23. Mär 2012 20:21 ja <--- Das ist ein zu kurzer Titelja Du hast mir die Sprache geschlagen |
24. Mär 2012 00:34 reEs ist ein Liebesgedicht. Und du bist eine Liebesevi. Das sollte man einfach hinnehmen und stehenlassen (können). Aber ich bin so ein scheiß Nazi; ich kann's nicht. "Du hast mir die Sprache geschlagen" Das Überkrasse an Gedichten (für mich), die von Sprachlosigkeit oder von einer emotional bedingten 'Geschlagenheit' der Sprache sozusagen sprechen, ist, dass sie das mit Sprache machen. Jetzt kommt ein böser Satz (danach versuch ich, wieder ein paar liebe zu formulieren): Hier leider ist gar keine Sprache. Einzig die letzten beiden Zeilen - ich werde aktuell wieder lieb - deuten Zärtliches (der Sprache) an. Die ersten vier Zeilen zeugen zu unfreiwillig vom Identitätsbruch zwischen Sprache und, na ja, lyr. Ich. Da ist kein Rhythmus, kein Sprachgefühl - das wäre insofern vertretbar, würde das quasi ironisch vom Gedicht aufgenommen; aber das wird's, soweit ich sehe, nicht. Nicht nur das lyr. Ich, sondern das Gedicht selbst wurde von der Sprache "verrückt"; aber, wie gesagt, unfreiwillig. (Und wär's denn freiwillig, es wäre noch ärger damit.) Man liest eine üble Verkrampftheit aus den Zeilen. Die letzten beiden Zeilen, gab ich an, würden wieder etwas verraten von Sprache, würden Sprache entdecken oder, in dem Fall, wiederentdecken. Das könnte man als subtextuelle Entwicklung lesen; machen wa mal. Aber nur vom Rhythmus her; inhaltlich ist das natürlich der totale Kitsch, gerade die offenbar zwangsläufige Einmündung von Du und Ich ins berühmte Wir bedeutet dem Leser die autorliche Unfähigkeit zur Distanz zum Sujet. Den Titel fände ich gut - stünde er in rustikalerem Kontrast nicht nur zum Beginn, sondern auch zum Ende des Gedichtes. Klar sagt man "Ja" zu "liebevoll" und "Wir"; interessanter fand ich: Sagt man "Ja" zu einer "geschlagenen Sprache"? Das ist nicht mehr so sicher. Daraus hätte das Gedicht schöpfen können, aus dieser Unsicherheit. Hier aber, durch den bloßen Behauptungscharakter, der das ganze Gedicht bestimmt, wird davon nichts fühlbar, nichts erfahrbar. Nichts wird in ein Bild gesetzt - alles wird mitgeteilt; in den letzten beiden Zeilen wird ein Ausbruch daraus versucht, der aber, wie gesagt, leider im Kitsch endet. "Unfähigkeit zur Distanz": Dabei wird diese Distanzierung versucht, durch eine anfänglich bewusst unromantische Sprache. Aber ohne jede Raffinesse; gerade die Überwindung konventioneller Sprache bedingt ein besonderes Sprachgefühl. Das lese ich hier nicht, daher ist es - meinethalben nur formal, darüber hinaus will ich eine solche Angabe nicht machen - schlichtweg misslungen. Es ist manchmal besser, die Fresse zu halten. Ich krieg's nur irgendwie nicht hin. :-/ |
24. Mär 2012 00:35 reErster Gedanke: So bürstelt man eine Katze: gegen den Strich? ... Intellel! Wärme ist in den letzten 2 Zeilen, in denen sümbolistisch das "Wir" quasi "kleiner Prinz"-haftig ... Nix drunter erwartete ich von dir. Vom Titel mehr ... Ach was! Ich beschränk mich hinfort lieber auf Gedichtinterpretationen :-) O. |
24. Mär 2012 07:23 renur kurz, muss gleich arbeiten: - das wäre insofern vertretbar, würde das quasi ironisch vom Gedicht aufgenommen; Wirklich, genau das habe ich versucht. Ob das misslungen ist oder nicht, naja, du magst Recht haben. Eine eigene Meinung zu dem Thema kriege ich erst in zwei Jahren, wenn ich's selbst nochmal lese. Zärtlichkeit bzw. eine zärtliche Sprache sollten das Gedicht meiner Intention nach eigentlich auch nicht ausmachen. > Es ist manchmal besser, die Fresse zu halten. Ich krieg's Ich verstehe das als Aufforderung an mich und eine freundlich drangefügten Satz über dich selbst, damit's nicht ganz so ruppig 'rüberkommt, und finde das so verstanden auch toll. Denn ich sehe gar keinen Grund, aus dem du hier die Fresse hättest halten sollen. Ich selbst krieg's leider (offensichtlich) auch nicht hin ;( |
24. Mär 2012 07:26 ach so, eins nochWitzig ist, wenn ich so was lese, immer (und bitte, das ist jetzt nicht ein Gegenargument zu deinem Geschriebenen oder so), wenn ich so über die Zeit nachdenke, in der ich dran gebastelt habe. Gerade die letzten beiden Zeilen, Mann, hab' ich mich in denen abgemüht, eigentlich nur mit der letzten. In seinen ursprünglichen Formen ist der erste Teil mir nämlich geradezu in den Kopf geschossen, beim Fahren des neuen Autos, wenn du es genau wissen willst. Vielleicht hätte es doch ein Toyota werden sollen? Jedenfalls finde ich's witzig, wie weit das auseinandergehen kann. |
24. Mär 2012 14:44 reIch fasse deine beiden Kommentare mal zu sozusagen einem zusammen. Der zweite nämlich bietet mir keinen schlechten Einstieg in das, was ich im vorigen Kommentar schon eigentlich sagen wollte und nur angedeutet habe: Das ist ja alles Mitteilung, was in deinem Gedicht 'geschieht' - das ist dann letztlich die übliche Spin-Lyrik, in der ein Ich, das kaum geschieden werden muss in Autor (Urheber) und Lyr. Ich, einem Du erzählt, wie toll es ist und vor allem auch das Wir. Und wer kennt das Bedürfnis nicht, seiner großen Liebe usw. eben das mitteilen zu wollen; nur eben nicht so plump, sondern in Gedichtform, lyrisch. Ich hab das Bedürfnis ständig oder immerhin regelmäßig. Leider bleibt das denn auch meist die einzige 'Aussage' eines Gedichtes, das so verursacht wird. Man kann dann einwenden: Na, es ist eben ein "Liebesgedicht" und der Forentitel lädt ja geradezu zu solchen Liebesmitteilungen, Liebesbekenntnissen ein. Ich glaube aber, schroff gesagt, das hat mit Lyrik oder Gedichteschaffen trotzdem wenig zu tun. Deine Wortwahl im hiesigen Text ist zwar nicht so kackenüblich wie in den meisten anderen hier, aber er bleibt, wenn auch die Worte sich gegen das Schnulzige wenden wollen, auf demselben Niveau, weil keine weitere als die IchwillmeineLiebemitteilen-Ebene dazukommt. Die Schnulze nämlich ergibt sich nicht aus den gewählten Worten, sondern aus der Eindimensionalität, aus der Profanität. Was das mit deinem zweiten Kommentar zu tun hat? Dort erzählst du: Die 'Idee' sei dir im Auto gekommen. Das z.B. hätte eine weitere Ebene oder die berühmte Mehrschichtigkeit ins Gedicht integrieren können: Das Auto als Narrativ, als allegorischer Ort, in dem sich Liebe abspielt. Durch die perspektivisch gebundene Eigenschaftlichkeit etwa einer Autofahrt kann das, was in einem selbst nur diffus und niemals exakt fass- oder messbar schwelt1, sinnhaft dargestellt werden. Etwas konkreter meint das: Jemandem mitzuteilen, wie toll die Liebe zu ihm ist, wie verschwurbelt oder verfremdet man es auch immer sagen wollte, bleibt eine Mitteilung privatimer Art, relevant nur zwischen den beiden exakt bestimmbaren Subjekten - Sender u. Empfänger. Ein Gedicht hingegen will mehr (und muss mehr). Da es sich nämlich nicht an ein exakt bestimmbares Subjekt wendet, muss es aus dem Privatistischen heraus, muss es etwas Exemplarisches aufzeigen (nicht benennen; das ist ein Unterschied). Hierzu etwa wäre das Auto oder eine Autofahrt ein denkbares Mittel. Es gibt in einem Lied2 die Stelle: "Im Kokon auf der Autobahn" - Hier ist das Auto nicht mehr funktional bestimmt, also nicht als "Mittel, um von A nach B zu kommen", und es wird auch nicht durch seine technische Zusammensetzung definiert - sondern die Bedeutung des Autos wird 'transzendiert', übergeben an eine andere Ebene: Es ist der 'fahrende Liebesort', der Transport des Gewöhnlichen ins Besondere, auch der Rückzugsort einer Liebe, die, dem Gewöhnlichen ausgesetzt, überfahren würde. Das wird nicht mitgeteilt; es wird bildlich dargestellt. Das heißt: In einem sog. Liebesgedicht möchte ich etwas potenziell Exemplarisches über das 'Wesen' der Liebe erfahren; das geht dann aber darüber hinaus, dass einer einen andern eben ganz doll lieb hat.3 Wenn man das, was man sagen, was man 'mitteilen' möchte, einfach nur mitteilt, in welchen Worten auch immer: das hatten wir früher schon, das sind dann Tagebucheinträge oder Briefe udgl. In einem Gedicht möchte ich etwas vorfinden, das verschlüsselt und zugleich offenbart. Etwa in einem besonderen Bild oder einem gewöhnlichen Bild, dem im Gedicht ungewöhnliche Zuschreibungen gemacht werden. Das finde ich, wie gesagt, in diesem Text jetzt nicht vor. Du sagst, du habest die Ironie schon versucht; und dass ich das so nicht erkannt habe, heißt nicht, dass es deshalb misslungen sei. "Misslungen" finde ich auch eher die 'Gesamtkomposition', die mir gnadenlos unstimmig vorkommt (aber auch nicht genügend ironisch unstimmig, da mir die formale Gewitztheit, die Raffinesse fehlt). Passagen wie "Entnebeln des Sinns" etwa lese ich schlichtweg als ungelenke. Wenn sie aber ironisch, also bewusst ungelenk 'gemeint' sind, dann finde ich im Text selbst dafür keine Begründung. Da ich bald aber auch nicht mehr begründen kann, weshalb ich hier so viel schwafle, noch schnell die Anmerkung: wie sehr ich Oles Begabung bewundere, alles das, wofür ich seitenlanges Geplauder brauche, in anderthalb, in zwei Zeilen zu sagen. Grandios. |
24. Mär 2012 16:30 reAlso ich möchte nur auf den allerletzten Teil deines Postings antworten, da ich auf all das - gern gelesene - "Geschwafel" eigentlich nur eine plumpe, kindliche Antwort weiß: Mh, ja, hast schon Recht in deinen grundsätzlichen Ausführungen, ich mag's aber bisher trotzdem! ;D Jedenfalls: Ich bin ganz froh, dass du das nicht so knackig sagst wie Ole, denn der sagt's nicht nur knackig, sondern auch recht kryptisch. Genau genommen versteh' ich meistens nichtmal, worauf er eigentlich hinauswill. Bleib du mal du und Ole soll Ole bleiben. |
24. Mär 2012 21:01 reich könnt dich seitenlang vorlesen: "Kuck mal, der f.p. sieht das tüpferlgleich genau so" :-) Gezielt gegen den Strich gestreichelt - ich tät nicht schnurren ... Vermutlich hat der TUI-Roman eine politische Dimension, tät's reinpassen? |