01. Dez 2011 17:47 KunstbegriffHallo, ich suche Schriften, die sich mit dem Kunstbegriff befassen bzw. ihn zu definieren versuchen. Die einzige Kunstdefinition, mit der ich mich bisher befasst habe, ist die Schopenhauers. Da sie m.E. aber kaum etwas taugt, würd ich gern andere kennenlernen. Wikipedia gibt leider nicht viel her, ansonsten weiß ich nicht, wo suchen. Danke schonmal. |
01. Dez 2011 18:11 reEin guter Überblicksartikel ist Stephen Davies: Definitions of Art, der u.a. hier erschienen ist (bei amazon kann man einen Blick hineinwerfen). In diesem Büchlein (auch über amazon einsehbar) werden in der ersten Artikelsektion für die Kunstdefinitionsdebate wichtige Texte aus den letzten Jahrzehnten versammelt. Alle Artikel da dürften auch irgendwo online zu finden sein, denke ich - hab jetzt aber nicht extra nachgeschaut. Ein guten Überblicksartikel bietet wie immer auch die SEP. In deutscher Sprache gibt's das unheimlich gute und vorbildlich geschriebene Buch von Maria E. Reicher: Einführung in die philosophische Äesthetik, da beschäftigt sich das fünfte Kapitel mit der Frage "Was ist Kunst?" Reicher dürfte auch mit Abstand am einfachsten zu lesen sein. Das sind allerdings alles Texte aus der Tradition der analytischen Philosophie. Was die kontinentale Tradition angeht, dürfte man da wenig Zeitgenössisches finden, jedenfalls fällt mir nichts ein. |
01. Dez 2011 20:54 Kunst oder nicht Kunst?Die Frage des Kunstbegriffes, bzw. die Frage "Was ist Kunst?" ist schon uralt. Sie wurde sowohl in diversen Fachforen, als auch von vielen Kunstsachverständigen bereits bis zum Abwinken diskutiert, jedoch bislang ohne ein klares, eindeutiges und vor allem allgemeinverbindliches Ergebnis. Als Faustregel gilt: Je höher der Gebrauchswert (Nutzwert) der künstlerischen Produkte, desto eher handelt es sich um ein (Kunst)Gewerbe oder (Kunst)Handwerk. Alles klar? |
01. Dez 2011 23:04 reDanke, das ist ja schonmal ein ziemlich guter Anfang. Und in die SEP sollte ich wohl öfter mal reinschauen; die hatte ich ganz vergessen. |
05. Dez 2011 18:17 reWüsstest du vielleicht auch noch ein paar einflussreiche Texte, die sich mit The Role of Theory in Aesthetics von M. Weitz beschäftigen? Gefunden hab ich bisher lediglich Family Resemblances and Generalizations Concerning the Arts von M. Mandelbaum. |
06. Dez 2011 17:01 reMuss ich mal überlegen, und das kann dauern. Wenn es um Definitionen des Kunstbegriffs geht, kann ich aber diesen Artikel empfehlen, auf den Nexus hier mal hingewiesen hatte. Dort setzt man sich zumindest kurz kritisch von Weitz' These aus The Role of Theory in Aesthetics ab - und auch so ist das ein extrem interessanter Artikel, den man als Versuch lesen kann, aus Wittgensteins hemdsärmeligen Familienähnlichkeitsbegriff (an den Weitz hinsichtlich von Kunst-Definitionen anschließt) was Handhabbares zu machen. Dürfte daher auch für Mandelbaum interessant sein, der im Artikel ebenfalls kurz erwähnt wird. |
09. Dez 2011 19:14 reWeicht zwar etwas vom eigentlichen Thema ab, aber hier passt es wohl am besten hin, und ich muss nicht gleich einen neuen Thread eröffnen: Ich erweitere die Suche nach Texten zu Kunstdefinitionen zu einer Suche nacht Texten zu "Literaturdefinitionen". D.h. Literaturtheorie, Literaturontologie - was immer es da geben mag. Ich kann's leider nur so vage ausführen. Was ich genau sagen kann ist, dass die Texte in der Tradition der analytischen Philosophie stehen sollten, nicht der kontinentalen (es sei denn, es sind welche, die ebenso klar usw. geschrieben sind wie Texte der AP). Und dann noch sozusagen OT: Gibt es eine Möglichkeit Ausgaben des British Journal of Aesthetics, des Journal of Aesthetics and Art Criticism und ähnlicher Fachzeitschriften online zu beziehen, ohne ein kostspieliges Abo abschließen zu müssen? So wie es bei manchen Journalen des Springer Wissenschaftsverlags möglich ist. (Ich finde leider lediglich ein paar Artikel hier und da.) |
09. Dez 2011 19:16 reDer Artikel von Woolworth und San Marino ging übrigens genau in die richtige Richtung, um das noch anzumerken. |
11. Dez 2011 17:55 re> Ich erweitere die Suche nach Zur Ontologie von (literarischen) Kunstwerken kann man Gregory Currie: The Ontology of Art (1989) empfehlen, das allerdings schwer zu bekommen ist. Oder als Kurzfassung das überarbeitete dritte Kapitel daraus, das unter dem Namen Art works as action types in: Lamarque/Olsen: Aesthetics and the philosophy of art: the analytical tradition (2007) wiederabgedruckt wurde. Außerdem extrem interessant von Currie: Der Aufsatz "Work and Text" (dürfte es irgendwo online geben, nehme ich an, ansonsten empfiehlt sich dieses Buch, das sich für dein Thema sowieso als ganzes lohnt - siehe auch Inhaltsverzeichnis), in dem Currie sich v.a. mit dem sog. "Textualismus" auseinandersetzt, der von Nelson Goodman und Catherine Elgin vertreten wird. Da geht's um die Frage, was eigentlich die Objekte sind, die man beim Literaturinterpretieren interpretiert: Texte (in Curries Sinne also semantisch-syntaktische Strukturen) oder Werke (bei denen über den rein semantisch-syntaktischen Kram hinaus auch historische Kontexte, Autorintentionen usw. eine Rolle spielen)? Sehr spannend zu lesen und mit hübschen Gedankenexperimenten drin. Bei Currie ist man jedenfalls immer an der richtigen Adresse. Von kontinentaler Seite dürfte im Hinblick auf die Ontologie von Kunstwerken nicht viel da sein. Wenn sich jmd. hier mit Literaturphilosophie beschäftigt, dann sind das ja meist die Postmodernen, und da hat Ontologie ja größtenteils einen schlechten Stand. Was relativ Aktuelles zu Literaturdefinitionen und auf Deutsch und auch eher analytisch ausgerichtet: dieses hier. > Und dann noch sozusagen OT: Gibt es eine Möglichkeit Ja. Wenn du kannst, log dich in ein Uni-Netzwerk ein, das diese Zeitschriften abonniert hat. Wenn du das nicht kansnt, geh in eine Unibibliothek, in der du Zugriff darauf hast. Zumindest das BJA sollte jede gute Unibibliothek abonniert haben. |
12. Dez 2011 03:43 reDas scheint mir das zu sein, was ich gesucht habe. Findet man auch, soweit ich das gerade überblicken kann, alles online. Die Blackwell Anthologies lohnen sich wohl generell (?), ist schon die zweite, die du mir empfiehlst, und da gibt's ja noch einige. Hm, ich würd noch gerne etwas mehr sagen, weil dein Posting so lang ist, aber mein müder Kopf will nicht. |
12. Dez 2011 10:42 re> Findet man auch, soweit ich das gerade überblicken kann, alles Wenn man die Texte zuhause und auf Papier haben will, auf jeden Fall. Gebraucht und als Paperback kann man die auch einigermaßen günstig bekommen. Die meisten der darin versammelten Texte (jedenfalls in den Anthologien, die ich verlinkt habe) sind auch digital zu haben. An den Blackwell-Anthologien stört mich nur der zweispaltige Satz, das liest sich nicht so toll. |
15. Dez 2011 18:19 re> D.h. Literaturtheorie, Absolut empfehlenswert finde ich das Buch hier: David Davies: Aesthetics and Literature (2007)1, eine Einführung in die wichtigsten Probleme, die in der analytischen (Literatur-)Philosophie diskutiert werden. Verschiedene Kapitel beschäftigen sich dabei mit ontologischen Fragen, Kap. 1 mit der Frage nach dem ontologischen Status von literarischen Kunstwerken, Kap. 6 mit dem ontologischen Status fiktiver Figuren. Davis stellt die Positionen, die auf dem Markt sind, extrem klar und fair vor, enthält sich aber auch nicht eigener Lösungsvorschläge. Ist ein tolles Buch, oder frei nach Rorty zu sprechen: "Ein gutes Buch. Voller Argumente." Dabei sehr beispielreich und auch für Leute lesbar, die sich in dem Feld noch nicht besonders gut auskennen. Wer die Worte "ontological" und "epistemological" halbwegs sicher verwenden kann, hat die größte Hürde schon genommen, um mit dem Buch klarzukommen. Wenn du mal interessante Texte zum Themengebiet findest oder sogar diskutieren willst, poste sie mal hier oder im Philosophieforum. |
15. Dez 2011 19:58 reJa, stimmt. Du hast es schonmal irgendwo verlinkt. Hab ich mir auch damals dann nortiert - ebenfalls irgendwo. Da ich es also vermutlich erst besorgt hätte, wenn mir in 15 Jahren zufällig der Notizzettel begegnet wäre, bin ich gnaz glücklich darüber, dass du es hier nochmal ansprichst. Werd ich mir auf jeden Fall besorgen. |
16. Jan 2012 22:34 LiteraturGreg Currie: "The Nature of Fiction" - speziell Kapitel 1 Reinold Schmücker (Hg.): "Identität und Existenz. Studien zur Ontologie der Kunst" (Verlagsinfo) - speziell der Text von Künne |
17. Jan 2012 11:21 re> [[http://www.amazon.de/Nature-Fiction-Gregory-Currie/dp/05 Gutes Buch, aber in Kapitel 1 geht's vor allem um den Fiktionalitätsbegriff. Fiktionalität wird zwar hier und da als ein wesentliches und definierendes Merkmal von Literatur angesehen, dennoch sind das nicht Untersuchungen zur Literaturontologie oder zur Definition von Literatur. > [[http://www.amazon.de/Identit%C3%A4t-Existenz-Studien-Ont Hab ich noch nicht gelesen, hab aber von Schmücker bisher auch nur Gutes gehört und Künne läuft ja außer Konkurrenz. Bei der mentis-Reihe "Kunstphilosophie" lohnt sich auch ein Blick auf die anderen Bände, z.B. auf diese Anthologie von Gottschalk/Köppe. |
17. Jan 2012 13:02 Mh[Currie] "Schlaumeier." (GK 1984) Ich hab's so verstanden, dass alles Mögliche zur Philosophie der Literatur gefragt ist, "Fiktionalität" ist da ein zentrales Thema und Curries "NoF" einer der besten Tipps. Und wenn Fiktionalität eine notwendige Bedingung für Literatur sein sollte - was allerdings zweifelhaft ist -, dann ist Fiktionalitätstheorie auch im Zusammenhang mit Literaturdefinitionen von Bedeutung, denn der Fiktionalitätsbegriff ist zweifellos stark explikationsbedürftig. [Schmücker] Schmücker naja, aber der ist ja nur der Hg. |
17. Jan 2012 18:35 re> Und wenn Fiktionalität eine notwendige Bedingung für Das leugnet ja auch keiner! *sinnlos weiterdiskutier* Außerdem ist Fiktionalität definitiv keine notwendige Bedingung von Literatur, zum Beispiel wegen Autobiographie. *weiter sinnlos weiterdiskutier* > Schmücker naja, aber der ist ja nur der Hg. Ich hörte einst aus verlässlicher Rühmungsquelle Rühmungen von Schmückers Aufsatz "Funktionen der Kunst" in diesem Bändchen hier. Und hier noch was von Michael Jackson. |
17. Jan 2012 19:30 Gitarrenjunkie meint> Und Aber dann bitte mit Eddies Solo. |
17. Mär 2012 13:03 re> Wüsstest du vielleicht auch noch ein paar einflussreiche Einflussreich vielleicht nicht, aber relativ aktuell und ausführlich: Joseph Margolis (2010): The Importance of Being Earnest About the Definition and Metaphysics of Art, in: Journal of Aesthetics and Art Criticism 68 (3), S.215-223. Darin setzt sich Margolis u.a. mit Weitz, Greenberg, Danto und Dickie auseinander, d.h. mit deren Auffassungen zur Definierbarkeit von "Kunst". Weitz hält er zwar für "smartly up-to-date", aber wirft ihm fundamentale Fehlinterpretationen von Wittgenstein vor, auf den sich Weitz ja hauptsächlich stützt. Könnte für dich ganz interessant sein. |
30. Mär 2012 11:31 noch mehr WeitzIn der aktuellen Ausgabe des British Journal of Aesthetics argumentieren Alex Neill und Aaron Ridley exakt für die Position von Weitz und wischen damit Versuche, Kunst über relationale Eigenschaften zu definieren (Dickie, Gaut, Danto u.a.), vom Tisch. Aus ihrem Fazit:
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