anzufangen.

Es ist über alle Maßen unwissenschaftlich, dies einfach als Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Zwischen dem, was ein Soldat des 1. und des 2. WK im Allgemeinen erlebt hatte, muss es Unterschiede gegeben haben, die diejenigen ihres Seelenzustandes erklären können. Erklärungen alleine aus den äußeren Umständen heraus scheinen mir nie und nimmer ausreichend zu sein. Krieg und Krieg ist ganz offensichtlich nicht dasselbe.

Dass wir uns in dem Punkte einig werden, halte ich übrigens für wenig wahrscheinlich. Dafür haben Sie es doch gar sehr mit rein äußerlichen Dingen, nicht wahr?!


TerrorTwins
15. Dez 2010 17:21

re

> An Menschen, die Soldaten im 1. WK waren, erinnere ich
> mich kaum.

Sie nicht, ich schon. Genauer gesagt: 4 Großeltern und 7 Großonkel/-tanten.

> Vertreter gekennzeichnet. Ganz offensichtlich war mit den
> Leuten nichts anzufangen gewesen.

Wer konnte wann mit welchen Leuten nichts anfangen?

Ist es gar so schwer, sich präzise auszudrücken?

> Diesbezüglich muss ich mir bei Ihnen gewiss keine
> Nachhilfestunden abholen.

Anscheinend schon - sonst würden Sie nicht solchen hanebüchenen Unsinn über unterschiedliche Belastungsgrade in WK I und WK II schreiben.

> haben. Wenn es Sie näher interessiert, empfehle ich Ihnen
> das Buch

Besten Dank - mein alter Herr hat in Frankreich, Sizilien, Russland und Ostpreussen so ziemlich jede Balgerei miterlebt. Erzählungen, Kriegsbriefe und Tagebuch reichen mir da. Zumal ich ihn besser beurteilen kann, als einen Fremden.

> Ich habe genügend Leute dieser Generation kennengelernt,
> um sagen zu können, dass sie im Großen und Ganzen seelisch
> nicht gebrochen waren. Anders wäre die von ihnen
> erbrachte Aufbauleistung nach dem 2. WK nicht möglich
> gewesen.

Alle Achtung, Ihre logische Unfähigkeit erklimmt immer wieder ungeahnte Höhen.

Schon mal an den Wiederaufbau nach WK I gedacht, und daran, daß der wesentich härter zu bewältigen war, mangels Geld, alliierter Hilfe usw.?

Klappte dafür doch recht ordentlich, gelle?

Im Vergleich dazu war der Wiederaufbau nach 1945 ein Klacks - massiv Geld von den Alliierten, importierte Ressourcen, organisatorische und logistische Hilfeleistungen.....

> darüber reden, der nicht dabei gewesen ist.' Aber immerhin
> schafften die Leute es, mit dem Erlebten zurecht zu
> kommen und ein neues Leben anzufangen.

Schafften sie nach WK I auch. Was faseln Sie da eigentlich für blödes Zeugs, Adept?

Es gibt keine größeren und signifikanten Erlebnisunterschiede bei langahaltenden überregionalen Kriegen. Mord, Vergewaltigung, Drogensucht und Alkoholismus, Verrohung und Abstumpfung - Krieg ist ein psychedelisches Kaleidoskop, welches dem Menschen Facetten von sich zeigt, die er weder kennen noch ausleben will.


Adept ♂
Martin aus Niedersachsen
16. Dez 2010 07:42

re

> Schafften sie nach WK I auch. Was faseln Sie da eigentlich
> für blödes Zeugs, Adept?

Terrortwins, du steigst mal wieder in die Tiefen deiner eigenen Persönlichkeit ein. Das darfst du gerne tun. Aber wenn du schon meinst, von Faseln reden zu müssen, dann versuch doch bitte, es da festzumachen, wo es hingehört: Du bist der, der hier faselt. Zugegeben unterhaltsam und nicht ohne jegliches Niveau. Aber dennoch bleibt es Faseln.

Entschuldige bitte, in der Angelegenheit muss ich dich alleine lassen. Es ist wirklich dein Ding - nicht meines . . .


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