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: : : : Buchtip:Erich Fromm,Von der Kunst des Zuhören
05. Aug 2007 22:18

Buchtip:Erich Fromm,Von der Kunst des Zuhören

Viele Menschen haben in ihrer Vergangenheit nicht die Aufmerksamkeit und Wärme bekommen, die sie sich gewünscht haben oder gebraucht hätten.
Sie bemühten sich darum Richtlinien und Vorgaben zu erfüllen um an Liebe und Zuneigung zu kommen.
Liebes Kind, böses Kind, gut gemacht, schlecht gemacht. Diese Wertschätzungen bezogen sich nicht nur auf tatsächlich klügeres Alltagsverhalten, sondern teilweise auch auf Wesensmerkmale. So etwas ist schmerzhaft, denn niemand kann sich auf Dauer verbiegen und es ist ungerecht, wenn erwartet wird, dass man anders zu sein hat als man sich fühlt oder sein möchte.
Das hinterlässt Verletzungen und Schwierigkeiten beim „sich öffnen“.
Manche verstellen sich, weil sie glauben, dass sie nur, wenn sie sich verstellen gut ankommen und Akzeptanz, Wärme und Liebe „verdienen“ können.
Erich Fromm hat in seinem Buch ´Von der Kunst des Zuhörens` in einer kurzen Geschichte von einem Rosenstock dieses Phänomen des Verbiegen und der Vernarbungen beschrieben:

„Wer aus einem Setzling eine Rose einen voll in Blüte stehenden Rosenstock wachsen lassen will, der muss genau wissen, wie viel Feuchtigkeit, welche Temperatur, welche besondere Art von Erde er braucht und zu welcher Jahreszeit er gesetzt werden muss. Sofern diese Vorraussetzungen gegeben sind und es zu keinem Insektenbefall kommt oder andere außerordentlichen Umstände eintreten, wird sich dieser Setzling zu einem schönen Rosenstock entwickeln. Wird der Setzling jedoch in eine zu feuchte Erde gesetzt wird er eingehen; wird er unter nicht optimalen Bedingungen wachsen, dann wird er zwar zu einem Rosenstock auswachsen, doch dieser wird beim Wachsen, an den Blüten und an den Blättern, ja überall Mängel zeigen. Der Setzling hatte nämlich nur die Möglichkeit, sich voll zu entwickeln, wenn die genannten Vorraussetzungen gewährleistet sind, wobei die für diesen Setzling optimalen Wachstumsbedingungen nur durch Erfahrungen gefunden werden können.

Was für den Rosenstock gilt, gilt auch für alle Tiere, wie jeder Züchter weiß, und es gilt auch für Menschen. Wir wissen, dass auch für das volle Wachstum des Menschen bestimmte Vorraussetzungen gegeben werden müssen. Wenn bei der Entwicklung des Menschen statt Wärme nur Kälte ist, wenn statt Freiheit nur Zwang herrscht, wenn statt Achtung vor dem Kind nur Sadismus da ist, dann sind die Vorraussetzungen für ein volles menschliches Wachstum nicht erfüllt; das Kind wird zwar nicht sterben, aber es wird sozusagen krumm wachsen wie ein Baum, der nicht genügend Sonne bekommt…“

Manche Menschen sind nun einmal unter Bedingungen aufgewachsen, die nicht optimal waren. Haben vernarbte Wunden und sind krumm und verwachsen. Es ist schwierig für sie Liebe und Wärme zu geben oder anzunehmen. Sie glauben nicht daran, dass sie es wert sind und stellen wiederum Bedingungen auf, um zu gewährleisten dass es das Gegenüber ernst meint.
Und wieder stehen die Sätze im Raum: „Wenn du so bist, kannst du mich nicht lieben! Wenn du das tust liebst du mich nicht! Wenn dich nicht änderst, glaube ich dir nicht!“
Das ist ein weiterer Schritt im Opfer-Täter Kreislauf. Die Mechanismen haben einen Schritt getan. Die Ursachen bleiben, die Symptome ändern sich.
Aus einem verletzten Menschen, dem Zuneigung und Wärme nur bruchstückhaft verkauft wurden ist ein Mensch geworden, der seinerseits nun seine Liebe dosiert, abschätzt ob das Gegenüber seiner Liebe wohl würdig ist und Bedingungen stellt und damit wiederum andere Menschen formt.
Es gibt unterschiedliche Antworten auf diese Thematik. Ich glaube wohl jede Religion und jede Kultur hat seine ganz persönliche Antwort auf diese Thematik gefunden und versucht damit umzugehen.
Bei den Christen gibt es den hochinteressanten Begriff der Erbsünde. Meiner Interpretation nach geht es bei dieser Begrifflichkeit eben genau um diese Thematik. Menschen sehnen sich nach Erlösung und im christlichen Glauben wird die Möglichkeit geboten, den Ausstieg aus diesem Kreislauf zu schaffen, indem die Problematik projiziert und dadurch besiegt wird. Genial wie ich finde einerseits, andererseits sind meiner Meinung nach institutionalisierte Glaubensrichtungen Meisterspieler in und vor allem für diese Mechanismen.
Es gibt andere Möglichkeiten den Kreislauf zu durchbrechen.
Eine andere Möglichkeit, die ich wunderbar finde, ist im Buch von Fromm beschrieben. Er hat in einem Kapitel mit verschiedenen Lektionen einen Weg beschrieben um aus dem Dilemma zu kommen. Die Überpunkte lauten: „Das eigene Handeln ändern“, „Interesse an der Welt entwickeln“, „Kritisch denken lernen“, „Sich selbst und seines Unbewussten gewahr werden“, „Des eigenen Körpers gewahr werden“, „Sich konzentrieren und meditieren“, „Den eigenen Narzissmus entdecken“, Sich selbst analysieren“.
Um auf diesen Weg zu kommen muss man nach Fromms Ansicht jedoch die Wirklichkeit auf verschiedene Arten wahrnehmen können.
Fromm unterscheidet zwei verschiedene Wahrnehmungen: Die objektive und die subjektive Art. Die objektive Art jemanden oder etwas anzusehen ist rationaler Art. Ein Stein, den man nutzen kann ein Haus zu bauen oder einen Menschen zu töten. Man betrachtet ein Objekt um den Nutzen zu erschließen.
Dann gibt es noch die subjektive Art wahrzunehmen. Man nimmt den Stein in die Hand und betrachtet die wunderschöne Farbe oder Maserung, fühlt wie hart und weich der Stein gleichzeitig sein kann und erfreut sich an seiner Schönheit, riecht den erdigen Geruch des Steines und überlegt wie alt er wohl ist, ob er schon gewandert ist, ob er Teil eines Berges war, …
Unsere Kultur ist wohl eher rational geprägt. Das heißt die meisten von uns wurden eher dazu erzogen Begrifflichkeiten nützlich zu interpretieren und teilweise wurden Menschen in ihrer Prägungsphase auch eher rational beurteilt.
Ich möchte gerne mit diesem Buchtipp daran erinnern, dass Menschen wunderbar sind, jeder Einzelne für sich und das niemand das Recht und die Macht hat dauerhaft einen Anderen nur rational zu beurteilen und zu benutzen.
Womit ich jetzt auch mein Anliegen formulieren kann. Meiner Meinung nach ist es nicht möglich dauerhaft eine Partnerschaft zu führen in der der eine Teil überwiegend rational und der Andere überwiegend subjektiv orientiert ist.
Der rationale Part ist logikbezogen, vernachlässigt seine Gefühlswelt und friert sich und seine Liebe nach und nach ein. Der subjektiv orientierte Mensch orientiert sich an Gefühlen und überlässt die Logik dem Partner.
Somit hat jeder der beiden eine Art „Fachgebiet“ und eine Dualität ist geboren.
Der rationale Mensch wird immer rationaler, der subjektive Mensch wird immer subjektiver. Der rationale Mensch spaltet sich von seinen Gefühlen ab, dient dem Logikprinzip und konsumiert die Gefühle des Subjektiven.
Dadurch dient der Subjektive dem Objektiven als eine Art Batterie und nährt den Objektiven damit er nicht einfriert. Der Subjektive begibt sich in eine Art Abhängigkeit und opfert seine objektive Wahrnehmung.
Mein Lösungsansatz ist, den anderen als Lehrer anzunehmen und auch gleichzeitig als Schüler, in unterschiedlichen Fachrichtungen. Ein Weg ist sicherlich die Positionen zu tauschen und eben mit Freude zu spielen.
Die andere Position spielerisch in seine eigene Wahrnehmung einzugliedern und dadurch Logik beziehungsweise Subjektivität zu erlernen und Freude daran zu haben seine eigenen Reaktionen und die Reaktionen seines Spielpartners zu beobachten. Basis sollte meiner Meinung nach nicht das Spiel sein, sondern die beiden Menschen, die sich darin befinden.
Schließen möchte ich mit zwei Zitaten von Erich Fromm: „Freiheit ist nichts was man haben kann, Freiheit ist vielmehr eine Merkmal unserer Persönlichkeit…“, „Das Optimum an Lebensfähigkeit hängt vom Grad der Kenntnis über uns selbst ab. Diese Kenntnis ist das Instrument mit dem wir uns in der Welt orientieren und unsere Entscheidungen treffen… Je besser wir uns kennen, desto richtiger sind unsere Entscheidungen die wir treffen.



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06. Aug 2007 21:36

Feedback wäre toll :)

***abcdefgh



06. Aug 2007 21:38

mh

samadhi

...wie wärs mit ner zusammenfassung? :D



08. Aug 2007 12:49

ya Buchtipp

Schulz von Thun - Miteinander Reden
ISBN 3499622246